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“Die Läden werden sterben”

In der Wirtschaftswoche sind heute Zehn steile Thesen zur Zukunft des Buches zu lesen.

Wenn man sich bei einigen Thesen statt “Buchhandlung” oder “Plattenladen” das Wort Bibliothek vorstellt, kann man schon ein wenig ins Grübeln kommen (Danke Susanne!). Das Bibliothekssterben ist ja auch schon länger im Gange…

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

8 Kommentare

  1. Kürzlich las ich im Zusammenhang mit OA, Piraten und Urheberrecht einen Satz, der meine Überlegungen seither mitbestimmt: “Heute will man keineswegs alles kostenlos, aber sofort”. Ich versuche, die Behauptung zu falsifizieren, es gelingt mir nicht.

  2. Dieser Umgang mit Medien beeinflusst m. E. in starkem Maße das Gesprächsverhalten auch im direkten Kontakt. Ich merke es bei Beratungsgesprächen und die Lehrer merken es vor allem im Unterricht. Folgende Klagen höre ich von Lehrern in letzter Zeit oft: Der Lernprozeß würde gestört, wenn im Schüler-Lehrer-Gespräch auf einen Input kein unmittelbarer eindeutiger (!) Output erfolge. Bliebe eine Frage offen oder sei die Antwort nicht eindeutig, überlagerten Frustrationsäußerungen den weiteren Fortgang der didaktischen Absichten, die bewußt ein peu à peu vorsähen und nicht ein toute de suite. Die “tastende Natur des Erkennens” (Chargaff) sei inkompatibel mit Erwartung des Schülers, der ja auch noch andere Termine hat.
    Es ist wohl auch kein Zufall, dass Personenleitsysteme nicht nur in Bibliotheken so in Mode gekommen sind. Wo die Kultur Geduld nicht mehr hergibt, muss ein Algorithmus oder ein Stopper den König zur Raison bringen. Sagte ich König? Der Kunde ist zwar König, aber wenn 3000 Könige sich 4 Untertanen teilen müssen und von der CPU eine gewisse Dienstbarkeit gewohnt sind, dann werden Majestät auch mal zum Robespierre und der pfeift auf vermurkste majestätische Analogien.

  3. Personenleitsysteme sind in Bibliotheken in Mode? Aha… Aber wohl nur vor Ort und während der Öffnungszeiten und nicht sofort und gleich im Internetkatalog. Dort regiert immer noch die bibliothekarische Zentralabteilung für Kundenabwehr. “Die Läden werden sterben” ist das Thema.

  4. Huch, an wen sind Sie denn in welcher Bibliothek geraten? Erzählen Sie es bloß nicht!
    Doch, Zeitvorteil gehört zum Thema Ladensterben unabhängig von der Frage des Zeitvorteils beim Download unbegrenzt zur Verfügung stehender Kopien und von OPAC-Funktionalitäten. Amazon macht es ja auch bei Print-Büchern vor. Ladenzeit ist Wegezeit, Quatsch-Zeit, Wartezeit. Haben Sie schon mal erlebt, wozu Menschen fähig sind, wenn Opa am Ticketautomaten mit dem Ding nicht klar kommt? Erklären Sie ihm die Automatenfunktion geduldig als Kunde, der hinter ihm steht – nicht als kundenfeindlicher Bibliothekar – und achten Sie darauf, was ES mit Ihnen macht, wenn andere Wartende, jeder ein König natürlich, Ihnen dann das Fell über die Ohren ziehen. Supermarkt? Käsetheke? Oder doch Bibliothek (mit oder ohne Käseautomat): Zwei distinguierte Damen steuern gleichzeitig auf die Ausleihtheke zu und hauen sich ganz undamenhaft die Ellenbogen in die Flanke. Auch die Dame von Welt ist am Ende nur ein Opfer ihres Unterbewusstseins, noch bevor irgendein Fami etwas falsch machen kann. Danke, Personenleitsystem: du sagst, was ich nicht sagen will, um nicht ständig Zeit mit der Diskussion altmodischer Selbstverständlichkeiten zu verlieren: Abstand, Geduld. Nicht mit mir, dem zuständigen Fußabtreter, sondern mit deinem Mitkönig Kunde. Bitte. Die Zeiterwartung hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert und wir merken das überall. Jede Bibliothek ist “als Laden” eine ineffiziente Zeitmulde. Und selbst ein großflächiges Kaffeeschlürfer-Ambiente beim Shop-in-Shop mit vielen Gimmicks haut das nicht raus – Thalia lässt grüßen.

    Es gibt übrigens nicht nur Ladensterben, es gibt auch Kundensterben. Die Königsphrase, die jeden zum Sarkasten macht, der schon mal eine Stunde vor der Abfahrt in einen Bummelzug einchecken wollte, sollte spätestens beim Thema “Wertermittlung von Kunden” hellhörig machen. Früher hieß das nämlich nicht Kundenorientierung, sondern Bürgerorientierung. Bürger haben immer Rechte – und Pflichten, was gerne vergessen wird. Der Kunde nur, wenn er zahlt. Und er hat umso mehr Rechte, je mehr er zahlt.

  5. Ich träume ja von Abholstationen. Ich träume von Öffnungszeiten für den sozialen Teil und vom Buchausgabe-Automaten neben dem Eingang von Lidl, in dem eine gewisse Auswahl bereit liegt und in dem ich auch meine reservierten Medien finde (für diese Bereitstellungsleistung bin ich bereit etwas mehr zu bezahlen) Ein Service für den berufstätigen Menschen, dem vielleicht sogar Samstagnachmittags einfällt, das er jetzt auf die Angebote der Bibliothek zurück greifen möchte.

    Das setzt aber voraus, dass ich mich außerhalb der Öffnungszeiten über das Angebot meiner Bibliothek orientieren kann – wie bei Amazon. Können Sie das folgende Angebot meiner Bibliothek identifizieren? Finde ich es im OPAC meiner Bibliothek, wenn ich nach “Vampir” suche?

    ### 00003nM2.01000024 h
    001 3135323
    004 20120509
    030 a|1ibr|a|||17
    036aDE
    037ade
    050 a
    070aekz
    071 DE-Rt5
    100 Vaz, Mark Cotta
    101 Cotta Vaz, Mark
    331 Breaking dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht
    335 die Twilight-Saga ; das offizielle Buch zum Film
    359 Mark Cotta Vaz
    410 Hamburg
    412 Carlsen
    501 Aus dem Engl. bers.

    ### 00004nM2.01000024 u
    001 2916591
    004 20120509
    010 3135323
    025a1011364972
    030 a|1ibr|a
    037ade
    050 a
    070aekz
    071 DE-Rt5
    089 1
    425 (2011)
    425a2011
    433 139 S.
    434 berw. Ill. (farb.)
    435 28 cm
    537 StO Jugendsachliteratur; StO 1000 Kinder-Jugendliteratur
    540aISBN 978-3-551-58262-1 kt. : EUR 12.90
    580aLA
    580bF
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    585a1152
    655e$uhttp://cover.ekz.de/9783551582621.jpg$qcover/jpg
    700o6.6/Sel 1
    700p6.6/SEL
    700q6/Th 595 Breaking dawn – Bis(s) zum Ende der Nach
    700rIII K 7
    700sThriller
    750cOffizielles Begleitbuch zum Kinofilm “Breaking dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht, Teil 1″ nach dem Bestseller von Stephenie Meyer; mit vielen Fotos aus dem Film und Infos zu den Dreharbeiten, den Schauspielern u.v.m.

    Geschätzter Herr Stilzchen (Rumpel ist doch wohl der Vorname?), verdeutlicht das “Frustrationsäußerungen” von Schülern – die und ich möchten nämlich Suchen nicht neu lernen. Wir können suchen, ich bin sogar ein von Pippi Langstrumpf ausgebildeter Sachensucher. Lieber Herr Stilzchen, wir wollen eigentlich nur finden – oder zumindest die Möglichkeit bekommen, fündig zu werden und wir gehen dorthin, wo wir diese Möglichkeit bekommen. Ich wiederhole mich: Sind Sind wirklich Bibliothekar? ;-)

  6. Werte Müllerstochter, da haben Sie mich aber erwischt. Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich 2 Bibliothekare bin… So wie Rumpelstilzchen, das war am Ende auch entzwei. Doch was nützte auch dieses Wissen?

    Öffentliche Bibliotheken leben output-prozentual nicht von Titel-Suchern, sondern von Impuls-Mitnehmern, dem kleinen Bruder des Impulskäufers. Leider hat der auch immer weniger Zeit. So many media, so little time. Und Impulsmitnehmer sind, zunehmend fragmentisiert wie Rumpelstilzchen, im Netz besser aufgehoben: Kochrezepte, Problemzonengymnastik, SMS vom Vampir – egal, Hauptsache Pisa. Das Fuzzy-Interesse unterscheidet ihn vom Fahrkartenkäufer, der auf Xanten besteht. Warum aber Geld und Zeit in verbesserte lokale Findefunktionen investieren, wenn “Fuzzy-Kunden” gar nichts bestimmtes finden WOLLEN und ihnen ein Globalportal fuzzymäßig alles bietet? Ist es realistisch, mit groß-skalierten und de-lokalisierten Anbietern konkurrieren zu wollen? Wird P(rint) durch E ersetzt oder durch E, F, G, H usw. und damit verändert sich auch das Zeitbudget für P und E sowie das Zeitbudget und die Impulsfrequenz des “Kunden” insgesamt? Könnte es sein, dass große Bibliotheken daraus andere Schlüsse ziehen müssen als kleine Bibliotheken? Die informationslogistische Rolle des “Zentrums populärer Medien” ist in der Output-Variante mehr Logistik als Information. Deshalb brauchen moderne OPAC-Portale auch keine Expertensuche, sie sind eine lässliche Größe für outputorientierte Systeme.

    Good old Emunds: Thema, Titel, Impuls. Mit der Entdeckung des dritten Interesses schossen die Ausleihzahlen der ÖBs in die Höhe. Die Entwickler von OPAC-Portalen haben das kopiert: Irgendein Treffer im Nahbereich ist besser als gar keiner und deshalb darf Sprachbewusstheit bei der Suche keine Rolle spielen. ALLES, bloß nicht null Treffer. Schon gar nicht bei Schülern. In diese Richtung geht wohl auch ihr Vampirbeispiel. Titelsucher wollen diesen einen Titel finden und sofort haben. Das heißt: Umsatzkonzentration beim Titelinteresse bei gleichzeitiger Fragmentarisierung, Differenzierung und Abwanderung des dritten Interesses. Für die Umsatzkonzentration – biss die Schwarte kracht – braucht man aber keinen OPAC, keine App und kein Fachpersonal. Da reicht eine verlässliche Staffelung, elektronisch oder Print. Der Rest ist Pawlow und Kredit.

    Nachtrag: Mit Personalleitsystem meinte ich übrigens nicht die coolen Leuchtschilder an der Säule, sondern die Gurtbarrieren mit Säule. Ironie des Barriere-Abbaus. Die Barrieren werden plakativ aus Gründen der Kundenorientierung abgebaut um dann festzustellen, dass es so nicht geht und dann kommen sie in neuem Gewand wieder. Wer Geld zuviel hat, installiert ein Ticket-System, s. Hauptbahnhof.

  7. Lieber Herr Stilzchen,
    das mit dem Mitnahme-Impuls will ich ja garnicht bestreiten – meine Buchhandlung lebt ja auch von meiner Verführbarkeit. Aber ich spreche vom “es lohnt sich hinzugehen Faktor” und da spielen Treffer und Fuzzy sehr wohl eine Rolle.
    Bei meiner Buchhandlung natürlich nicht, denn zwischenzeitlich hat sich herum gesprochen, dass die innerhalb eines Tages alles da haben können. Ich bestelle also das, was ich haben möchte und lasse mich bei der Abholung verführen.
    Der Laden wird sterben, wenn solche wie ich nicht mehr hingehen – und die Bibliotheken auch, wenn sie nicht alle Mittel nutzen, um den Leuten klar zu machen, dass es sich lohnt hinzukommen. Dazu dient der OPAC eben auch. Er ist für Onliner die bedeutende Visitenkarte. Bibliotheken aber verteilen online handgeschriebene Schmierzettel und vor Ort Hochglanz-Flyer. Das spart sich mein Buchhändler, wohl weil er sie selbst bezahlen müsste.
    Zurück ans Spinnrad
    Xanthippe