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Wikipedia-Inkompetenz

When asked whether she would allow her student to use Wikipedia or similar public domain sources, Merwin said, „No. Emphatically no. I forbid it.“ (Zitat) Wenn man mich fragt, ob solche akademischen Lehrkräfte noch alle Tassen im Schrank haben, dann antworte ich: Nein. Entschieden nein. Denn Frau Schlau hat es in der Hand, kluges Fachwissen in die Wikipedia einzubringen oder einen Artikel, wie man schlechte und seriöse Quellen unterscheidet. Richtig ist: Zur Medienkompetenz gehört Vorsicht, Vorsicht und nochmals Vorsicht gegenüber Internetquellen, auch gegenüber der Wikipedia. Wer nicht in der Lage ist, einen guten und zitierfähigen Wikipedia-Artikel von einem Schrottbeitrag zu unterscheiden, wird auch gedruckte Literatur nicht angemessen bewerten können. Er wird einen hochrangigen Forschungsbeitrag, der in einer weniger bekannten Fachzeitschrift publiziert wurde, möglicherweise ignorieren und einen seichten Ã?berblicksartikel, der durchs Peer Review geschlüpft ist, vorziehen. Ihm fehlt das, was der Historiker Quellenkritik nennt, die Erfahrung, Quellen selbständig kritisch zu bewerten. Er wird daher auch wenn er dem Wikipedia-Verbot folgt nur Schrott oder bestenfalls MittelmaÃ? abliefern. Im ürbigen ist bei der Wikipedia die Heterogenität der Artikelqualität nur extremer, nicht grundsätzlich anders als bei einem fachlichen Lexikon, an dem viele unterschiedlich begabte Autoren mitwirken. Es gibt auch einige schlechte Artikel im „Verfasserlexikon“ und noch viel mehr im „Lexikon des Mittelalters“.

4 Kommentare

  1. Pingback: roxomatic

  2. Ich teile die Ansicht von Klaus ganz und gar: Ohne Quellenkritik keine Medienkompetenz, schon gar nicht in der Wissenschaft!

  3. Vorab: Ich kenne Merwin nicht und bin selbst seit bald 20 Jahren aus der Wissenschaft raus. Aber meint sie nicht letztlich das gleiche mit „I think this is the challenge to contemporary students and those to come. Many people today think that everyone’s opinion has equal validity. This is simply not true. We need to teach our students to discern a good source from a weak source“? Ist das nicht der Wunsch nach fundierter Quellenkritik? Oder vielmehr der Anspruch an Studis, an werdende Wissenschaftler, das zu leisten? Und sich erstmal die Mühe zu machen, das zu lernen?– Ihr seid sicher näher dran an den heutigen Studis, aber liege ich falsch mit dem Eindruck eines sich verbreitenden „Was Google nicht zeigt, existiert nicht“ und „Was in Wikipedia ausgiebig diskutiert ist, ist Allgemeinwissen und ausgiebig abgeklopft und lohnt nicht mehr zu hinterfragen?“
    Ich denke, daß der Verführungsfaktor (es sich bequem zu machen) bei Wikipedia schon recht groß ist, eben weil es per Konzept ein Review ist. Und quellenkritische Arbeit lernt man imho eben nicht wirklich auf Grundlage von Reviews.

  4. Quellenkritische Arbeit lernt man durch Erfahrung mit einem breiten Spektrum von Beiträgen, die sich heute als Informationsflut darstellt. bei manchen Inhalten wäre es fahrlässig und inkompetent, die Wikipedia als Informationsquelle auszuschliessen. Die Wikipedia filtert Wissen und ist daher primär kein Medium zum Erwerb medienkritischer Kompetenz, auch wenn Wikipedia-Artikel solche Kompetenz und Umgang mit seriösen Quellen thematisieren. Aber darum geht es doch nicht. Es geht darum, wie man die Verführung der Wikipedia und Googles aufnimmt. Indem man Verbotsschilder aufstellt, wie diese inkompetente Person oder indem man Studenten beibringt, in eine die Aufnahmefähigkeit überfordernde Informationsflut kritische Schneisen zu schlagen. Wer zum Schneisenschlagen in der Lage ist, wird in mehr als 50 % nach einem kurzen Blick auf den Wikipedia-Artikel diesen wieder wegklicken.