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Löschpedia wütet gegen öffentliche Bibliotheken

Die Baumschüler mit der Relevanz-Klatsche haben unter anderem den Artikel über die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund in der Wikipedia zur Löschung vorgeschlagen. Dagegen darf sich die Waffenlobby, unterstützt von stramm rechts Gesinnten, liebevoll der abseitigsten Mordwerkzeuge annehmen.

5 Kommentare

  1. Herrje, diese Löschaktion, das mutet ja fast schon wie Bücherverbrennung an. Wikipedia erscheint mir mit einem Male in einem sehr üblen Licht. Auf der anderen Seite: Bibliotheken scheinen immer noch nicht so recht verinnerlicht zu haben, wie wichtig es ist, sich präzise und als etwas Wertvolles, Wichtiges, Fundamentales … darzustellen. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass Wikipedia Definitionen und Erklärungen liefern möchte, dafür ist es schließlich konzipiert. Ist dann zu wenig Gehaltvolles unter einer Bibliothek zu lesen, dann wird’s folglich brenzlig. Ganz schnell ist man da wohl mit dem Löschschlauch zur Hand. Höchste Zeit zu vermelden, dass es sich hier um einen Fehlalarm handelt. Hoffentlich haben die betreffenden Bibliotheken den netbib-Weblog aboniert und reagieren entsprechend!

  2. Ich setze mich derzeit massiv gegen eine Löschung dieser Artikel ein. Das wird wohl auch funktionieren, wenn ich den derzeitigen Diskussionsverlauf sehe. Es geht sogar soweit, daß Kriterien etabliert werden könnten, die Bibliotheken bis zu einem recht annehmbaren Punkt generell als Artikelwürdig sein lassen werden.

    Aber diese Art der „Berichterstattung“ an dieser Stelle ist genauso eklig wie der Löschantrag. Godwins Law – wenn du etwas zu bemeckern hast, dann rücke es in die rechte Ecke. Dann sind alle Nazis. Super. Und so intelligent. Viele Bücher kann der Autor von solchem Mist noch nicht gelesen haben, würde ich mal meinen. Diese bescheuerte „Aber wenn die Artikel zu Panzer haben siond sie böse, aber meine Garagenband darf nicht rein“-Menatlität ist sowas von kontraproduktiv. Alles – ALLES – hat eine Daseinsberechtigung. Schonmal drüber nachgedacht, daß solche Argumente nur den Raum für Artikel immer enger werden lassen?

    Denkt einfach mal nach. Vor allem, Bevor so ein Schwachsinn geschrieben wird.

  3. Ich finde es höchst seltsam wenn eine Online-Enzyklopädie – wie auch immer ihre eigenen Relevanzkriterien für bestimmte Dinge lauten – sich außerhalb der Tradition einer Enzyklopädie stellen will. Nun ist bestimmt nicht jeder kleine Bibliothek im Brockhaus oder im Duden gelistet – aber sollte man nicht zuerst Relevanzkriterien entwickeln bevor offenbar willkürlich Löschanträge gestellt werden?
    Sehen wir mal davon ab, dass der Vorwurf Nazis würden die Wikipedia unterwandern ja nicht von Herrn Graf alleine kommt – ich habe da einen Presseartikel in Erinnerung. Aber das nur nebenbei. Jedenfalls ist es ein Schandzeugnis für die Wikipedia. (Ich zitiere jetzt bewußt mal nichts Churchills Meinung über Demokratie…)

  4. Öber Herrn Graf und seine Rolle in der Wikipedia sollte man hier besser nicht reden. Er versucht das Projekt, an dem tausende Menschen mitarbeiten, für seine Zwecke und Ansichten zu instrumentalisieren. Das ist unhaltbar. Und auch Schulers Quatsch ist absurd. Und die Anzeige der Linken-Vizechefin ist so schnell weggebrochen, daß es ihr hinterher peinlich war, darüber zu reden. Interessanterweise ist es ja so, daß von allen Seiten versucht wird, die WP zu instrumentaisieren und in bestimmte Richtungen zu bringen. Klar, auch von Rechts (und das zum Teil perfide und intelligent im Hintergrund), aber auch von links (meist laut und dumm, was mich als Linken sauer macht), von Türken, von Armeniern, von „Makedonen“, von so ziemlichen jedem Balkananreiner, von religiösen Gruppen, von Pseudowissenschaftlichen Gruppen, von Wissenschaftlern, die ihre Privatideen verbreiten wollen, von Klerikalen und Evolutionszweiflern, AIDS- und Hollocuastleugnern, von extremen Homosexuellen, von Pornografen etc. – alle wollen ihre Minderheitsfähige Meinung einbringen und nur sie haben recht. Der immer wieder vorkommene Vorwurf der einseitigen Unterwanderung durch Rechts ist sowas von Absurd. Graf meint übriegens nicht wirklich diese rechte Unterwanderung. Er hat sich nur ein Schlagwort zu Eigen gemacht und meint damit die gewählten Administratoren des Projektes. Allein schon als Pauschalurteil eine grenzenlose Frechheit – aber da wären wir wieder bei der Instrumentalisierung für Privatmeinungen.

    Was mir hier wieder auffällt ist, daß geredet wird ohne die Mechanismen der Wikipedia zu kennen. Es ist eben keine Enzyklopädie mit einer festen Redaktion, die vorher festlegt, was rein darf, Entscheidungen werden gefällt, wenn es nötig ist. Wenn sich Problemfragen stellen, selten vorher. Und – das sollte klar sein – die Wikipedia ist eben keine klassische, keine gedruckte Enzyklopädie. Wer der Meinung ist, das bestimmte Dinge rein sollen oder auch nicht, muß sich eben mit engagieren. Mitreden kann nur, wer auch im Projekt gesteltend mitwirkt. Das klappt nicht über Blogs. Von aussen ist es immer leicht, große Töne zu spucken.

  5. Mich haben die Löschanträge auch sehr überrascht und ich bin ehrlich gestanden sehr betrübt darüber, wie hier argumentiert wird … Natürlich wird in der Wikipedia nicht Waffen- oder Nazithemen der Vorzug vor Bibliotheken gegeben und natürlich hat Herr Graf deutlich mehr als ein Buch gelesen (und sogar mehrere geschrieben ;))

    Wer die Wikipedia nicht kennt, der wird überrascht sein über so eine Form von „Kulturvandalismus“ (wenn ich es mal übertrieben so bezeichnen darf); der darf aber auch nicht vergessen, daß es meist eine einzelne Person ist, die so eine Sache auslöst und es gar nicht lang dauert, bis sich viele Benutzer zusammenschließen und gemeinsam nach einer Lösung für das Problem suchen. So ging das auch gestern: Inzwischen haben sich mindestens ein Dutzend Wikipedianer zusammengefunden, die sich über die Relevanzkriterien Gedanken machen und auf einem guten Weg sind (nebenbei bemerkt ist auch die Stadtbibliothek Iserlohn wieder mit ihrem Artikel vertreten).

    Das wir es hier mit einer suboptimalen Verkettung der Ereignisse zu tun haben (zuerst die Löschanträge und dann die Entwicklung von Relevanzkriterien) ist vollkommen richtig – manchmal sind die Wege in der Wikipedia halt fürchterlich verschlungen und chaotisch. Aber wir üben das Enzyklopädieschreiben ja auch noch 🙂 Ich möchte also um Nachsicht mit uns bitten und am liebsten natürlich um tätige Mithilfe beim Ausbau von Bibliotheksartikeln!

    Dank und Gruß, Henriette Fiebig