netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Nachruf Reinhard Döhl

Gestern brachte die Stuttgarter Zeitung einen Nachruf auf Reinhard Döhl, Medienwissenschaftler, Autor und Künstler, welcher mit 69 Jahren in Stuttgart gestorben ist. Unter anderem hat er an der Büchereifachschule Hamburg studiert und an der Stadtbücherei Stuttgart zusammen mit Johannes Auer den futuristischen Lesesalon gegründet.

4 Kommentare

  1. Der Beitrag von Irene Ferchl in der Stuttgarter Zeitung ist sehr zutreffend, kann freilich in der gebotenen Kürze nicht alle Facetten dieses vielseiten Hochschullehrers darstellen. Neben der \“futuristischen\“ Seite war er ein beliebter, stets ansprechbarer akademischer Lehrer, der seinen Studenten sehr früh auch den fast vergessenen Jean Paul nahebrachte. Er muss auf angenehme Art prägend für seine Studienrenden gewesen sein. Leider erhielt Reinhard Döhl keine Professur, die er auf anregende, für seine Studenten fruchtbare Weise hätte ausfüllen können. Intressant bei ihm und typisch für Vielseitigkeit und breite literarische Bildung ist auch, dass Reinhard Döhl als einziger der Stuttgarter Germanisten – jedenfalls in seinen erstens Ruhestandsjahren – von dem baltischen Dichter, Tierschützer und Kulturkritiker Manfred Kyber (1880 bis 1933) wusste. Schließlich hatte ihm seine Mutter in der Kindheit Kybers Tiergeschichten vorgelesen – für ihn also unvergessen. Folgerichtig trat Reinhard Döhl in seiner offenen Wesensart 2002 der damals neu gegründeten Manfred-Kyber-Gesellschaft e.V. bei (gegründet am 16. März 2002 in Stuttgart). Leider verhinderte Reinhard Döhls lange Krankheit eine akitve Mitarbeit – war für originelle Beiträge hätten sich da aus seiner Feder ergeben…
    Wir vermissen ihn sehr und wünschen ihm Wesensgemäßes im \“Poetenhimmel\“! Peter Götz

  2. Hiermit sei auf die präzis und sensibel moderierte \“Denkseite für Reinhard Döhl\“ hingewiesen, URL:
    http://doehl.hor.de/index.php

  3. Erst vor wenigen Monaten haben wir gemeinsam im Westfälischen Literaturmuseum Haus Nottbeck die Ausstellung „bildertexte / textbilder. Reinhard Döhl / Karl Riha“ konzipiert und gezeigt. Döhl begeisterte sich für den Ausstellungsort, das alte Rittergut: „ich habe mich im museum sehr wohl (um nicht zu sagen: zuhause) gefuehlt, und das schliesst die spargelsuppe (so etwas habe ich seit meiner kinderzeit nicht mehr gegessen) ebenso ein wie die fuer mich einleuchtend aufgebaute praesentation. mit buchstabensuppe oder auch keksen (= russisch brot) oder sonstiger essbarer literatur sollte man einmal ein kleines fest feiern. man koennte dazu abecedarien an die waende haengen und die anwesenden buchstaebliches verlauten lassen.“ Ganz vernarrt war er in die Idee, Dichter-Findlinge im Park des Museums und der umliegenden Landschaft zu platzieren. Auch bot er bereitwillig seine Hilfe an, im Internet so etwas wie einen „Nottbecker Poetenwinkel“ einzurichten.
    Döhl steckte bis zuletzt voller Hoffnungen und Pläne. Einer davon war der einer „Sommerresidenz“ auf Haus Nottbeck. Er wollte sich eine Zeitlang in Klausur begeben und seiner westfälischen Vergangenheit nachspüren. Womit es ihm sehr ernst war. Mit der Ausstellung und dem erwähnten Lesebuch, das in der Reihe „Neue Westfälische Literatur“ erschienen ist, sei ihm, was er ganz unpathetisch meinte, „etwas heimat wiedergegeben“ worden. Mit Döhls Tod geriet ein weiteres Projekt vorerst ins Stocken. Seine Chansons, teilweise dreißig, vierzig Jahre alt, sollten neu erarbeitet und von Jazzmusikern auf Haus Nottbeck zu Gehör gebracht werden. Die Pläne werden nun ohne ihn weiter verfolgt – schon als Verpflichtung und innerer Verbundenheit einem Künstler gegenüber, der auch ein guter Freund war.

  4. Hallo: Meine am 24. Juni 2004 mit Hinweis auf die ”Denkseite für Reinhard Döhl”, URL:» http://doehl.hor.de/index.php « notierte Website hat sich geändert in » http://www.gerdhergenluebben.homepage.t-online.de/ «