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UniWakka – ein Wiki mit literarischer Quellenverwaltung

Andrea Rossato hat ein autorenfreundliches, zeitgemäÃ?es Schreibwerkzeug geschaffen, UniWakkaWiki. Hinter dem etwas merkwürdigen Namen verbirgt sich ein Variante von Wakkawiki, einer kleinen und schnellen Wikisoftware, die ebenso einfach zu installieren wie zu bedienen ist. UniWakka teilt jedoch nicht nur diese Qualitäten seines Vorfahrens, sondern kann wesentlich mehr: Es handelt sich um eine kollektive Autorenwerkstatt mit einer Quellenverwaltung im BibTeX-Format.
Das erleichtert das Zitieren und Verweisen der Quellen erheblich. Bibliographische Angaben brauchen nur einmal in eine simple Datenmaske eingegeben zu werden, oder können, wenn sie bereits in BibTeX vorliegen, gleich listenweise im- und exportiert werden. Die fertigen Texte lassen sich nicht nur im Browser anzeigen, sondern auch als OpenOffice- oder LaTeX-Dokumente ausgeben. In den Ausgabeformen werden die Quellenverweise, die im Wiki lediglich als simpler Verweis auf den jeweiligen Eintrag in der Quellenverwaltung eingetragen werden, automatisch in normgerechte Quellennachweise verwandelt, selbstverständlich mit einem ordentlichen alphabetischen Verzeichnis aller tatsächlich verwendeten Quellen im Anhang. Doch was ist nun das Besondere daran, und warum sollte man seine Quellen in BibTeX verwalten oder fertige Texte in LaTeX ausgeben wollen?

Wer einmal ein längeres Schriftstück mit zahlreichen Quellen mit Hilfe von BibTeX verfaÃ?t hat, möchte dieses Werkzeug nicht mehr missen.
Der Witz an BibTeX, in kurzer Form: Alle möglicherweise benötigten Quellen können in einer simplen, separaten Textdatei zusammengestellt und dort mit selbstgewählten Kürzeln benannt werden. Zitate, Verweise, FuÃ?noten etc. verweisen im eigentlichen Dokument dann nur noch auf dieses Kürzel; um das endgültige Dokument zu erstellen läÃ?t man dann das Programm BibTeX automatisch all diese Bezüge gemäÃ? einer normgerechten, zentral definierten Zitierweise ausformulieren. Eine wunderbare Sache, die noch komfortabler geworden ist durch BibTeX-Verwaltungsprogramme mit grafischer Oberfläche, die zum Beispiel den Import bibliographischer Daten aus Buchhandels- oder Bibliothekskatalogen per Internet unterstützen. (In der Linux-Welt gibt es dafür zum Beispiel Tellico und JabRef, und für Windows gibts das bestimmt auch – da kenne ich mich aber nicht aus.)
BibTeX wird normalerweise zusammen mit LaTeX verwendet. In der Mathematik, den Ingenieurs- und Naturwissenschaften ist LaTeX jedoch nicht wegen BibTeX nicht mehr wegzudenken, sondern wegen seiner ganz eigenen Qualitäten: Mit LaTeX lassen sich gut Formeln, Diagramme und ähnliches darstellen. Um diese Qualität von LaTeX geht es, wenn zum Beispiel in MediaWiki – das ist die Software hinter der Wikipedia – LaTeX integriert wird. LaTeX-Integration bedeutet hier, daÃ? sich Formeln zum Beispiel einfach per Tastatur in die Editierfelder des Wikis eingeben und dort auch ggf. verändern lassen, während der Leser die Formel in Gestalt einer hübschen Grafikdatei angezeigt bekommt. (Das klingt vielleicht nicht einleuchtend, ist es aber sofort, wenn man mal einen Blick in den oben verlinkten Wikipedia-Artikel über LaTeX wirft.) Das ist zwar schön und gut, aber für viele Geisteswissenschaftler liegt der Reiz von LaTeX weniger im hervorragenden Formelsatz, als vielmehr im schönen, konsistenten Layout und last not least in der Quellenverwaltung mit BibTeX. Dieser Aspekt war bisher von den Wiki-Software-Entwicklern kaum berücksichtigt worden.
Die einzige nennenswerte Ausnahme war in diesem Zusammenhang bisher TWiki: Hier gibt es immerhin ein Plugin, mit dem sich eine BibTeX-Datei an eine Wikiseite anhängen läÃ?t, um die darin verzeichneten Quellen dann für Referenzen im Text der Wikiseite verwenden zu können. Einen weiteren Schritt in Richtung Quellenverwaltung mit TWiki geht (übrigens bereits seit 1996, und natürlich schon vor Jahren von netbib verzeichnet 😉 ) Beat Döbeli Honegger mit seinem Biblionetz, das die bibliographischen Daten allerdings nicht im BibTeX-Format vorhält.
Wie gesagt ist das alles schön und gut, aber könnte man nicht die komfortable Verwaltung einer BibTeX-konformen Quellensammlung mit einem kollaborativen Schreibwerkzeug im Wiki-Stil verbinden? Einem ganz simpel gehaltenen Wiki, das seine Inhalte jederzeit als ein Set aus LaTeX- und BibTeX-Datei ausgeben kann, und für die LaTeX-Muffel vielleicht sogar noch als integrierte Datei in einem bürotauglichen Standard-Textverarbeitungsformat? Man kann. Natürlich kann man das, warum auch nicht? Man hätte das vermutlich schon vor x Jahren machen können, aber, worauf es einzig ankommt: Andrea Rossato ist auf die Idee gekommen und hat sie umgesetzt!
Das einzige, was ich nur nicht verstehe: Warum ist weder die LaTeX- noch die Wiki-Welt ganz aus dem Häuschen darüber? Vielleicht hat sich die frohe Kunde noch nicht herumgesprochen, wer weiÃ?. Natürlich ist zu hoffen, daÃ? viele Open-Source-Projekte Rossatos Idee aufgreifen und übernehmen werden. Ã?ber einen Umweg, der hier in netbib schon vorgestellt wurde, lassen sich heute bereits Wikipedia-Artikel in LaTeX-Dokumente verwandeln. Eine kollektive Quellendatenbank für Wikipedia-Artikel im BibTeX-Format zu ermöglichen wäre freilich ein noch gröÃ?erer Wurf. (Pardon, ich schreibe gerade ins Blaue hinein – vielleicht ist das eine Idee, die von der Wikipedia-Community längst erwogen und aus guten Gründen fallen gelasssen worden ist.) Ich finde UniWakka jedenfalls fantastisch, teils aus Egoismus (auf meinem PC zuhause läuft seit ein paar Tagen ein UniWakka 0.5) , teils auch deshalb, weil es den realen Bedarf an publikationstauglichem Output in weiten Teilen der akademischen Landschaft wieder ein Stückchen näher zusammenbringt mit der neuen Welt des kollaborativen Schreibens, die sich seit einigen Jahren mit den Weblogs und Wikis auftut.
So, genug geschrieben für heute. Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen oder Wochen noch auf konkrete Szenarien und Beispiele der Anwendung von Uniwakka zu sprechen kommen. Bis dahin empfehle ich einen Besuch von Rosattos Beispielinstallation.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

8 Kommentare

  1. Hi, Habe mir uniwakka aufgrund Deines Artikels mal gedownloaded und versucht auf meiner Seite zu installieren, bekommen aber nur die Meldung Forbidden
    You don\’t have permission to access /wakka/ on this server. Eine vernünftige Installationsanweisung habe ich leider nirgends gefunden und der unter install empfohlene link fürt leider ins nirgendwo http://www.wakkawiki.com/WakkaInstallation. Hast Du noch eine Idee wo ich Infos oder Hilfe finde? Danke! Gruß Daniel

  2. Hi Daniel, zunächst einmal zu der Verwirrung um die von dir vergeblich ausprobierte WakkaWiki-URL: WakkaWiki ist ein inzwischen eingestelltes Projekt, aus dem u.a. UniWakka hervorgegangen ist. Die Hinweise in install stammen noch aus diesem Vorgängerprojekt, daher der Hinweis auf die leider verfallene URL. Ansonsten stimmen die Hinweise in der install-Datei jedoch.
    Also, wenn diese Fehlermeldung auftaucht, dann riecht das für mich nach einem Problem mit der .htaccess-Datei in deinem Verzeichnis „wakka“. Diese Datei wird zwar im Installationspaket mitgeliefert, hat aber eine eher zweitrangige Bedeutung. Du kannst sie gefahrlos umbennen oder löschen., und dann dürfte sich dieses Problem erstmal erledigt haben. Du verzichtest dann darauf, daß das Wiki mit Hilfe deines Apache-Webservers und dessen Bestandteil „mod_rewrite“ hübschere URLs erzeugt. Vielleicht, wenn du dich ein wenig mit deinem Apache beschäftigen magst, findest du ja auch heraus, warum UniWakkas .htaccess nicht läuft – frei aus der Luft würde ich mal tippen, daß du in einer Konfigurationsdatei von deinem Apache irgendeine Option ändern mußt, und danach alles funktionieren wird.
    Jedenfalls wünsch ich dir viel Erfolg. Wenns immer noch nicht klappt frag ruhig noch mal nach. 😉 Und vor allem, wenn du ein öffentliches Projekt mit UniWakka starten solltest, insbesondere eines, bei dem BibTeX oder OpenOffice zum Einsatz kommen, dann melde dich bitte noch mal, solche Sachen interessieren mich immer sehr!

  3. Hi, danke für den Tip, es hat funktioniert. Ich konnte das System installieren und bin gerade dabei es zu testen. Sehe aber jetzt schon, dass das laden der Seiten ewig dauert. Pro Seite gut 4-5 Minuten. Das kann ja nicht richtig sein. Gibt es da Erfahrungswerte?

  4. Die Idee ist wirklich ebenso einfach wie genial. Auch für die Wikipedia wäre eine „Wikibibliographie“ als Datenbank aller Literaturangaben das richtige, da einheitliche Ansetzungsregeln einfach nicht durchzusetzen sind (siehe hier). Das Problem ist leider wie immer nicht die Idee, sondern die Frage „wer macht es?“

  5. @Daniel: Nein, du hast recht, 4-5 Minuten darf das nicht dauern. Aber nun kommt es sehr darauf an, auf was für einem System du dein UniWakka überhaupt installiert hast. Ist es dein PC zuhause, oder ein Webhoster? Im letzteren Fall gibt es vielleicht eine FAQ oder ein Forum des Webhosters, in dem du Auskunft erhältst über die Besonderheiten seines Umgangs mit PHP. Falls du auf deinem PC zuhause arbeitest kann ich dir unbedingt XAMPP von den Apachefriends ans Herz legen. Es handelt sich um ein sorgsam konstruiertes und sogar auf deutsch gut dokumentiertes Webserverpaket für verschiedene PC-Betriebssysteme, das auch für PHP, MySQL etc. alles enthält.
    @Jakob: Ja, du hast recht. Und selbst wenn die bestehenden Regeln flächendeckend durchgesetzt wären – alles, was ein Buch ist, in erster Linie über die Amazon-Datenbank zu definieren ist einfach nicht schön. Aber das muß ja auch mal über die Informationstechnik der Bibliotheks-OPACs, und selbst über die großen Bibliotheksverbünde und auch solche Meta-Suchdiensten wie den KVK gesagt werden: Die machen einen schlichten Literaturhinweis per URL bisher so gut wie unmöglich.
    Tja, wer macht es? Meine stümperhaften Programmierkenntnisse reichen bei weitem nicht aus, um MediaWiki beizubringen, sich aus einer BibTeX-Datenbank die bibliographischen Angaben zu pflücken. Ich übernehme gerne die Rolle, das Feature zu dokumentieren und dafür Werbung zu machen, wenn es da ist, ehrlich! Sehr viel mehr habe ich aus Gründen mangelnder Zeit und vor allem Kenntnisse derzeit nicht zu bieten. Jakob, wenn du das auch für eine gute Idee hältst, dann laß uns das den MediaWiki-Entwicklern vorschlagen, oder? Gehört das in die MediaZilla Bug/Feature Submissions, oder hast du eine Idee für ein geeigneteres Forum, um dies zu tun?

  6. @LH: Das UniWakka liegt bei meinem Hoster. habe da jetzt auch einmal ein paar Sachen probiert, wird aber nicht schneller. 🙁 Andere Frage bzgl. der MediaWikki Diskussion, wäre es vielleicht schlauer ein MediWikki zu installieren und darauf zu warten, dass dieses Feature früher oder später dazu kommt?

  7. @Jakob: Du hast hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikiprojekt_Literaturangaben#Vorschl.C3.A4ge_zur_Umsetzung ja schon längst ein prima Konzept vorgelegt. Diese Idee würde allerdings ein bißchen mehr Publicity vertragen! 😉
    Mal im Ernst: Das Problem ist ja keineswegs immer, daß alle gute Ideen haben, aber gleichzeitig viel zu faul sind, etwas zu unternehmen. Im Fall deiner Idee scheint mir der Knackpunkt eher zu sein, daß kaum jemand diese Idee kennt. Und wenn dein Text an besagter Stelle doch mal gelesen wird, dann ist mit ungeübtem Auge nicht gleich erkennbar, was das Tolle daran ist. (Ist halt nicht jeder Bibliothekswissenschaftler 😉 ) Wir sollten darauf aufmerksam machen, wie sehr jeder einzelne Wikipedia-Artikel davon profitieren könnte und daß als Nebeneffekt daraus auch noch eine wertvolle bibliographische Datenbank entstünde.
    Um eine Sache brauchen wir uns jedenfalls keine Sorgen zu machen: Wenn die MediaWiki-Entwickler dieses Feature implementieren sollten, wären tausende Wikipedia-Autoren mit dieser neuen Möglichkeit konfrontiert, einfach weil sie als Bestandteil der grafischen Benutzeroberfläche repräsentiert sein wird. Der Schritt von der softwareseitigen Implementierung zur realen Anwendung dürfte somit eher ein kleines Trippelschrittchen werden…

  8. UniWakka – ein Wiki für Autoren
    Das Netbib Weblog stellt das Wiki UniWakka vor:Andrea Rossato hat ein autorenfreundliches, zeitgemäßes Schreibwerkzeug geschaffen, UniWakkaWiki. Hinter dem etwas merkwürdigen Namen verbirgt sich ein Variante von Wakkawiki, einer…