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„Blogs“!

Während in den USA schon etliche Bücher über Blogs und Blogger erschienen sind, ist Literatur zum Thema hierzulande eher rar gesät. Deswegen ist es zu begrüÃ?en, dass mit „Blogs!“, welches dieser Tage bei Schwarzkopf und Schwarzkopf erscheint, sich der Kanon erweitert.

Als Herausgeber fungieren Don Alphonso – Gründer der Webseite Dotcomtod – und Kai Pahl, Diplom-Illustrator und Multimedia-Designer.
Dass hier in der Tat ein Design-Fachmann am Werk war, merkt man beim Blättern im Buch recht schnell. Vor allem bei der Vorstellung der einzelnen Weblogs, deren einzelne Design-Templates exakt auf der Papierseite wiedergegeben werden. Ein typisches Antlog-Weblog wie der Kutter sieht auf den Seiten von „Blogs!“ genauso aus wie im Internet. Daneben werden die Artikeltexte, so das Vorwort von Hal Faber, immer wieder von Bildern begleitet. Meistens handelt es sich um Abbildungen von Veranstaltungsankündigungen, Stickern auf Laternen, Hydranten. Der findige Leser kann diese als eine Print- Gegenstücke zu dem Medium Blog werten, wenn er denn möchte.
Inhaltlich gliedert sich das Buch in drei Teile: Nach einem Vorwort von Hal Faber, der klarstellt, dass WWWW trotz der Linkdichte eine Kolumne und kein Blogg ist, folgen Don Alphonsos ausführliche Thesen darüber, warum Blogger Vorteile gegenüber Journalisten haben. Nach der Erklärung, warum gerade diese und keine andere Blogs fürs Buch ausgewählt wurden, werden im zweiten Teil die betreffenden Blogs und Blogger vorgestellt. Ein dritter Teil mit Tipps und Tricks für angehende Blogger schlieÃ?t das Buch ab.
Don Alphonsos Thesen, warum Blogger die besseren Journalisten sind, wirken teilweise wie ein Plädoyer für die Abschaffung der Online-Versionen der Zeitungen und Zeitschriften – dem ein oder anderem Punkt kann man vorbehaltlos zustimmen, so etwa dass Blogger flexibler und schneller als ihre Pendants sind. Allerdings sollte man diese Thesen etwas relativieren. Blogger und Journalisten stehen in einem komplexen Wechselspiel miteinander: Blogger kommentieren die Nachrichten der etablierten Online-Medien, diese nehmen andererseits wieder Bezug auf die Blogosphäre. Den Graswurzelrevolutionären des Webs sollte man noch etwas Zeit zugestehen, bevor man sie in eine bestimmte Schublade einsortiert. Aber wie gesagt, einige Thesen von Don Alphonso treffen durchaus zu.
Die Entscheidung der Herausgeber für eher textlastige Blogs – im Gegensatz zu denen, die überwiegend auf andere Blogs oder Webseiten verlinken – wird bei manchen Bloggern gewiÃ? auf Unbehagen stoÃ?en. Allerdings sollte man bedenken: Papier erlaubt schlicht und einfach keine Hyperlinks, auf die man klicken könnte. Daher ist die Entscheidung abgeschlossene Posting abzudrucken richtig und gut. AuÃ?erdem werden auch einige linklastige Blogs erwähnt und vermutlich wird der Leser des Buchs nach der Lektüre diese im Internet ansurfen; bekommt so beide Seiten der Blogszene präsentiert.
Die ausgewählten Postings sind sehr interessante Lektüre, wenngleich natürlich nicht jedes Weblog unbedingt jedem Leser gefällt und auch nicht jeder Eintrag von gleichem Interesse ist. Lässt man sich aber auf die Texte ein, so kann man Amüsantes, Nachdenkliches, Bedrückendes – kurz die ganze Vielfalt entdecken, die die Blogszene auszeichnet. Man vermag nachempfinden, warum Menschen bloggen, welche Beweggründe sie haben ihr Leben im Netz zu kommentieren.
Sehr gelungen ist der dritte Teil, in dem die Herausgeber Blog-Hosts vorstellen, erklären, wie Software wie Greymatter oder WordPress funktionieren und dem Blogger Hilfestellungen allgemeiner Art geben. Wer vor der Entscheidung steht, selbst ein Blog anzulegen wird diesen Teil sicher als sehr hilfreich empfinden. Und Don Alphonso rundet mit seinen Ratschlägen zu juristischen Fragestellungen das Buch ab.
Alles in allem ein sehr gelungens Buch zum Thema „Blogs!“, das für alte Hasen sicherlich nichts Neues bietet, Interessierten jedoch das Thema und die Gründe für die Faszination dieses Online-Mediums erklären und erläutern kann. Wer zudem ein Faible für schön designte Bücher hat, sollte auf jeden Fall zugreifen.
Zum Buch gibt es – natürlich – ein Weblog.
Als Grundlage für die Besprechung dienten die Fahnen des Buches.
PS: Ich vermute mal, das hier ist der längste Text, der bisher im Netbib erschienen ist. 🙂

3 Kommentare

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob Erscheinen im urheberrechtlichen Sinne gegeben ist … 😉 Aber auch von mir Glückauf und weiter fröhliches Jagen

  2. Blogs! kaufen
    Ich habe noch nie ein Buch über Blogs gekauft – weder englisch- noch deutschsprachige -, doch diese Lobehudeleien und warmen Worte, werden mich wohl diesmal zum Kauf bewegen. (Bei Telepolis steht auch noch was.)
    Vermutlich werde ich das Buch aber dann…

  3. Weblog-Buch
    Das Buch Blogs! wird hier gepriesen, hier wohlwollend besprochen. Und bei den hochgesch ä
    tzten Bloggerkollegen gibt es die ultimative Lobhudelei: » So geht es mir. Ich habe keine
    Ahnung, wie die Blog-Texte auf die wenigen Millionen noch verbliebenerwe…