Mit dem Einsatz von Learning Management Systemen (LMS) fängt ernstzunehmende Online-Lehre überhaupt erst an – so jedenfalls das (noch) vorherrschende Bild von eLearning. George Siemens’ heute in seinem elearnspace veröffentlichten Artikel zufolge ist das grundfalsch. LMS knüpften nicht an die unmittelbaren Bedürfnisse der Lehrenden und Lernenden an; sie vermittelten die Illusion, alle eLearning-geeigneten Werkzeuge in einem einzigen Produkt zu vereinen; sie böten den Lehrenden durch Klick-Statistiken u.ä. ein technizistisch verkürztes Bild vom Lerngeschehen; und sie lieferten vorstrukturierte Lernmodelle, in deren Zentrum meistens das passive “EinflöÃ?en” eines ebenfalls vorgegebenen, “fertigen” Lerninhalts stehe.
Siemens meint, daÃ? eine vollständige Alternative zu den kritisierten LMS zwar fehlen mag, sich aber in Social Software wie Wikis, Weblogs und RSS-Feeds eine andere Möglichkeit abzeichnet, eLearning technisch auszustatten. Bei diesen neuen Werkzeugen handele es sich durchgängig um Module, die von Lehrenden und Lernenden stärker den eigenen Bedürfnissen entpsrechend variiert werden können; die die Ausdruckfähigkeit des Lernenden in den Mittelpunkt stellten; und die informelle und selbstorganisierte Gestalten des Lernens stärker berücksichtigten, die heutzutage nach der Schule ohnehin am wichtigsten seien.
LMS mit Social Software zu kritisieren, diese Idee liegt förmlich in der Luft. Erst vor einigen Wochen hatte Lisa Wise, Expertin für Online-Learning an der Uni Melbourne, eine ähnliche Kritik formuliert. LMS seien kaum dazu geeignet, Lerngemeinschaften entstehen zu lassen; ihrem Charakter nach seien sie kaum etwas anderes als zentralistische, übermäÃ?ig kontrollierende Kursverwaltungssysteme für ein vereinzeltes Lernen. Auch für Wise sind Wikis und Weblogs mögliche bessere Alternativen.
Interessieren würde mich nun, ob ein System wie ILIAS bei Siemens und Wise ebenso durchfallen würde. ILIAS ist ein bereits reichlich ausgereiftes Open Source-LMS. Es scheint jedoch in den USA und Australien weniger verbreitet zu sein als zum Beispiel die in den Artikeln explizit erwähnten Marktführer WebCT und Blackboard, obgleich es sich aktuellen Reviews und Vergleichen zufolge keineswegs hinter der nicht-quelloffenen Konkurrenz zu verstecken braucht. Das Besondere an ILIAS scheint mir der Nachdruck auf Unterstützung von offenen Standards sowie Metadaten für Lernobjekte zu sein. Modularität und individuelle Kontrolle über die Inhalte dürfte somit eher gegeben sein. Wenn ein Leser dieses Beitrags eine Einlassung von jemandem findet, der sowohl mit ILIAS, als auch mit typischen proprietären LMS, als auch mit Social Software Erfahrungen im eLearning gesammelt hat – so etwas würde mich sehr interessieren, und vielleicht ja auch andere.
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