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Social Tagging in OPACs und Repositories: Weitere Ideen - und Details

Freitag, 2. Februar 2007 | Autor: Lambert Heller

Vor einigen Monaten hatte ich in einem etwas längeren Beitrag einige Probleme und Ideen betreffend Social Tagging in OPACs und Repositories zusammengetragen. (Pseudo-Fußnote: Der Begriff “Social Tagging” scheint sich in diesem Zusammenhang durchgesetzt zu haben, besser wäre m.E. eigentlich “Informationsbenutzer und katalogisierende bzw. dokumentierende Institutionen vernetzen ihre Metadaten miteinander”. Ende der Pseudo-Fußnote.) Auf das traditionelle Problem der Identifikation bibliographischer Entitäten will ich heute nicht noch einmal eingehen, wohl aber auf die Benutzeroberfläche und die Konversion der Metadaten zwischen den Beteiligten. Anlaß ist, daß mittlerweile auch hierzulande erste Experimente in diesem Bereich geplant sind oder, wie seit zwei Tagen im Saarland, bereits stattfinden.
Zunächst mal, ganz unbescheiden, ein Selbstzitat. In meinem oben verlinkten Beitrag hatte ich geschrieben:

Eine benutzerfreundliche, sich entwickelnde Folksonomy lebt vom Feedback der Tags an die Benutzer! Das heißt, der Benutzer muß beim Aufrufen eines Datensatzs sofort erkennen, mit welchen Tags der jeweilige Titel ggf. bereits getaggt worden ist. Das Connotea-Tool, PennTags oder auch LibraryThing sind hier positive Beispiele, die Folksonomy der Washington Post ist leider ein negatives Beispiel. In der technischen Umsetzung sollte darauf geachtet werden, daß die Tags als Pick-Liste zur Verfügung stehen, um per einfachem Mausklick in das Feld für die eigenen Tags übertragen zu werden.

Mit dem del.icio.us “Tagometer Badge” (bzw., für frei gestaltete Benutzeroberflächen, mit der dahinter liegenden API) läßt sich eine Liste aller Tags generieren, die von Benutzern zu Beschreibung eines Webdokuments verwendet worden ist. Es funktioniert im Prinzip so wie das “Connotea Tagging Tool for EPrints”, das die LMU München für ihr Repository verwendet. Das Connotea-Tool kann übrigens sowohl del.icio.us- als auch Connotea-Tags darstellen.

Weiter hatte ich geschrieben:

Die Funktion einer Pick-Liste, die titel-spezifisch “vorgefertigte” Tags anbietet, kann übrigens nicht positiv genug eingeschätzt werden. Viel zu oft werden in der Literatur zum Thema Folksonomy traditionelle Verschlagwortung und der neue Ansatz gegeneinander ausgespielt. Interessant am Tagging ist in meinen Augen hingegen die Offenheit und Entwicklungsfähigkeit auch gegenüber der reichen bibliothekarischen und dokumentarischen Tradition. Warum nicht auch nach allen Regeln der Kunst ausgewählte RSWK-Schlagworte den Benutzern per Pick-Liste zum Taggen anbieten? Auf beiden Seiten des OPACs dürften interessante Lerneffekte zu erwarten sein.

Die bei Inetbib von Ulrich Herb aufgeworfene Frage, ob Nichtbibliothekare überhaupt etwas mit RSWK-Schlagworten anfangen können, läßt sich meines Erachtens dahingehend auflösen, daß man jeden Benutzer selbst entscheiden läßt. In einer Pick-Liste sowohl RSWK-Schlagworte als auch ggf. weitere Metadaten zur Übernahme per Mausklick anzubieten dürfte kein großes Problem sein.

Nun noch zwei Überlegungen zu den Formalerschließungs-Metadaten:

Zum einen könnte man das Titelfeld des del.icio.us-Postings besser ausschöpfen, als es bei der Anbindung des SULB-Repositories derzeit der Fall ist. Trotz seines begrenzten Umfangs dürfte neben dem Titel des Dokuments in den allermeisten Fällen auch noch der Namen des ersten oder auch noch des zweiten Autoren und auf jeden Fall das Publikationsjahr passen.

Zum anderen würde ich bedenken, daß del.icio.us-Entwickler Joshua Schachter grundsätzlich auch arbiträre Metadaten unterstützen will. Wie das aussehen wird ist zwar unklar, fest steht jedoch, daß neben den eigentlichen Tags bereits arbiträre Metadaten in minimaler Form “inoffiziell” unterstützt werden. Mit system:has:author lassen sich beispielsweise alle Einträge eines (!) del.icio.us-Accounts abrufen, die Tags in der Form author:weinberger oder author:ranganathan enthalten. (Wer ein Beispiel anklicken möchte: hier sind alle Beiträge aus meinem del.icio.us-Account, bei denen ich durch einen arbiträren via:-Tag festgehalten habe, wodurch ich auf die jeweilige Ressource aufmerksam geworden war.) Auf der Inetbib-Liste war erkannt worden, daß BibTeX möglicherweise der kleinste gemeinsame Nenner zur Übertragung bibliographischer Daten an “benutzernahe Systeme” ist. (Vgl. auch hier.) Mein Vorschlag wäre daher, Metadaten aus der Formalerschließung in der Form [BibTeX-Feldname]:[Feldinhalt] per Pick-Liste anzubieten. Hinzuzufügen wäre logischerweise ein Tag, der den verwendeten Metadaten-Typ beschreibt, etwa metadata:bibtex oder metatags:bibtex. Aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit sollte man diese Formalerschließungsdaten vielleicht gar nicht erst stückweise, sondern gleich als “Rundum-Sorglos-Paket” anbieten, indem man es dem Benutzer erlaubt, sie alle zusammen mit einem einzigen Mausklick in sein jeweiliges del.icio.us-Posting zu übernehmen.

Connotea, CiteULike oder BibSonomy haben natürlich den Vorteil, BibTeX auch ohne komplizierte Hilfskontruktionen zu unterstützen. Aber für manche Benutzer ist das komfortable Übernehmen bibliographischer Metadaten auch gar nicht der entscheidende Punkt. Das wird man anhand empirischer Untersuchung des Benutzerverhaltens vielleicht bald besser wissen, Jan Lüth sei Dank. ;-) Die Vielzahl frei verfügbarer Dienste dieser Art ist jedenfalls keine “Informationsflut”, vor der Bibliothekare die Benutzer per Vorauswahl schützen müßten. Die Anbindung eines Dienstes schließt die Anbindung weiterer Dienste dieser Art nicht aus.

P.S. Einige Ideen, die Patrick Danowski bereits stichwortartig auf der Inetbib-Liste geäußert hatte, sind in diesen Beitrag eingefloßen.

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Thema: Bibliothek20

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Ein Kommentar

  1. Any chance you saw the Chief Thingamabrarian article in Library Journal in January? Tim Spalding talks about future plans to work with library OPAC’s to implement local tagging and also tagging consortia with other libraries–interesting stuff.