netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Was ist ein freier Webdienst? (Beinahe zurück aus dem Urlaub…)

Ein immer gröÃ?erer Teil unserer Arbeit am PC verlagert sich von Einzelplatz- auf Internet-Anwendungen. So verdrängt die E-Mail langsam aber sicher Words Serienbriefe-Funktion, und selbst die grafische Benutzeroberfläche der Textverarbeitung wird heute von Online-Diensten wie Writely nachempfunden.

Wer bisher Open-Source- oder Freie Software schätzte sieht sich durch diese Entwicklung mit neuen Fragen konfrontiert. Welche Freiheiten sollte ein Webdienst (sei es ein Weblog-Hoster, ein Social-Bookmarking-Dienst oder ein Online-Kalender) gewähren? Wie können wir uns möglichst einfach über diese Freiheiten verständigen und ihre Gewährleistung möglichst zuverlässig sicherstellen?

Solche Freiheiten könnten sein:

  • Die Freiheit, meine Daten jederzeit vollständig, einfach, unter Beibehaltung aller meiner Rechte und in einem nicht-proprietären Datenformat aus dem Dienst herausnehmen zu können. (Webdienste-Freiheit 0)
  • Die Freiheit, jede Information nutzen zu können, die aus der Analyse oder Weiterverarbeitung meiner Daten hervorgegangen ist – und, gegebenenfalls unter Wahrung der Privatsphäre, aus der Analyse der Daten aller anderer Benutzer. (Webdienste-Freiheit 1)
  • Transparenz und Vertrauenswürdigkeit der Dienste sowie Sicherheit und freie Zugänglichkeit der Daten unabhängig von der Gewährleistung durch eine einzelne zentrale Instanz. Diese Freiheit ist nur durch eine verteilte, dezentralisierte Architektur des Webdienstes zu gewährleisten. (Vgl. etwa LOCKSS und P2P-Anwendungen; medinfo über LOCKSS) (Webdienste-Freiheit 2)

Dies sind, grobschlächtig zusammengefaÃ?t, Ideen von Tim Bray („Freiheiten 0“ und „1“) sowie Kragen Sitaker (Darstellung der Prämissen und „Freiheit 2“), die in den Tagen nach der O’Reilly Open Source Convention vergangene Woche und im Rahmen der seit längerem andauernden Diskussion um die Ã?berarbeitung der GPL entstanden sind.

Exzellent, wenn auch recht techniklastig, werden Ã?berlegungen dieser Art übrigens in den Weblogs von Jon Udell und Mike Linksvayer abgedeckt.

Bibliothekare sollten diese Diskussion dringend zur Kenntnis nehmen und am Besten selbst daran teilnehmen. Warum dürfte wohl ohne weiteren Klärungsbedarf auf der Hand liegen.

P.S. Ich bin gerade in wenig darüber verwirrt, daÃ? der Beitrag Open Data, auf den hier hauptsächlich zu verweisen wäre, in Linksvayers Blog nicht mehr enthalten zu sein scheint, aber vielleicht (hoffentlich) ist das nur ein vorübergehendes Phänomen. Derweil muÃ? man sich mit einer Kopie aushelfen.
P.P.S. Ja, es war ein schöner Urlaub: Krabben wurden gepult, Schatten wurde aufgesucht, und nun muÃ? ich die verbleibenden paar Urlaubstage noch nutzen, um hier in Berlin einige Vorbereitungen für meinen nahenden einmonatigen Aufenthalt an der Bibliotheca Alexandrina zu treffen. 😎 Vielen Dank nochmal für die netten UrlaubsgrüÃ?e und die Betreuung meiner Kommentarthreads!

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

3 Kommentare

  1. Das Problem ist bei innovativen Diensten die verlustfreie Öbertragung zu gewährleisten.

    Beispiel: OpenBC. Zwar kann ich die Kontakte schön als VCF exportieren, aber die felder sind nicht ganz kompatibel mit denen auf meinem lokalen PC. So bekomme ich ständig neue „Kategorien“, die immer nur einen Eintrag haben und höchst fantasievoll und inkonsequent zusammengewürfelt wurden.

    Schönes Beispiel ist Furl. Dort werden neben den Bookmarks auch Kopien der jeweiligen Webseiten abgelegt. Wer will, kann diese als Archiv komplett herunterladen. Nur wie importiere ich dieses Archiv dann in eine andere Datenbank?

  2. Freiheit 0 hat mit Webservices herzlich wenig zu tun. Das gilt generell für die Nutzung jeder Software.

  3. Richtig, gilt für jede Software. Ich möchte dennoch betonen, daß Webdienste wie Google diese Freiheit noch viel wichtiger machen. Nie war es so einfach, so nützlich und so naheliegend, einem (!) zentralen Webdienst anzuvertrauen, was man alles sucht (!). Auf der anderen Seite kommt bisher kaum jemand auf die Idee, von Google eine vernünftige persönliche Kontrolle über die anvertrauten Suchanfragen zu verlangen.