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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Ein neues Lied, ein besseres Lied!

Bei diesem Hin und Her um die Onleihe denke ich leise an jene Werke, die sowieso frei zugänglich sind. Hier gibt es etliche eBook-Depots, welche man frei recherchieren kann (ich habe auf meinem delicious-account etliche textorientierte Depositorien gesammelt, beachten Sie vor allem jene mit einem roten Balken) und etliche sind erstaunlich komfortabel zu bedienen. Beispielsweise habe ich mir gerade Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“ – aus dem der Titel dieses Beitrags stammt – bei manybooks.net heruntergeladen, wahlweise wäre es in verschiedenen Formaten zu haben gewesen.
Gut, aber worauf ich hinauswill: Gibt es denn Bibliotheken, die diese freien Bücher in ihrem Katalog verzeichnen? Ich weiÃ? beispielsweise, dass wissenschaftliche Bibliotheken in der Regel freie eJournals nicht in den Katalog aufnehmen, vor allem wegen Arbeitsüberlastung. Aber bei diesen freien eBooks, beispielsweise aus dem Projekt Gutenberg, dürften sich die Links doch weniger oft ändern und somit der Aufwand lohnen, einzelne Titel in den Katalog einzuarbeiten und die öffentliche Ausgabe zu verlinken. Es wäre dies ein Zugewinn an jederzeit zugänglichen Werken, oft zum klassischen Kanon der Literatur gehörend. Falls dies noch nicht Praxis ist, möchte ich es hier gerne anregen! – Und natürlich könnte sich DiViBib doch einmal überlegen, ob es nicht eine Dienstleistung für die angeschlossenen Bibliotheken wäre, freie Bücher mit in das Angebot einzuarbeiten, ohne Leihfrist (rechtliche Prüfung natürlich vorausgesetzt).

10 Kommentare

  1. Ich denke, was die Verzeichnung von freien Dokumenten im Katalog angeht, ist eine Wandlung in der Haltung der Bibliotheken im Gange. Wenn der Titel in das Sammelspektrum paßt, wird er jetzt eher verzeichnet als noch vor 2, 3 Jahren.

  2. … natürlich könnte sich DiViBib doch einmal überlegen, ob es nicht eine Dienstleistung für die angeschlossenen Bibliotheken wäre, freie Bücher mit in das Angebot einzuarbeiten …
    Soweit ich weiß, gibt es entsprechende Öberlegungen bereits. Momentan liegt wohl der Arbeitsschwerpunkt darauf, das System an sich zu verbessern und mehr Inhalte zu lizensieren. Wenn es gemacht werden soll, müssen die Kunden (alsodie Bibliotheken) das nachfragen, wobei über die Bezahlung des Arbeitsaufwandes zur Einbindung und Pflege sicher zu reden ist. Die Frage ist natürlich auch, ob das auf so große Resonanz bei den Lesern stoßen würde – meist sind die freien Inhalte ja alt (gemeinfreie Werke) oder aus dem akademischen Bereich und außerdem auch anderswo legal und kostenlos erhältlich.

  3. Wenn das öffentlich alimentierte, vor sich hin dümpelnde Projekt ZVDD mal in die Gänge käme (und z. B. Google-Scans und auch weit verstreutes Digitalisatgut aufnehmen würde), wäre für den Nachweis älterer Werke ja schon viel geholfen. Bzw. wenn die deutschen Angebote von freien eBooks verlässlich über OAISter auffindbar wären.

    Aber selbst das alles bringt nichts, wenn es bei den öffentlichen Bibiotheken allgemein düster aussieht mit der Zukunftsfähigkeit und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen (daran ändert ein bislang vergleichsweise lächerliches Angebot wie die Onleihe dann auch nichts, im Gegenteil, es zementiert den Zustand nur noch, weil man endlich mal viel Geld ausgegeben hat, in der Lokalzeitung ein uninformierter, begeisterter Artikel erscheint, und man sich dann um so beruhigter zurücklehnt.)

    Wenn wie in meiner süddeutschen Mittelstadt die Bibliothek Gebühren für die Internetnutzung an den wenigen PCs verlangt, die eigene „Digitale Bibliothek“ im Netz nur ein schlecht gemachter Auszug aus einem Verbundkatalog ist (und keinerlei digitalen Werke nachweist) und die Bibliothekare nicht mal ein fertiges Hinweisplakätchen auf in der Bibliothek nicht vorhandene heimatkundliche Literatur bei Wikisource aufzuhängen erlauben, dann bleiben wir hier sicher nochmal 20 Jahre im reinen Papierzeitalter. Und das Durchschnittsalter der Bibliotheksnutzer über 10 Jahre dürfte in dieser Zeit um ziemlich genau 20 Jahre ansteigen (falls das biologisch noch möglich ist).

  4. Ja, die öffentlichen Bibliotheken sind in Deutschland auf einem erbärmlichen Niveau. Keine Digitalisierungsanstrengungen! mein Wikisource-Projekt über Schwäbisch Gmünd zielt auf den Gesamtbestand der gemeinfreien Öberlieferung der Stadt ab, sollte also für die Stadtbücherei interessant sein. Ich hatte mich an den freundeskreis der Bibliothek letzten Sommer gewandt, weil man ja vielleicht was Gemeinsames machen könnte. Die Bibliotheksleiterin Frau fels rief mich zwar postwendend an, sagte auch eine spätere Kontaktaufnahme seitens des Vereins zu, aber dazu kam es nicht! Im übrigen ist das Aufhängen eines Wikisource-Plakats durchaus gerichtlich einklagbar, denke ich. Manchmal wirkt auch eine Petition nach Art. 17 bei der zuständigen Volksvertretung (Gemeinderat) Wunder 😉

  5. Pingback: WEBLOG - Genderbibliothek » lesen kann so cool sein

  6. @FH: Deine Aussage „außerdem auch anderswo legal und kostenlos erhältlich.“ stimmt natürlich, aber erstens kann eine Bibliothek doch nicht davon ausgehen, dass Benutzer solche Depositorien kennen und zweitens ist es ja schöner, wenn man im Katalog (besser noch Regal, daher möglichst auch in Linksammlung oder ähnliches) drüberstolpert.

  7. Depositorien ist hier wohl falsch:

    http://www.google.de/search?hl=de&q=depositorien&btnG=Google-Suche&meta=

    Gemeint sein dürften Repositorien.

  8. Danke für den Hinweis, habe ich bis jetzt doch den falschen Begriff verwendet! 🙂

  9. Hurra, ich nehme alles zurück (bzw. nur eines) und behaupte das Gegenteil. Das Wikisource-Plakat hängt, ich hatte mit damals etwa 4 Wochen Abstand zum Plakatvorschlag wohl die Zeit der bibliothekarischen Entscheidungsfreudigkeit etwas zu kurz angesetzt.

  10. Wenn mir jemand sagt, wie die Addressen der jeweiligen OAI Server sind, würde ich eBooks in das BAM-Portal aufnehmen. ZVDD ist seit kurzem integriert. Wenn man auf den eBook-Sammlungsseiten rumschaut, sehe ich jedenfalls nie bis selten eine Referenz auf einen OAI Server.