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Seattle Times berichtet über Plone

18. November 2004 von Lambert Heller

Tuttle SVC weist auf die Berichterstattung in der Seattle Times über Plone hin. Ein guter AnlaÃ?, über ein wirklich erstaunliches Produkt ins Plaudern zu kommen. Plone ist ein Open Source-Content Managment System, das auf dem Webanwendungs-Server Zope und der Sprache Python aufsetzt. Nicht nur Plone selbst ist Open Source, sondern auch Zope und die Programmiersprache Python. Zu haben ist dieses Paket natürlich für alle gängigen Betriebssysteme – wahrscheinlich könnte man zum Ausprobieren das Ganze auch auf dem Windows-PC zu Hause zum Laufen bringen. Warum man das wollen könnte, wo es doch Content Management Systeme (CMS) wie Sand am Meer gibt?

Für Zope und Python sind ganze Programme erhältlich, die sich relativ einfach zusammenstöpseln lassen und mit denen sich Erstaunliches vollbringen läÃ?t. Plone zum Beispiel ist eine Publikationsplattform für Gruppen und Organisationen, in denen zahlreiche Rollen und Workflows sowie Plätze und Formen der Veröffentlichung privater oder gemeinsamer Inhalte definiert werden können. Prinzipiell mag so etwas auch mit anderen CMS möglich sein, aber wer Plone oder andere Zope-Systeme einmal ausprobiert hat wird von der Klarheit und Universalität der Benutzeroberfläche schnell sehr begeistert sein. Persönliche Repositories, in denen man Objekte unterbringen kann, die komfortable Bearbeitung der Objekte über Menüs einschlieÃ?lich pfiffiger Kleinigkeiten wie Copy and Paste-Vorgänge sind Dinge, die enorm an übliche Tätigkeiten am PC-Desktop erinnern, und allein diese Analogie erleichtert einem die Arbeit doch sehr. Irgendwie scheint es das allgegenwärtige PHP nahezulegen, den User ständig durch schrittweise Prozesse hindurchzuschleusen; das Gefühl “Hier liegen meine Sachen vor mir, und mit denen kann ich jederzeit nach Belieben herumhantieren” will da nicht so recht aufkommen. Okay, das ist die subjektive Sicht eines reinen Anwenders wie mir, ein Informatiker wird da sicherlich noch andere, vielleicht wichtigere Unterschiede kennen.
Jedenfalls hatte ich die interessante Gelegenheit, die Entwicklung eines anderen CMS auf Zope-Basis als Beta-Benutzer zu begleiten, union.cms (hier das Entwickler-Wiki), ein Plone vielleicht nicht ganz unähnliches Produkt. (Hallo Janko und Andy, falls ihr das zu lesen bekommen solltet, ärgert euch bitte nicht, sondern faÃ?t es als das Lob eines Dilettanten auf! :wink: ) Mit union.cms ist die Gewerkschaft ver.di gerade dabei, das erstaunliche Kunststück zu vollbringen, eine zentrale Plattform für den Betrieb von hunderten, ach was, tausend individuell vor Ort erstellen und gewarteten Gewerkschafts-Websites anzubieten, aus eigenen Kräften und ausschlieÃ?lich mit den Mitteln freier Software. Ein sehr zukunftsträchtiges Szenario der Entwicklung und Implementierung von Webanwendungen, vermute ich.
AbschlieÃ?end noch kurz zu der im Netbib-Weblog gerade diskutierten Frage, ob eine gut gestaltete Website glaubwürdiger sei. Titel und Logo von Tuttle SVC, dessen Hinweis auf Plone und die Seattle Times Aufhänger dieses Beitrags hier war, hatten, so muÃ? ich rückblickend feststellen, meine anfängliche Neugier auf dieses Weblog deutlich verstärkt. Der Bezug auf die Figur des Handwerkers Tuttle in Terry Gilliams Filmklassiker “Brazil”, übrigens dargestellt von Robert de Niro, hatte dem Weblog in meinen Augen gleich einen groÃ?en VorschuÃ?-Bonus verschafft. Vermutlich muÃ? man diesen Film kennen und mögen, um das zu verstehen. In aller gebotenen Kürze zur Figur Tuttles: Zum negativ-utopischen Szenario dieses Films gehört eine ziemlich omnipräsente, laute, häÃ?liche, hinderliche und nie richtig funktionierende Maschinerie. Pumpende Schläuchte, laut krächzende, klobige Telefone, so etwas in dieser Art. Alles darf nur von “Central Services”-Mitarbeitern (IBM? Telekom AG? Microsoft?) repariert werden, wenn da nicht Harry Tuttle wäre, so eine Mischung aus Superman, Robin Hood, der RAF und eben, naja, Hackern. Er kennt sich halt mit der Technik aus und kümmert sich selbst um anliegende Probleme; eine rebellische Haltung, wegen der er verfolgt und vernichtet werden soll. Fiele da nicht ein Käfer (=Bug!) in den Computerdrucker, auf dem gerade der Verfolgungsbefehl ausgedruckt wird, so daÃ? … nein, also diesen Film müÃ?t ihre euch schon selbst anschauen. Und Plone ausprobieren, wie gesagt.

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