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Panorama-Unfreiheit

Einmal mehr legt der BGH (Pressemitteilung) die im Interesse der Allgemeinheit angeordneten Schranken des Urheberrechts viel zu eng aus: Poster vom Wiener Hundertwasserhaus dürfen nur mit Zustimmung der Rechtsinhaber vertrieben werden, sofern – und diese Einschränkung fehlt in der Ã?berschrift der Pressemeldung – es nicht von öffentlichem Verkehrsgrund aus fotografiert wurde (sog. Panoramafreiheit). Lesen wir dazu die Gesetzesbegründung des Gesetzes von 1965: Dem Urheber, wie vorgeschlagen worden ist, einen Vergütungsanspruch für den Fall zu gewähren, daÃ? aus der zugelassenen Verwertung ein Gewinn gezogen wird, dürfte kein AnlaÃ? bestehen. Die Regelung des § 60 [heute § 59] beruht auf der Erwägung, daÃ? die Aufstellung eines Kunstwerkes an öffentlichen Orten zum Ausdruck bringt, daÃ? damit das Werk der Allgemeinheit gewidmet wird. Aus dieser Zweckbestimmung rechtfertigt sich eine Beschränkung des Urheberrechts in der Weise, daÃ? jedermann das Werk abbilden und die Abbildungen verwerten darf. Da steht rein gar nichts von der Einschränkung, daÃ? der Standort des Fotografen zwingend auf öffentlichem Verkehrsgrund sich befinden muss. Der BGH biegt und beugt das Recht, bis es seinen in ständiger Rechtsprechung gebetsmühlenartig wiederholten Dogmen entspricht.

Ein Kommentar

  1. Die Einschränkungen der künstlerischen Freiheit haben schon Methode – im Ausland ist es aber keinesfalls besser.
    In Paris sollen schon viele Hobbyfotografen aggressiv angegangen worden sein, weil sie versuchten, die urheberrechtlich geschützte Pyramide am Louvre zu fotografieren.
    Selbst das Lichtspektakel am Louvre ist \“geschützt\“.
    Häufig wird hierbei zwischen Amateuren und Profis unterschieden, – wobei in der Praxis oft ein \’Profi\‘ jemand ist, der eine große, teuer aussehende Kamera, ein Stativ oder einfach viel Foto-equipmet bei sich hat.
    Ich selbst habe diese Erfahrung gerade wieder in Agrigent gemacht – kaum hatte ich mein Stativ aufgebaut, schon hieß es, \“Profis\“ (bin ich nicht)bräuchten eine (kostenpflichtige) Sondererlaubnis, die abends natürlich nicht zu bekommen wäre. Zum Glück hatte ich schon etliche Bilder im Kasten…

    Auf die Dauer natürlich recht kurzsichtig: Gäste werden verärgert, kostenlose Werbung z. B. im Internet unterbleibt – und das alles nur um den Verkauf einiger Postkarten zu sichern!

    Interessanter Artikel zu diesem Thema:
    http://www.photographie.de/magazin/fotorecht_10_2002.cfm

    Laurenz
    http://www.reisefotos.de/