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Facebook und Zeitaufwand

Auf Facebook kann man alles machen, was Facebook gefällt.

Auf einer eigenen Website oder einem (idealerweise selbst gehosteten) Weblog kann man alles machen, was einem selber gefällt.

Eigentlich sollte man als MitarbeiterIn einer öffentliche Einrichtung wie einer Bibliothek nur begrenzt Zeit für Facebook (neben Facebook gilt das natürlich auch für G+ und ähnliche Dienste)  investieren. Falls man natürlich zufällig jemanden hat, der sich auch privat Tag und Nacht auf Facebook herumtreibt, ist das etwas anderes. Das sind dann meist die, die bei den fast täglich auftauchenden Unklarheiten sagen „Da braucht man doch nur den Haken setzen und dafür woanders einen wegnehmen“, meist auf einer Konto- oder Privatsphäreneinstellungsseite, die seit dem letzten eigenen Zugriff natürlich mal wieder anders aussieht.

Das bedeutet nicht, das man als Bibliothek keine Facebook-Seite haben sollte, aber die Zeit, die man für das Durchdringen der andauernd stattfindenden „Verbesserungen“ auf dem System investieren muß, wäre für andere Tätigkeiten eventuell besser genutzt.

Sicher erwarten viele Netzreisende eine Facebookseite von der Bibliothek (wie sie auch immer noch einen normalen Webauftritt, eine Telefonnummer und ein Faxgerät erwarten), aber zur Nutzerbindung oder -generierung dient sie wohl nur recht selten. Auf jeden Fall kann sie – je nach Bibliothek – eine Ergänzung der anderen Kanäle sein.

Nur mal ein paar aktuelle „Verbesserungen“ von Facebook der letzten Zeit:

Wie Sascha Lobo jüngst konstatierte: Seiten auf Facebook, Google+, Twitter, Pinterest usw. sind nur geborgt und können jederzeit verschwinden. Immer dran denken: „Wenn Du für etwas nicht bezahlen musst, dann bist Du nicht der Kunde, sondern die Ware!“

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, mit was für einem Mist man sich als AdministratorIn einer bibliothekarischen Facebookseite herumschlagen muß, sei die biblioadmin-Gruppe (die an sich natürlich sehr nützlich ist) ans Herz gelegt. Man muß allerdings einen Facebook-Account haben und sich von einem Mitglied zum Teilnehmen eintragen lassen.

 

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

7 Kommentare

  1. Edlef, ich stimme Dir vollkommen zu. Das A & O der bibliothekarischen Kommunikation mit den Nutzern (und wenn sie es möchten, mit den KollegInnen) sollte über das Blog stattfinden (das sehen wir an der Stabi genau so). Zumindest automatisierte Anbindung an Facebook, G+ und Twitter (dort aber ganz wichtig: unbedingt auf Feedback oder auf Anfragen eingehen!) sind aber dringend notwendig, um die Leute dort abzuholen, wo sie sind.

  2. Für Firmenblogs hat Klaus Eck gerade das Gleiche geschrieben.

  3. Pingback: Infobib » Blog statt Facebook

  4. Mich stört, dass immer mehr Sachen ohne jede Not nach Facebook verlagert werden. Unser Fachschaftsforum wird beispielsweise kaum noch genutzt, stattdessen werden die Sachen alle bei Facebook diskutiert. Als konsequenter Nicht-Nutzer werde ich dann immer erst informiert, wenn schon eine Entscheidung getroffen wurde.

    Geheime Informationen (Zugangsdaten, Passwörter etc.) würde ich ohnehin Facebook nie anvertrauen. Schließlich muss man immer damit rechnen, dass diese Informationen mit dem nächsten „Update“ plötzlich für jedermann lesbar im Netz stehen. Und selbst wenn nicht, Facebook liest auf jeden Fall mit – und dort gilt das Gleiche wie bei der Polizei: Alles kann und wird gegen mich verwendet werden. Auf meiner eigenen Seite kann mir sowas – wenn ich mich nicht total doof anstelle – nicht passieren.

  5. Kann ich durchaus so unterschreiben. Natürlich sind wir alle für Facebook, Twitter + Co. nur eine Ware. Aber es deshalb nicht nutzen oder gar ignorieren?
    Hauptsächlich kommuniziere ich mit unseren Kunden direkt und persönlich. Das macht für mich eine Bibliothek aus. Das wird meiner Meinung nach auch so bleiben. Aber wenn ich mit zeitgemäßen Mitteln auch nur einen Kunden mehr erreiche, ist mir das einen kleinen (zeitlich begrenzten) Aufwand wert.

  6. Ältere Semester träumen noch von „Goethe als solchem“. Jüngere Bibliothekare hingegen träumen nicht mal mehr von der Bibliothek als solcher. Unter „Buchwert“ versteht halt jeder etwas anderes – Facebook sowieso. Eine hieb- und stichfeste Statistik der dauerhaften Neunutzergewinnung für die Bibliothek als solche mit der Bibliothek als Event-Erlebnisraum, der Bibliothek als Sozialraum, der Bibliothek als Shop-in-Shop, der Bibliothek als Online-Gimmick-Anbieter ist mir noch nicht begegnet (Freunde des Zitats: Jetzt nicht kneifen!) Da muss man alleine auf die Nase fallen und unnütze Zeit investieren. Mit Facebook zum Beispiel. Die „Brigitte“ hat übrigens auch einen Facebook-Auftritt. Jetzt kommen noch Sinnlichkeits- und Erlebbarkeitsoffensive mit inhaltlicher Stärke und herausragendem Service als Mehrwert hinzu. Das coole Statement der Chefredakteurin im letzten Absatz ist übrigens ein Super-Template für die nächste Pressemitteilung. Einfach „Brigitte“ durch „Bibliothek“ersetzen. Passt schon. Wenn sich dann der Absatz wie bei den G+J-Profis entwickeln, dann hat man auch die nötige Zeit zum twittern. Für die Youngster an der Hochschule, die noch nach einem Abschlussthema suchen, hätte ich einen Themenvorschlag: „Die gegenseitigen Neutralisierung von Subventionsempfängern durch gleichartige Marketingaktivitäten im Käufermarkt unter besonderer Berücksichtigung der Zeitmulden überfütterter Zielgruppen.“

  7. Facebook ist trendy. Und im Zuge dessen versucht jeder auf den vermeintlich erfolgversprechenden Zug aufzuspringen. Man muss aber auch auf dieser Plattform diversifizieren bzw. feststellen, dass nicht jede Unternehmung hierauf zwangsläufig auch zum Erfolg führen muss, siehe zumindest vorübergehender Rückzug von GM. Ursprünglich als Kontaktplattform im privaten Bereich konzipiert, tut sich Facebook derzeit schwer seine kostenpflichtige Seite, z.B. in Form von Werbeanzeigen, in den Vordergrund zu stellen. Die Mehrzahl der Facebooknutzer nutzt die Plattform wohl eher um neue Freundschaftskontakte zu knüpfen oder zur Selbstdarstellung, nicht aber als fachliche Informationsplattform.