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Dokumente aus Repositories zu zitieren, auszuwerten und zu remixen soll einfacher werden – überall.

Unter dem Namen OAI Object Re-Use and Exchange (OAI-ORE) will die Open Archives Initiative Verfahren entwickeln und standardisieren, die dabei helfen sollen, Objekte aus Reposiories einfacher zu benutzen und weiterzuverarbeiten. Plakativ gesprochen geht es um das Repository 2.0. Diese Woche legte Mitentwickler Herbert Van de Sompel eine Präsentation darüber vor. (Vgl. die weiteren Präsentationen der CERN-Konferenz OAI5.)

Digitale Objekte, die auf institutionellen und fachlichen Repositories herumliegen, werden in den unterschiedlichsten Zusammenhängen verwendet: Sie werden mittels Literaturverwaltungs-Systemen auf dem PC, aber immer häufiger auch in Wikis, Weblogs und Learning-Management-Systemen zitiert und weiterverarbeitet, von speziellen Diensten ausgewertet (z.B. um Zitationshäufigkeiten zu ermitteln), und sie sollen natürlich auch durch Websuchmaschinen wie Google gut gefunden werden. Dabei sind die archivierten Objekte oft mehr als einzelne PDF-Dateien, sondern kleine Sammlungen untereinander vernetzter Informationen. Diese bestehen aus verschiedenen Ausgabeformen (neben der PDF-Datei noch ein Word-Dokument), angehängten Datensammlungen und anderen Dingen. Und last not least gehört es ja zur Natur der im Open-Access-Modus veröffentlichten Informationen, daÃ? sie nicht nur von den Autoren des jeweiligen Originals, sondern auch von anderen weiterverarbeitet, neu zusammengesetzt und danach in veränderter oder re-mixter Form erneut veröffentlicht werden dürfen und sollen.

Bisher hatten die Repositories nicht viel zu bieten, um die oben geschilderten Prozesse zu unterstützen. Das bewährte Protocol for Metadata Harvesting der Open Archives Initiative (OAI-PMH) unterstützt, wie sein Name bereits sagt, das Einsammeln und Weiterverarbeiten der Metadaten. Wer mit dem beschriebenen Objekt selbst arbeiten wollte muÃ?te die Startseite aufsuchen, die mit der Repository für das jeweilige Objekt angelegt worden war, und von dort „zu FuÃ?“ weiterklicken, downloaden, markieren und kopieren, etc.

Neu an OAI-ORE scheint mir weniger die Idee selbst zu sein. Experimente beispielsweise in Wisconsin-Madison und München demonstrieren, wie Repositories offener und nützlicher gestaltet werden können, und kommerzielle Dienste wie Scribd deuten bereits an, in welche Richtung wissenschaftliche Autoren abwandern werden, wenn ihnen ihre Einrichtungen nicht ähnliches bieten.

Neu ist die Bemühung, diesbezügliche Standards in die Welt zu setzen. Man darf OAI-ORE daher mit Spannung weiterverfolgen, und insbesondere was daraus wird, wenn die entsprechenden Schnittstellen erst einmal zum Lieferumfang der üblichen Dokumentenserver-Software geworden sind.

P.S. Lektüre-Tipp zum Thema OAI-ORE und umzu: Das Weblog von Peter Murray, Entwickler bei OhioLINK.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

4 Kommentare

  1. Im Prinzip sehe ich immer noch nicht genau das spezifisch neue an ORE. Dinge wie „remixen“ oder „zitieren“ scheinen mir nicht wirklich im Fokus der Sache zu liegen, sind daher wohl eher irreführend. Scribd hat also auch eher wenig damit zu tun — auch wenn der Endnutzer das möglicherweise minimal anders sieht. Was ORE mit München/Connotea und Wisconsin-Madison zu tun hat — ich kann’s auch nicht sagen und hoffe auf etwas mehr Klärung.

    Letztlich scheint bei ORE Kern der Sache zu sein, dass man auf der Suche nach einem Metadatenformat und ggf. auch Standards zum Einbetten solcher Metadaten ist, mit dem es möglich ist, die Verbindung/Struktur der dokumentspezifischen Daten auszudrücken, so dass das ganze maschinenlesbar wird. Es geht also um konnotierte Links zu und zwischen Dokumenten. Das macht auch Sinn, ist aber sicher nichts, was man jetzt unter irgendwelchen 2.0-Klimbim subsumieren könnte oder direkt mit OA zu tun hätte. Vereinfacht wird in erster Linie das maschinelle Erfassen von Volltexten und Varianten von Dokumenten.

  2. Pingback: OAI Object Re-Use and Exchange (OAI-ORE) « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß

  3. „Web 2.0-Klimbim“ ist eben gerade in 😉 Lamberts Beitrag mit den Verweisen auf andere Dienste ist eben eher ein schaut-mal-hier-schaut-mal-da-Beitrag denn eine systematische Analyse von ORE – viel weiter bin ich in meinem Beitrag allerdings auch nicht gekommen, da OAI-ORE bislang noch wenig Konkretes vorzuweisen hat.

  4. Hallo Hans-Werner und Jakob, ihr habt vollkommen recht, Herbert Van de Sompels Präsentation bietet nichts genaues, und über deren Inhalte hinaus stochere ich auch Nebel. In der Präsentation kommen ständig Begriffe wie Zitieren und Re-use vor, aber es gibt kein Beispiel dafür, wie die angedachten Schnittstellen dabei helfen könnten. Bleibt also nur abzuwarten. Und evtl. ein bißchen optimistisch zu sein, weil es eben kein x-beliebiger Alleingang ist, sondern eine Aktivität der OAI.