netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Sammlung Apel in Ermlitz verscherbelt

Zum Ankauf von Apel-Handschriften durch die UB Leipzig (Netbib berichtete) erreichte mich folgende kenntnisreiche, auf Wunsch anonymisierte Mitteilung: Auf den Auktionen Hartung & Hartung 100 (Mai 2001) und 102 (Mai 2002) wurden verschiedene Drucke, Urkunden und Einzelblätter angeboten, meist dt. Literatur in Erst- und sehr seltenen Ausgaben, dabei viel Barockliteratur – also etwa das Profil „deutscher Nationalliteratur“, wie es auch die Sammlungen von Heyse, Maltzahn, Meusebach, Fallersleben u. a. haben. Neben dem ovalen Sammlungsstempel „Th. Apel“ (Theodor Apel), der sich auch auch bei Lugt findet, gibt es die Stempel „Staatl. Galerie SchloÃ? Moritzburg, Halle“ (alles unter der gleichen Einlieferernummer). Drei fast unikate Faust-Drucke des 16. Jh. sind bei bei Heitz/Ritter (140 u. 147) zitiert: „Dr. Heinr. Apel, Rittergutsbesitzer in Ermlitz bei Schkeuditz“, diese Ex. wurden bei Hartung & Hartung 100 Tenschert für fünfstellige Beträge zugeschlagen, Stielers „Geharnschte Venus“ ging für einen vergleichbaren Betrag an Braecklein. Theodor Apel war offenbar mit Richard Wagner befreundet (vgl. Richard Wagner an Theodor Apel. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1910. 8vo., 95 S.) Zu verweisen ist ferner auf Apel, Theodor: Die Holz- und Metallschnitte des fünfzehnten Jahrhunderts in der Sammlung Apel in Ermlitz, von Mela Escherich; mit 14 Abbildungen in Lichtdruck und Hochätzung. Strassburg, Heitz, 1916 (Einblattdrucke des fünfzehnten Jahrhunderts. 45. Bd.). Der Apelschen Sammlung ist nach den veräuÃ?erten Drucken eine auÃ?erordentliche Bedeutung zuzumessen. […] Bände dieser Provenienz sind auch in Bibliotheken nachweisbar: 10. Heldenbuch – Halle Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Sig.: 80 M 207, Pappe (19. Jh.), Erwerb: nach 1945, Prov.: Carl Beutel; Fam. Apel, Ermlitz (vor 1889) (http://www.geocities.com/Athens/Academy/4876/heldenbuch_1560.html) Handschriftencensus-HssPrivat … CG Anton [verschollen] verso = ‚Preis der Geliebten‘ I (Urk.); Apel, Ermlitz siehe München, Staatsbibl., Cgm 8797; August von Arnswaldt, Nr. 3109 siehe Berlin … (www.uni-marburg.de/hosting/census/hsspr.html) Handschriftencensus-WerkeK … Berlin, Staatsbibl., mgf 923 Nr. 20; Fr. E = München, Staatsbibl., Cgm 8797 (früher Privatbesitz Apel, Ermlitz) +; Fr. N = + Nürnberg, Germ. Nationalmuseum, Hs … (www.uni-marburg.de/hosting/census/werkek.html) […] Im Handbuch der Historischen Buchbestände, Bd. 22 (2000), 121-122, ist unter Halle 8 die „Bibliothek der Staatlichen Galerie Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle, Tel. 0345/2125924“ verzeichnet. Ein Teilbestand Apel ist dort allerdings nicht dokumentiert, durch die Stempel aber nachgewiesen. Es ist anzunehmen, daÃ? die Bibliothek Apel möglicherweise im Zuge der Enteignung des Rittergutes Ermlitz zu DDR-Zeiten in die Staatliche Bibliothek Moritzburg inkorporiert wurde und daÃ? der derzeitige [geschrieben 2002] Verkauf zahlreicher Stücke mit der Provenienz „Apel“ aufgrund eines Rückgabeanspruches erfolgt.

Ein Kommentar

  1. Die 400 Positionen umfassende Sammlung von \“Druckgrafik, Flugblättern und Handschriften\“ des Theodor Apel kam laut Darstellung der Stiftung Moritzburg in das Grafische Kabinett der Staatlichen Galerie Moritzburg (nicht, wie oben vermutet in die Bibliothek). 77 Positionen \“Druckgrafik und Handschriften\“ (14.-18.Jh.) wurden mit Bescheid vom 28. Juni 2001 dem Erben rückübertragen. Daraus stammen die bei Hartung versteigerten Werke. 233 Flugbätter verbleiben dem Museum zu Nießbrauchrecht bis 2014 und sollen in den nächsten Jahren erworben werden. So die in ihrem Wahrheitsgehalt nicht überprüfbare Darstellung der Stiftung Moritzburg.