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Werden die Repositories kommunikativer?

Bibliothekare mühen sich damit ab, Repositories zu füllen, und Forscher freuen sich normalerweise darüber, wenn sie ihre Erkenntnisse effektiv veröffentlichen können. Kommt das populäre, einfache Publizieren mit Wikis und Weblogs nicht wie gerufen, um diese merkwürdige Konstellation aufzulösen? Ã?ber die Adaption von Weblogs und Wikis durch Wissenschaftler ist hier ja regelmäÃ?ig die Rede, aber könnten Repositories nicht auch von der lockeren, selbstgesteuerten Vernetzung durch einfache, offene Systeme lernen? Sei es durch die Ã?bernahme technischer Details aus der Social-Software-Welt, sei es durch den Austausch praktischer Erfahrungen über Möglichkeiten und Grenzen dieser Art des Publizierens? Nötig wäre es, arbeiten die meisten Repositories heute doch mit erstaunlich konservativen Konzepten. (Virtuelle FuÃ?note: Die handverlesenen Ausnahmen wie arXiv, München etc. sind ja bekannt. Ã?brigens hat die elegante Idee mit den Trackbacks bei arXiv inzwischen Diskussionen provoziert, die für den Transfer von Social-Software-Konzepten in die Wissenschaftscommunity typisch sein dürften.)

Das Programm der Konferenz Open Repositories 2007, die vor wenigen Wochen in San Antonio stattfand, zeigt, daÃ? Repository-Praktiker und -Entwickler nun immer häufiger Social-Software-Konzepte adaptieren. Von einem unübersehbaren Trend kann man vielleicht noch nicht sprechen, doch es lohnt sich, die eine oder andere Präsentation einmal näher zu betrachten.

Ein herausragendes Beispiel ist in meinen Augen das Projekt BibApp. Eric Larson von der Wendt Library, U of Wisconsin-Madison, stellt es in einer Präsentation vor. BibApp ist ein Mashup, das den Vorgang des Selbstarchivierens einfacher und die frei verfügbaren Daten greifbarer machen soll. Potentiell verfügbare Publikationen werden durch das Dozentenverzeichnis der Hochschule und vorhandene Zitationslisten ermittelt, die rechtliche Zulässigkeit der Selbstarchivierung wird automatisiert anhand der SHERPA/RoMEO-Datenbank abgeglichen, die Themen der hochgeladenen Publikationen werden als Tag Clouds dargeboten und Koautorschafts-Netzwerke mit den Kollegen an der selben Hochschule visualisiert, alle Metadaten werden per RSS-Feeds und Mikroformaten dargeboten, undsoweiter. Das Ganze wird vollständig als Open Source-Projekt realisiert. Auf diese Weise hat es nicht nur das lokale Repository attraktiver gemacht, sondern lädt auch zur Ã?bernahme und Ko-Entwicklung durch weitere Bibliotheken ein. Last not least hat es, obwohl noch nicht einmal offiziell veröffentlicht, bereits jetzt die Zahl archivierter Dokumente deutlich erhöht.

Die anderen beiden Projekte, die in der „Semantic Web and Web 2.0“-Session vorgestellt wurden, weisen in eine ähnliche Richtung. Im einen Fall um geht es um die kollaborative Erstellung attraktiver Lernobjekte zur Hinterlegung im Repository bzw. unter Verwendung bereits im Repository vorhandener Dokumente, im anderen Fall um das Herstellen von Interoperabilität zwischen extrahierten semantischen Daten sowie Metadaten aus unterschiedlichen Umgebungen. Aber auch jenseits dieser Session gab es interessante Ankündigungen. Die Macher von dList planen wegen der positiven Aussenwirkung des „Latest News“-Abschnitts auf der dList-Startseite ein Blog- und Social-Network-artiges Feature für die zugrundeliegende Repository-Software Eprints. An der Tufts University darf man u.a. auf einen „personal publication“- sowie einen „social tagging service“ für das Repository gespannt sein. Und die National Science Digital Library (NSDL) will sich zur NSDL 2.0 – mit irgendwie „kollaborativen“ Eigenschaften – weiterentwickeln.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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