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Weinberger und Wired: Vertrauensmacht Wikipedia

Donnerstag, 3. März 2005 | Autor: Lambert Heller

Der März fängt gut an: Es gibt gleich zwei lesenwerte Artikel über die Wikipedia und ihre Zukunft als eine neuartige “Vertrauensmacht” im Reich des Wissens.
Daniel H. Pink schreibt in The Book Stops Here (Wired, Issue 13.03) über die Geschichte der Enzyklopädien, die Autoren der Wikipedia und…

natürlich darf auch in Wired die Wikipedia-Kritik von Larry Sanger vom Sylvester 2004 nicht unerwähnt bleiben. Pink weist Sangers Kritik so ähnlich zurück wie vor ihm bereits Clay Shirky, wenn auch mit geringerem argumentativen Gewicht und weniger polemischer Schärfe (vgl. auch die Links zu Sangers Kritik und Shirkys Erwiderung im Netbib-Wiki):

You can’t evaluate Wikipedia by traditional encyclopedia standards. A forked Wikipedia run by academics would be Nupedia 2.0. (…) That’s not a better or worse Wikipedia any more than Instapundit.com is a better or worse Washington Post. They are different animals.

Zum nächsten Artikel. David Weinberger weist auf den merkwürdigen Mittelweg hin, den die New York Times künftig bei der Zugänglichkeit ihrer Archive gehen will:

So, starting in April, NYTimes.com is going to publish thousands of topic pages, each aggregating the content from the 10 million articles in its archive, going back to 1851, including graphics and multimedia resources. [NOTE: They are not opening their archive. The content will likely be descriptions created for the Times Index; you'll still have to pay to see articles in the archive.]

Weinberger schätzt am Ende des Artikels nüchtern ab, in welches schwere Wasser das Schiff NYT damit vermutlich steuert (um mal in der nautischen Metaphorik des Autors zu bleiben). Das erste, womit wir jede “topic page” der NYT erst einmal vergleichen werden, sei die Wikipedia-Seite zum gleichen Thema. Und was dabei regelmäßig herauskommen wird, wird den besonderen Qualitäten des Informationsangebots der NYT in keiner Weise gerecht:

My guess is that, while nothing can duplicate The Times’ 150 years of cultural artifacts if they’re made freely available*, we’re going to find the Wikipedia page more useful, more current, more neutral, and more linked into the Web. If we don’t, we’ll edit the Wikipedia page until it’s better. And then we’ll link it to the NYTimes.com topic page. In this head-on comparison between what the best of the closed systems can do with what the newest of the open systems comes up with, you’ll hear the groan of the hawser as the ship of trust changes berths.

P.S. Informationsethisch betrachtet mag das ja nicht hierhin gehören, weils nur die Leser belästigt :twisted:, aber ich muß an dieser Stelle kurz eine Beobachtung an meine lieben Netbib-Co-Autoren weitergeben: Unsere Wiki-Software, Coma-Wiki ist wirklich alles andere als zitierfreudig. Im Quelltext der Wiki-Seite, auf die ich oben verlinkt habe, mußte ich erst mal rausfinden, daß es einen benannten Textanker für den zu verlinkenden Absatz gibt. So etwas wie eine vom Wiki automatisch erzeugte Gliederungsübersicht für einzelne Wikiseiten scheint es bei Coma nicht zu geben. Der Textanker-Name ist zudem herzlich nichtssagend und wird sich vermutlich sogar ändern, sobald man die Struktur der Wikiseite ändert. Einen Ausweg habe ich leider nicht zur Hand, ich wollte nur überhaupt mal das Problem ansprechen.

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Thema: Medien, Wiki

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3 Kommentare

  1. Hi Lambert!
    Das mit dem coma-Wikis ist der Fluch der Early Adaptors. Wir hatten vorher 2 andere Skripte (pmWiki und wakka), beide hatten damals aber ihre mehr oder weniger grossen Schwaechen. Zum damaligen Zeitpunkt war CoMa einfach am benutzungsfreundlichsten. Evtl. sind die Probleme mit dem Update behoben, das in naechster Zeit mit Costals freundlicher Unterstuetzung durchgefuehrt werden soll.
    Der TOC macht die Seite doch schon viel freundlicher 8-)

  2. Hi Edlef, vielen Dank, mit dem TOC sieht das gleich besser aus. Und \”Update\” klingt vielversprechend. :-)

  3. Unter http://www.no-racism.net/article/1336/ findet sich eine m.E. ganz gute politische Kritik an der deutschsprachigen Wikipedia. Der Schwerpunkt liegt dabei insbesondere auf rassistischen und eurozentristischen Konzepten und dem Umgang mit rechtsextremen UserInnen innerhalb des Projekts.