Wikipedia aufspalten?
Montag, 31. Januar 2005 | Autor: Flusskiesel
Für eine Aufspaltung der Wikipedia plädiert Torsten Kleinz in der Telepolis.
Montag, 31. Januar 2005 | Autor: Flusskiesel
Für eine Aufspaltung der Wikipedia plädiert Torsten Kleinz in der Telepolis.
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Thema: Wiki
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8 Kommentare
Montag, 31. Januar 2005
Danke für den Hinweis! Das ist ein Artikel, der bestimmt von vielen Wikipedia-Autoren und -Lesern zur Kenntnis genommen wird.
Stellen wie
klingen für mich so, als sei das Wiki-Prinzip für Torsten Kleinz eine Art Betriebsunfall, dessen gröbste Hauptfolgen dringend korrigiert und berichtigt gehören. Eine seltsam anmutende Wahrnehmung!
Die Abstraktion zwischen \”freie Online-Enzyklopädie = irgendwie gut, zumindest rettenswert\” einerseits und \”Wiki = zu chaotisch\” andererseits funktioniert keineswegs so reibungslos, wie Kleinz sich das vorstellt. Und andersherum: Das angeblich nur Chaos garantierende Wiki-Prinzip hat viel mehr Struktur hervorgebracht (übrigens einschließlich zahlreicher längst geschehender Verzweigungen in Unterprojekte), als Kleinz offenbar sieht und wahrnimmt. Wenn es darum geht, Wachstum und Erfolg der Wikipedia zu schildern wird sein Artikel denn auch entsprechend schwammig; beispielsweise wird der Erfolg des Wiki-Prinzips in verschiedenen anderen Bereichen mal eben kurz mit dem Erfolg der Wikipedia gleichgesetzt. Da ist die Auseinandersetzung mit dem Wiki-Prinzip und seiner Geschichte entschieden zu kurz geraten. (Wäre ich arrogant genug würde ich Herrn Kleinz zu regelmäßiger Netbib-Lektüre raten. ;-)) Und auch die Strukturierung des Kernprojekts Wikipedia wird von Kleinz deutlich unterschätzt: So werden 300 \”exzellente Artikel\” mal eben mit 300 guten Artikeln gleichgesetzt, was am Konzept der Hervorhebung exzellenter Artikel eindeutig vorbeigeht.
Kleinz\’ Artikel reiht sich ein in das vielfach artikulierte Bedürfnis, die alten Wissensautoritäten zu restaurieren. Im letzten Jahr war so etwas alle paar Monate mal wieder zu lesen, wir haben ja auch regelmäßig hier darüber berichtet. Das merkwürdige und neue am Kleinzschen Ordnungsruf ist lediglich der konstruktive Dreh: Eine Maßnahme zur Rettung der Wikipedia sei fällig. Mit einem leicht abgewandelten Wowereit-Kalauer wäre dagegen zu halten: Am Chaos der Wikipedia ist nichts zu retten - und das ist auch gut so!
Montag, 31. Januar 2005
P.S. Ich habe gerade noch mal einen Blick auf das Kommentarforum von Kleinz Artikel geworfen. Auf die beiden letzten Kommentare möchte ich einfach noch mal kommentarlos hinweisen; sie treffen sehr prägnant das, was ich oben etwas umständlich auszudrücken versucht habe.
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=7334213&forum_id=72962
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=7334040&forum_id=72962
Dienstag, 1. Februar 2005
Ähm - nein, es werden nicht 300 exzellente Artikel mit 300 guten Artikel gleichgesetzt. Ich schrieb von \”gut 300\” - also etwas mehr als 300 - \”exzellenten Artikeln\” (mit Link). Ich bin erschüttert, wie oft das falsch verstanden wird.
Ebenso habe ich die Strukturierung der Wikipedia thematisiert und das unklare Zustandekommen und die interne Entscheidungsfindung kritisiert. Damit es qualitativ vorangeht, müssen Anforderungen von außen an das Projekt gebracht werden. Intern enden Verbesserungsdiskussionen zu oft ergebnislos oder mit dem Austritt von Mitgliedern. Siehe dazu auch den Newsletter, der heute auf der deutschen Mailingliste zu sehen ist.
Zudem steht nirgends in dem Artikel, dass das Chaos der Wikipedia abgeschafft werden soll, ihm soll ein neues Qualitätsprojekt zur Seite gestellt werden. Und alle Diskussionen belegen, dass heute niemand ein solches Projekt in der normalen Wikipedia für möglich hält.
Dienstag, 1. Februar 2005
Hallo Torsten,
zunächst mal fällt es mir schwer, mich mit deiner Argumentation im obigen Kommentar auseinanderzusetzen, denn als Grund halten Wikipedia-Interna her, die man kennen muß, um beurteilen zu können, ob sich daraus die Schlüsse ziehen lassen, die du ziehst. Ich bin z.B. nur regelmäßiger Wikipedia-Leser, gelegentlicher Wikipedia-Autor und war nie Abonnent der besagten Mailingliste(n).
Zu dem Wiki-externen Qualitätsprojekt kann ich nur sagen: Wenn Leute die Wissensbasis, die im Wiki entstanden ist (und in dieser Größe und Gestalt offenbar nur in einem solchen entstehen konnte - zumindest ist mir kein Gegenbeispiel bekannt) zugunsten eines Nicht-Wiki-Projekts abschöpfen wollen, dann sollen sie das gerne tun. Und von mir aus können sie auch behaupten, sie täten das um des Wissens selbst willen oder der Elite der ‚guten Autoren’ zuliebe.
Meine Aufmerksamkeit wird weiterhin dem phänomenalen Projekt gelten, in dem dieses Wissen entsteht, und in dem ein faszinierend hoher Anteil der so überaus zahlreichen Artikel korrektes, in sich gut strukturiertes Wissen enthält.
Würden mich Wikipedianer um Rat fragen (was sie nicht tun), würde ich ihnen dringend davon abraten, an die einzigartigen Resultate, die unter dem Wiki-Prinzip entstehen, äußerliche Maßstäbe wie die Lenkbarkeit des Gesamtprojekts anzulegen. Schon die Vergleicherei mit Brockhaus und Britannica mag zwar unterhaltsam sein, lässt aber schnell in Vergessenheit geraten, dass Wikis eben ganz anders funktionieren als traditionell organisierte Wissenssammlungen.
Auch hier gilt wie für meinen obigen Kommentar: Was ich auszudrücken versuche ist an anderer Stelle schon bestens auf den Punkt gebracht worden, in diesem Fall in dem Many-to-Many-Posting K5 Article on Wikipedia Anti-elitism” von Clay Shirky. Der Beitrag ist einfach zu passend, um nicht abschließend noch auszugsweise daraus zu zitieren:
P.S. Wenn wir hier Haare spalten, dann aber auch richtig.
In deinem Artikel steht: “Es existieren in der deutschen Wikipedia erst gut 300 exzellente Artikel - genug, um zu beeindrucken, aber zu wenig, um den Durchschnitt der Artikel wesentlich anzuheben.” Das kann ich nur so verstehen: 300 Artikel reichen nicht aus, um die durchschnittliche Qualität aller Artikel anzuheben. So eine Aussage ist nur unter der Prämisse sinnvoll, daß es einen markanten Qualitätsunterschied zwischen genau jenen 300 “exzellenten Artikeln” und dem Rest gibt. Unter Rest kann hier nichts anderes verstanden werden als alle anderen Artikel, denn irgendeine weitere Differenzierung findet nicht statt. Soviel zur Telepolis-Exegese.
Dienstag, 1. Februar 2005
Sorry für ein offenes Wort: Aber Deine \”Exegese\” ist schlicht hanebüchen. Und ja: natürlich sind die Exzellenten Artikel vom Durchschnitt deutlich abgehoben, auch von ganz normalen \”guten\” Artikeln.
Die Diskussionen auch innerhalb der Wikipedia sind mir durchaus bekannt und in meinem Artikel adäquat berücksichtigt. Ich bitte darum, den Artikel vor einer Pauschalkritik das nächste Mal gründlich zu lesen und nicht mit Forenkommentaren zu vermischen.
Dienstag, 1. Februar 2005
Na gut, das führt zu nichts. Wer hier wessen Beiträge nicht gründlich gelesen hat sei nun dem abschließenden Urteil der Netbib-Leser überlassen, falls jemand bis hierhin durchgehalten haben sollte!
Dienstag, 1. Februar 2005
Also ich fand den Telepolisartikel eher sehr schwach. LH verdient Dank, dass er so was Intelligentes dazu geschrieben hat.
Freitag, 16. Juni 2006
Hm ich bin gegen eine Aufspaltung. Der Erfolg von Wikipedia ist doch, dass es zu allem etwas bietet und man sich einfach durchklicken kann und rumsurfen kann. Ich fürchte der Spass ginge dann verloren. Ausserdem: wer was braucht muss halt die Suche benutzen.