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Wikia – Wiki-Hosting und MediaWiki-Entwicklung mit Wagniskapital

Wikia, ein Unternehmen der WikipedianerInnen Angela Beesley und Jimmy Wales, hatte gestern Erfreuliches zu berichten: 4 Millionen US-Dollar werden von einem Netzwerk investiert, dem u.a. Netscape-Gründer Andreessen und eBay-Gründer Omidyar angehören. (Das Omidyar-Netzwerk war schon mal vor zwei Jahren als Wiki-freundlicher Investor aufgefallen.) Was macht Wikia?

Wikia hostet anzeigenfinanzierte Wikis, die sich inhaltlich komplementär zum enzyklopäischen Anspruch der Wikipedia verhalten, z.B. die satirische Uncyclopedia und Memory Alpha, ein Wiki von Star-Trek-Fans. Gehostet wird das Ganze mit MediaWiki, der Software, die bekanntlich auch hinter der Wikipedia steckt. Auch die Lizenzierung aller Inhalte der gehosteten Wikis lehnt sich an das Modell der Wikipedia an. Durch die GNU FDL wird die freie Weiterverbreitung und -bearbeitung der Inhalte garantiert, auch ihre kommerzielle Verwertung darf – richtigerweise – nicht ausgeschlossen werden.
Das Modell mag einigen bekannt vorkommen – von den Wikicities, Wikias Vorläuferprojekt. (Netbib berichtete.)
Das die Idee einer wiki-basierten Suchmaschine, die ursprünglich mal unter dem Label Wikia.com aufgebaut werden sollte, sang- und klanglos dahingeschwunden zu sein scheint bedaure ich ehrlich gesagt nicht allzu sehr. So richtig überzeugt hatte mich dieses Projekt nie, weshalb ich auch nicht darüber gebloggt hatte. GroÃ?artig für die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte finde ich es hingegen, daÃ? nun die Entwicklung der WikiMedia-Software an Fahrt gewinnen könnte. In der Wikia-Presseerklärung heiÃ?t es dazu:

Among other contributions, Wikia plans to enhance the software with usability features, spam prevention, and vandalism control. All of Wikia’s development work will, of course, be fed back into the open source code.

Nichts gegen Usability und Schutz vor Vandalismus – zwei groÃ?e Themen bei der Weiterentwicklung einer Wiki-Software von dieser Reichweite, gewiÃ?. Aber ich hoffe, daÃ? mit den neuen Möglichkeiten auch andere Aspekte ins Blickfeld rücken. Vor allem denke ich da an bessere Unterstützung von Metadaten, Ausgabe in „Mikroformaten“ und Standard-Formaten des E-Learning. Und vielleicht auch ein paar andere Dinge, über die hier bei Netbib ja auch immer mal wieder diskutiert wird: Datenbank-artige Anwendungen, bessere Unterstützung von Diskussions-Threads und eine „WikiMedia live“-Distribution für die private Wikiinstallation auf der eigenen Festplatte.
Und was bisher (sicher mit Absicht, man kann nicht alles gleichzeitig tun) kein Entwicklungsziel der MediaWiki-Software war, aber spätestens dann entscheidend wird, wenn mit MediaWiki einmal eigenständige wissenschaftliche Veröffentlichungen möglich sein sollen: Eine granulare Kontrolle von Schreib- und Leserechten durch Wiki-Autoren.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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