Wer sich beruflich mit dem wissenschaftlichen Publizieren im Internet beschäftigt wird zwangsläufig auf das neue “Positionspapier: Elektronisches Publizieren” gestoÃ?en sein, das von der DFG (genauer: von den beiden zuständigen Unterausschüssen) vor ein paar Wochen verabschiedet worden ist.
Das Papier hat mich an einigen Stellen überrascht, beispielsweise wenn die Rede ist von einer
Neugestaltung und Verschiebung der Grenzen zwischen traditionellem Publizieren und informeller Kommunikation. Im Gegensatz zum publikationsgesteuerten Wissensaustausch geht es bei letzterem Informationstypus um einen direkten, dynamischen und interaktiven Wissensaustausch, der zu einer Vernetzung der Akteure selbst führt. Ihre konzeptionelle und technische Basis ist die direkte Kommunikation. Sie ist heute im WWW durch E-Mail,
discussion groups, videoconferencing und virtuelle Kommunikationsnetzwerke asynchron, ortsungebunden und weltweit zugänglich. (Hervorh. im Original)
DaÃ? ausgerechnet die Jahrzehnte alte E-Mail (die allerdings vom WWW unabhängig ist) als Beispiel für diese Veränderung hergenommen wird, zusammen mit den diffusen (aber bedeutungsvoll kursiv gesetzten) “discussion groups” und der Randerscheinung Videokonferenz, das erinnert dann letztlich doch wieder daran, daÃ? hier die alte Tante DFG schreibt. Kein Wort von Weblogs und Wikis.
Interessant dann wieder, daÃ? Stevan Harnads Begriff des “scholarly skywriting” aufgenommen wird. Auch einige der Ã?berlegungen darüber, wie und warum Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen den neuen technischen Möglichkeiten gegenüber reserviert bleiben, sind zwar diplomatisch formuliert, aber durchaus interessant.
P.S. Diesen Beitrag hatte ich schon seit einiger Zeit vor mir hergeschoben, bis ich durch Open Access News darauf aufmerksam geworden bin, das auch die Kollegen vom Medinfo-Weblog das Papier aufgegriffen haben. Medinfo bezweifelt – bestimmt zurecht! -, daÃ? elektronisches Publizieren automatisch die Kosten der Bibliotheken zu senken hilft, während Open Access News sich über den positiven Bezug auf die Berliner Erklärung und OA freut.
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23.5.2005 um 19:38 Uhr
Öber http://atakan.blogg.de/ kam gerade herein: “Open Access unbekannt?”
(Ich habe gerade keine bessere Möglichkeit gefunden, das hier zu verbreiten…)
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