Der Bund als Ersatz klammer kommunaler Finanzen?
Könnte ein „Nothilfefonds“ helfen? Über die politischen und verfassungsrechlichen Schwierigkeiten eines solchen Vorhabens schreibt die FAZ.
Könnte ein „Nothilfefonds“ helfen? Über die politischen und verfassungsrechlichen Schwierigkeiten eines solchen Vorhabens schreibt die FAZ.
Nun, das muss so sein. Schließlich sind Bibliotheken keine Firmen. Deshalb schmerzt es zu lesen, wenn in Moers argumentativ eine direkte Linie gelegt wird: “Geringe Einnahmen – hoher Zuschuss – hoher Einsparbedarf”. Jedenfalls bedeuten die Sparvorgaben der Kommune eine Einbuße bis 2014 von 12,5 % und hätte neben Personaleinbußen beispielsweise die Folge, das die Bibliothek ihre Filialen in Kapellen und Repelen schließen muss. [via Rheinische Post]
Die Zeit meldet, dass in Wuppertal das Theater geschlossen wird. Das Motto des OBs in seinem Haushaltssicherungskonzept ist “Sparen, um zu gestalten” und die Zeit schlägt vor, es durch “Abschaffen, um zu gestalten” zu ersetzen.
Ein Gemeinderat der Freien Wähler schlug vor, den Anschaffungsetat der Stadtbibliothek Rheinfelden zu kappen.
“Seine Überlegung: Das Personal komme gar nicht nach mit dem Auspacken von Büchern, so dass es wenig Sinn mache, noch mehr zu bestellen.”
Andere Gemeinderäte, Kulturamtsleiter und OB folgen dieser Einschätzung nicht, da die Nachfrage gross ist und daher Erneuerungsbedarf besteht. [via Badische Zeitung]
Der SDS Regensburg kritisiert die Unterfinanzierung der Universitätsbibliotrhek und die fortschreitende Ersetzung regulärer Etatmittel durch Studiengebührenmittel.
Defizite in Bulgarien: Viele Bibliotheken wurden geschlossen, jetzt fehlt der nötige Etat, den Bestand zu erneuern. Ein Bericht zur Lage des Bibliothekswesens in Bulgarien [via Radio Bulgaria]
Freies Wort schildert in einem Artikel anläßich des Thüringer Bibliothekstages die Geldsorgen der Thüringer Bibliotheken. Die Prokopf-Investitionen seien gesunken und manche Bestände müßten dringend erneuert werden.
Es wird auch eine interessante Bemerkung zur Onleihe gemacht, die hier unter dem Label “thuebibnet.de” vertrieben wird: Die Resonanz sei geringer als erwartet. Man führt dies auf Hürden der Lizenzgeber zurück, beispielsweise der Weigerung der Vergabe einer eingängigen URL oder auch der Online-Selbstregistrierung neuer Leser/innen. Man will nun durch mehr Werbung zu einer besseren Nutzung kommen.
Bibliotheksberater Meinhard Motzko nimmt kein Blatt vor den Mund: Das Projekt “Bibliothekskonzepte für die Zukunft” soll für Bibliotheken in ganz Deutschland, darunter auch die Ernst-Abbe-Bücherei (EAB) Jena, verbesserte, an die jeweilige Region angepasste Profile erarbeitet werden. Die Thüringische Landeszeitung berichtet über das Projekt der EAB und den Berater Meinhard Motzko (PraxisInstitut Bremen), der es begleitet. Er kritisiert, dass in Bibliotheken noch Kassetten angeboten würden, wo bereits das Ende von CD und DVD absehbar sei. Dies sei imageschädigend. Ferner mache sich die Sparpolitik bei der Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen negativ bemerkbar.
Der Kultusausschuss in Gräfenhainichenen hat eine Erhöhung des Erwerbungsetats gefordert. Ob freilich der Stadtrat dieser Empfehlung angesichts der angespannten Haushaltslage dem folgen wird, ist noch ungewiß. [via Mitteldeutsche Zeitung]
In einem kurzen Kommentar wird auf zu befürchtende Einschnitte in den Bibliotheksetats hingewiesen. In den USA sind Etatkürzungen zwischen 5 und 25 % zu verzeichnen. Gleichzeitig steigt die Benutzung der Bibliotheken. [via Thüringer Allgemeine]
In Hückeswagen weist der Freundeskreis der Stadtbibliothek auf die nachhaltig schlechte Ausstattung mit Erwerbungsmitteln hin und fragt Kommunalpolitiker, was ihnen die Bibliothek eigentlich wert ist. [via Rheinische Post]
Das Wissenschaftsministerium teilte mit, dass ab 2009 1,5 Mio. Euro mehr für Erwerbungen zur Verfügung stehen.
“Das Geld diene vorwiegend der Modernisierung der Bestände und werde zum Beispiel für die zentrale Anschaffung von e-Books, e-Journals und Datenbanken eingesetzt, erklärte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) am Dienstag in Dresden.”
via Newsticker.de
Ein umfangreicher Artikel in der Süddeutschen diskutiert die staatliche Kulturförderung. Im Artikel – wen wundert’s? – wird ein “Dschungel” an Kultur- und Kunstförderung ausgemacht – wie immer im Finanz- und Steuerbereich, insbesondere wenn föderale Strukturen herrschen. Was die Bibliotheken anbelangt, so wird konstatiert, dass sie – wie die Volkshochschulen – weniger bekommen. [via Süddeutsche]
Ã?ffentliche Bibliotheken sollen als wichtige Bildungs- und Kulturangebote der Daseinsvorsorge zugerechnet und in dieser Funktion als Pflichtaufgabe der Kommunen durch ein Bibliotheksgesetz festgeschrieben werden.
“Undine Kurth, Vorsitzende des Landesbeirates des Bibliotheksverbandes, befürchtet, dass immer mehr Bibliotheken und ihre Angebote Sparzwängen in den Kommunen zum Opfer fallen.”
Daher schlägt sie ein vergleichbares Bibliotheksgesetz, wie unlängst in Thüringen eingeführt, für Sachsen-Anhalt vor. [ via Volksstimme.de]
Die Ã?ffentlichen Bibliotheken in Mecklenburg-Vorpommern fordern mehr Mittel vom Land, um knappe Haushaltskassen in den Kommunen auszugleichen
"Ein Teil der Häuser – vor allem kleinere Einrichtungen – können ihre Bestände seit längerem nicht ausreichend erneuern"
wird Silke Mittmann vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Bibliotheksverbands in der Schweriner Volkszeitung zitiert. Es geht also um einen Stadt-Land-Ausgleich und um die Qualität der flächendeckenden Versorgung mit Bildung.
Das behandelt der Standard.at am Beispiel der Unibibliothek Wien. Typisch: Unlängst wurden die Gebühren angehoben, der Entscheidungsverlauf ist aber völlig unbekannt. Das sind oft Entscheider, die dem Bibliotheksalltag völlig fern sind und plötzlich pseudo-pädagogisch eine Erhöhung beschlieÃ?en, ohne sich darum zu kümmern, ob sich daraufhin das Rückgabeverhalten ändert. Meine Erfahrung: Es ändert sich nicht! Und diese Fragwürdigkeiten werden stets mit dem Argument zugedeckt, die Gebühren kämen ja dem Etat der Bibliothek zugute.
PR-inside gibt einen Ã?berblick über die aktuellen Zahlen des Kulturfinanzberichts 2008. “Für Kultur haben Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2007 gut 8,1 Milliarden Euro ausgegeben. Das waren 1,62 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben und damit 0,03 Prozent mehr als 2006. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt lagen die Kulturausgaben aber unter denen des Jahres 2005.” Für (Ã?ffentliche) Bibliotheken wurden 14 % dieser Mittel verwendet. Interessant auch die Tatsache, dass die Kommunen bei den Kulturausgaben mittlerweile die Länder überholt haben – weil insbesondere die ostdeutschen Länder sich hier herausgezogen haben (ihre Ausgaben sanken zwischen 2001 und 2005 um fast ein Fünftel).
Update: Im Danilolablog gibt es einen viel ausführlicheren Artikel als diesen hier.
Rund 17 % mehr Geld gibt es für die BSB und die bayerischen Universitätsbibliotheken, meldet bildungsklick.de. Hoffen wir, dass die FH-Bibliotheken ebenfalls einen Zuschuss in dieser Höhe bekommen …
Die Aachener Stadtbibliothek soll eine Image-Kampagne für 16.000 Euro (zur Hälfte aus Landesmittel) starten, um wieder mehr Nutzung zu stimulieren. Die Kommunalpolitiker (wenn ich es richtig lese: die Mitglieder des Kulturausschusses) waren selbstkritisch, man habe einerseits Gebühren erhoben und andererseits den Medienetat gesenkt, was wohl zu einem Rückgang der Nutzung geführt habe. [via Aachener Zeitung]
In Ottersberg wurde der Gemeindebibliothek das Budget nicht gekürzt, gleichwohl benötigt die Bibliothek eine Erweiterung, da sie aus allen Nähten platzt. [via Rotenburger Rundschau]
Allerdings schützt diese Beliebtheit in der Bevölkerung nicht davor, dass der Anschaffungsetat in der nächsten Zeit sinken wird. Erklärt DerWesten – wobei jetzt mal wieder berühmte Problem auftritt, dass ein Artikel in zwei Zeitungen erscheint oder ähnlich, ich zitiere jetzt aus dem NRZ-Artikel:
Um steigende Mietkosten bezahlen zu können, wird Brenner den Etat für Ankäufe von 770 000 Euro (2007) auf voraussichtlich rund 626 000 Euro (2009) kürzen müssen. Hier setzt wiederum ein Antrag an, den die SPD-Fraktion am Mittwoch im Kulturausschuss stellte. Der Etat für Neuanschaffungen, heiÃ?t es da, solle auf dem Niveau von 2007 bleiben, dafür solle die Verwaltung die aktuellen Gebühren überprüfen – im Vergleich mit den Nachbarstädten. An dem Punkt winkt Brenner ab. Essen gehöre mit 16 Euro Jahresgebühr schon zur Spitzengruppe.
Man könnte schlieÃ?en, dass die Essener SPD bewuÃ?t für Gebührenerhöhungen votiert. Mir war auch gar nicht bewuÃ?t, dass man nur in Duisburg noch zusätzlich 1,- Euro für die DVD-Ausleihe berappt.´Steht so am Ende des Artikels, muss also auch wahr sein…
Die taz behandelt das Thema Gender-Budgeting. Beispielsweise führe die Berliner Verwaltung die Gender-Strategie in ihr Haushaltsverfahren ein. Unter anderem werden dabei die Bibliotheken untersucht: “Wer leiht sich hier eigentlich welche Bücher aus?” ist die erste Frage.
Seit die Bibliothek von Markdorf ins Bildungszentrum gezogen ist, zählt sie doppelt so viele Besucher wie zuvor. Nicht nur der Raum wurde ausgebaut, ebenso der Etat und das Personal. Dies scheint sich zu lohnen! [Schwäbische Zeitung online]
Und in der Bibliothek werden die Bücher knapp. Seit 2001 müssen die Uni-Bibliotheken mit zehn Prozent weniger Geld auskommen. FH-Bibliotheken können sich heute pro Student nur noch ein halbes Buch im Jahr leisten. An den Schulen ist die finanzielle Situation katastrophal
Das ORF beklagt einen beklagenswerten, aber normalen Zustand: Dass die Kosten für wissenschaftliche Zeitschriften steigen und steigen. Am SchluÃ? klingt eine Forderung an:
Nationallizenzen könnten ein Ausweg sein.
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