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BioMed Central vollständig bei CiteULike nachgewiesen

BioMed Central verkündet, daÃ? die bibliographischen Daten all seiner Artikel jetzt bei CiteULike verfügbar sind. Was hat das zu bedeuten?

CiteULike ist ein an Wissenschaftler gerichteter Social-Bookmarking-Dienst. Die Benutzer solcher Dienste selbst sind es, die Zeitschriftenaufsätze, aber auch Websites, frei verschlagworten können. (FuÃ?note: Die Wikipedia nennt dieses sogenannte „Tagging“ jetzt „gemeinschaftliches Indexieren“. Klingt in meinen Ohren sehr erzwungen. Ich kann nicht verstehen wie man eine solche Abneigung gegen Fremdworte entwickeln kann. Und bevor es in der Wikipedia erfunden wurde hat niemand dieses Wort verwendet. Die Sorge um deutsche Sprachreinheit hat sich in diesem Fall offenbar gegen die enzyklopädische Idee durchgesetzt.) Darüberhinaus will CiteULike – ähnlich wie Connotea und BibSonomy – eine Online-Literaturverwaltung sein. CiteULikes gemeinschaftliche bibliographische Datenbank, die natürlich auch anhand der benutzergenerierten Tags durchforstet werden kann, ist zugleich ein TOC-Dienst, d.h. vorab sind bereits die bibliographischen Daten über alle Artikel zahlreicher wissenschaftlicher Periodika vorhanden. Und zu diesen gehört nun auch alle 150 BMC-Journals.

Gerade die Rand- und Ã?bergangsbereiche des Socialbookmarkings zu bekannten Informationssystemen wie dem Bibliothekskatalog, Dokumentenservern und natürlich auch gerade der Online-Literaturverwaltung sind die Kristallisationspunkte einer im Entstehen begriffenen Infrastruktur für das wissenschaftliche Entdecken, Recherchieren und Schreiben. Keine wissenschaftliche Bibliothek, die tatsächlich benutzerorientierte Dienste anbieten will, kann es sich leisten, diese Entwicklung zu ignorieren. Tatsache ist jedoch, daÃ? die Ausgabeschnittstellen der heute in Deutschland verbreiteten OPACs und Dokumentenserver diese Entwicklung so gut wie nirgends wiederspiegeln, ganz zu schweigen von Bemühungen, Dienste wie Connotea in die Oberfläche der eigenen Systeme zu integrieren. Es scheint ziemlich egal zu sein, daÃ? die Benutzer ständig bibliographische Daten von einer Informations-Insel zur nächsten zu tragen müssen. Und gemeinschaftliches Suchen, Entdecken und ErschlieÃ?en seitens der Benutzer wird leider ebenfalls weitgehend ignoriert.

(netbib über CiteULike; netbib über Folksonomy-Dienste allgemein)

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

Ein Kommentar

  1. Keinen TOC-Dienst, aber vereinfachtes Verweisen auf Artikel bei BioMed Central bietet seit heute auch Connotea an: http://www.connotea.org/news#2006-08-03