netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Warum es bei Altbeständen keine Dubletten gibt

Immer mehr Wissenschaftler, schreibt der Hamburger Kirchenhistoriker Johann Anselm Steiger in einem mir vorliegenden Text, die aus gedruckten Quellen des 16. bis 18.
Jahrhunderts zitieren, geben neben den bibliographischen Angaben auch
das Exemplar, das sie verwendet haben, an. Das hat seinen guten Grund:
Was frühneuzeitliche Drucke angeht, hat man bis zum schlagenden Beweis
des Gegenteils von der Prämisse auszugehen, daÃ? es Doubletten nicht
gibt. Ein solcher Beweis aber läÃ?t sich keineswegs auf den ersten oder
zweiten Blick, häufig auch nicht durch den Vergleich der sog.
Fingerprints, sondern nur durch mühsame Kollation, d.h. durch
detaillierte textkritische Arbeit, etwa innerhalb eines
Editionsprojektes, erbringen. Von enormem Quellenwert sind zudem nicht
nur Besitzeinträge, sondern auch auf den ersten Blick unerhebliche (und
den antiquarischen Marktwert meist verringernde!) Anstreichungen bzw.
Marginalien, die selbst dann von rezeptionsgeschichtlichem Interesse
sein können, wenn es nicht möglich ist, den Autor dieser Paratexte zu
identifizieren.

Kommentare sind geschlossen.