Um die Bedenken der Historiker auszuräumen, fädelten die Prinzen und das Land Niedersachsen einen Deal ein. Die staatlichen Museen erhielten nach Gesprächen mit dem Kulturministerium in Hannover eine Art Vorkaufsrecht, deren Direktoren eine Einladung nach Amsterdam, um dort sich ein Bild über möglicherweise wichtige Kulturgüter zu machen. Ergebnis: Knapp 50 Exponate, darunter Gemälde, Waffen, Silberobjekte und Tafelgeräte, tauchen nun nicht mehr in der Auktion auf, sondern gehen an die Landesmuseen. Die Erwerbskosten dafür belaufen sich laut Ministerium auf einen “mittleren sechsstelligen Euro-Betrag”; das Geld werde von den niedersächsischen Kulturstiftungen aufgebracht. Den gröÃ?ten Kritiker vermag diese Lösung immer noch nicht beruhigen. Im Gegenteil. “Meine schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt”, schimpft Heinrich Prinz von Hannover im Gespräch mit der FR. Die Auktion bedeute das historische Aus der Welfen in Hannover. “Unsere Wurzeln sind gekappt, meine Familie ist kulturell gestorben.” lesen wir in der FR.
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29.8.2005 um 23:34 Uhr
zu kg.s Eintrag und dem dort verlinkten FR-Artikel:
Der FR-Artikel enthält zwei Aussagen, die m.E. zwar sehr publikumswirksam, gleichwohl höchst fragwürdig sind:
1. Das vom Junior -Welfen ins Feld geführte Argument, durch den Verkauf der Schätze bewahre man das Erbe, ist nicht von ihm, sondern das des internationalen Handels.
a) Das Erbe, das im Keller liegt, wandert irgendwohin in Tresore oder Sammlerhäuser, ist also genauso wenig da wie vorher; in Museen landen die Sachen selten und wenn, verschwinden sie im Rest; der Zusammenhang ist nie mehr herstellbar.
b) Die Marienburg ist nicht das Erbe der “Welfen”, sie ist eine Courths-Mahler-Geschichte aus dem 19. Jh.: ein Ernst August hat sie der Gattin als romantisches Apercu zum Geburtstag gebaut.
2. Heinrichs (des Welfenchefs Bruders) Widerspruch ist – mit Verlaub – für uns irrelevant. Ein demokratisches Gemeinwesen ist keineswegs dazu verpflichtet, irgendeinen Groschen oder auch nur einen Funken Engagé dafür zu geben, dass irgend jemand seine “Familienidentität” bewahrt; das wäre ein bisschen zu teuer auf die Dauer.
Die Geste, Kuratoren und Museumsleiter nach Amsterdam zu zwingen, natürlich finanziert vom Steuerzahler, um die Stücke in Augenschein zu nehmen, ist ein recht starkes Stück. Angesichts der Tatsache allerdings, dass eine wahrscheinlich in Europa einmalige Bibliothek der Herrenhäuser Gärten, die NIEMALS irgendein Welfe, sondern vielmehr die für die Gärten verantwortlichen Direktoren im 19. und 20. Jh. angeschafft haben, und zwar mit Billigung ihrer Chefs, in wenigen Wochen vielleicht in alle Winde verstreut sein wird (durch eine Auktion bei Reiss im Oktober) und damit niemals wieder zur Saat werden kann, die aufgeht, sollte eigentlich jedem Bibliothekar und Archivar der Hut hoch gehen.
Wie ist es möglich, dass ein demokratischer Staat NICHT die Bedingungen stellt, die er braucht, um SEIN Erbe – zu dem er z. B. durchaus auch die Geschichte der Welfen und der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Herrenhäuser Gärten zu zählen berechtigt ist – zu bewahren?
20.9.2005 um 17:09 Uhr
zu b) Die Marienburg ist nicht das Erbe der âWelfenâ, sie ist eine Courths-Mahler-Geschichte aus dem 19. Jh.: ein Ernst August hat sie der Gattin als romantisches Apercu zum Geburtstag gebaut.
Das stimmt nicht, lieber Felix: Die Marienburg wurde vom Architekten Hase für König Georg V. gebaut und DER hat es dann das neugotische Schloss seiner Gattin Marie zum Geburtstag geschenkt…
22.9.2005 um 00:31 Uhr
Stimmt, der andere war der Vater, oder? Pardon! [Wollte nur verdeutlichen, dass der Historismus des 19. Jh.s nicht sehr viel mit "Welfen" zu tun hat, es gibt z.B. Gutshäuser in Schleswig-Holstein, die sehen aus wie Ritterburgen aus dem Kino.]