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Mit Wikis als „application building tools“ herumspielen

Unter http://lheller.jot.com/ hat mir der vieldiskutierte Wiki-Service JotSpot nun ein Wiki zur Verfügung gestellt. Mit dem Benutzernamen netbib, PaÃ?wort netbib (ich wollte es nicht zu kompliziert machen) kann sich dort nun jeder einloggen und das System ausprobieren. Ich verfüge über den Administrator-Account für dieses Wiki – wenn ich damit irgend etwas tun oder lassen soll, gebt mir einfach bescheid. Ich kann natürlich auch weitere User-Accounts hinzufügen, wenn das für eure Experimente interessant ist.

Zum vergleichenden Herumspielen bieten sich XWiki, TWiki und SnipSnap an. Im Gegensatz zu dem millionenschweren JotSpot-Projekt lassen sich diese drei Open-Source-Produkte alle auf dem eigenen Rechner zu Hause oder bei einem Webhoster installieren: SnipSnap ist mittlerweile auf dem Heim-PC innerhalb weniger Minuten installiert; TWiki läÃ?t sich mit Webhosting-Paketen installieren, welche die Ausführung von Perl-Skripten gestatten. Ein wenig um die Ecke gedacht läÃ?t sich JotSpot vielleicht auch noch mit Tiki vergleichen, einem sogenannten Groupware-Produkt, bei dem sich ein Wiki um gemeinsam geführte Kalender, Webmal etc ergänzen läÃ?t.
Ich nenne das, was ich hier vorschlage, bewuÃ?t „Herumspielen“. Wikis sind eigentlich keine „application building tools“, und die manchmal faszinierenden technischen Möglichkeiten der vier oben genannten Programme bergen mindestens ein groÃ?es Problem – sie verdecken die Stärke, die in der Einfachheit des ursprünglichen Wiki-Konzepts steckt. Wikis sind wertvoll, wenn es darum geht, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten, insbesondere an Texten und natürlich an Netzen von Hypertext-Dokumenten. Die Zugänglichkeit der Dokumente in Hinsicht auf die Bearbeitung sollte absolute Priorität genieÃ?en. Texte gemeinsam zu entwickeln und in ein Netz von Hypertext-Dokumenten eine sinnvolle Struktur zu bringen – dabei kann ein Wiki eine groÃ?e Hilfe sein, sowohl für eine groÃ?e Community wie die Autoren der Wikipedia als auch für ein kleines Team wie die Netbib-Blogger. Aber immer geht es um die Autoren! Die Software sollte ihnen helfen, und gerade deshalb nicht im Vordergrund stehen. Sie sollte auch nicht in erster Linie Wiki-Besuchern das Konsumieren der Texte verschönern – manche Wiki-Engines sind darin inzwischen auch schon ganz gut, aber das kommt eindeutig erst an zweiter Stelle. Vor allem sollte gute Wiki-Software die Autoren nicht mit übermässiger Vorstrukturierung oder mit einer Benutzeroberfläche, die mit bombastischen technischen Möglichkeiten zugeknallt ist, nerven – und genau das scheint mir bei den oben genannten Produkte eher zu drohen als bei anderen.
Für die Einrichtung eines Wikis ist die ganze Frage der Wahl der richtigen Software sowieso zweitrangig. Wer zum Beispiel eine neue öffentliche Wiki-Community ins Leben rufen will, sollte sich lieber damit beschäftigen, ob es das, was er will, nicht schon längst gibt.
Trotzdem, ich möchte dem Eindruck entgegenwirken, die oben gemachte Aufstellung der vier JotSpot-Alternativen sei meine Empfehlung in Sachen Wiki-Engines. Interessant finde ich zum Beispiel auch die folgenden vier Programme: MoinMoin, das ich selbst sehr gern benutze, hat eine Benutzeroberfläche, deren Komplexität noch erträglich ist. Es hat voreingebaute Werkzeuge, die helfen, sich auch noch in gröÃ?eren Wikis zurecht zu finden, und benötigte Ergänzungen lassen sich einfach als Plugins nachinstallieren. Wikka, eine andere Wiki-Software, ist offenbar sowohl für Administratoren als auch für Autoren noch einfacher zu handhaben, und ist sicherlich unschlagbar für alle, die schon Websites in HTML geschrieben haben und die dabei gewonnenen Fertigkeiten weiter anwenden möchten. Wikka ist auch schön, wenn man zu jeder einzelnen Wiki-Seite sofort einen RSS-Feed haben will, oder gar MindmapsOddmuse ist auch so eine enorm RSS-freudige Wiki-Engine mit ebenfalls enorm einfacher Oberfläche. Und so etwas wie ein neuer Spitzenreiter in Sachen einfach gestaltete Oberfläche scheint mir Kwiki zu sein, Wikalong-Probierer erinnern sich vielleicht.
Ã?brigens sind auch die zuletzt genannten vier Programme freie Software.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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