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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Leseförderung contra Eventmarketing

Zu meinem Beitrag zum Projekt „1 Buch im Dreieck“ hat mich der Projektleiter angerufen, mir mitgeteilt er habe das Vorgängerprojekt ehrenamtlich ohne Honorar abgewickelt und mich aufgefordert, den Beitrag komplett zurück zu ziehen, er werde dem Projekt in keiner Weise gerecht.

„Mit dem Projekt „1 Buch im Dreieck“ laden die öffentlichen Bibliotheken im Rhein-Neckar-Dreieck Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen ein, sich an der Auswahl eines Buches zu beteiligen. Dieses Buch wird anschlieÃ?end im Mittelpunkt verschiedener Veranstaltungen stehen – z. B. Leseabende, Ausstellungen und Theateraktivitäten.“ So die Pressemitteilung der Initiative „Zukunft Rhein-Neckar-Dreieck“ Der Projektgruppe gehört Jon Feldmann, Mitglied des Vorstandes der BASF, der Mannheimer Kulturdezernent sowie weitere Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung an.

Ich halte das Projekt, eine Region (das Rhein-Neckar-Dreieck) liest ein Buch, nicht für einen Beitrag zur Literatur- oder Leseförderung sondern ein von externen Beratern dem Hauptsponsor BASF aufgeschwatzten Marketing-Hype, der Bibliotheken und Leser einer ganzen Region zum Wohle des Sponsors über Monate hinweg auf Trab halten soll.

Die Kriterien: „Roman, für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene aller Altersgruppen geeignet, geschrieben von einem/er deutschsprachiger/en Autor/in der Gegenwart, als Taschenbuch erhältlich, bis 250 Seiten stark und nicht teurer als 10 Euro“ orientieren sich rein an der bestmöglichen Vermarktbarkeit und haben mit Lesewünschen und Leseverhalten der Teilnehmer nicht das Geringste zu tun.

Mitarbeitern und Benutzern der an der Aktion beteiligten Bibliotheken gegenüber ist es nicht vertretbar, wenn man einen externen Berater, vom Sponsor bezahlt, anheuert, der sie Events organisieren lässt, obwohl sie mit ihrer eigentlichen Arbeit wegen chronischem Personalmangel und schwindenden Erwerbungsetats kaum klar kommen und die Wünsche ihrer Kunden, sprich Bibliotheksbenutzer auf der Strecke bleiben. Die vom Bibliothekspersonal aufzuwendende Zeit wird keineswegs vom Sponsor sondern aus dem Haushalt der Bibliotheksträger, sprich Steuerzahler bezahlt.

Statt von Event zu Event den Sponsoren hinterher zu hecheln, wären Konzepte nötig, Sponsoren für Investitionen in die Substanz von Bibliotheken und Lesekompetenz zu gewinnen. „Initiative „Zukunft Rhein-Neckar-Dreieck“ stellt die „Kulturvision 2015″ vor: Kompass für eine Kulturregion auf dem Weg zur Spitzenklasse“ Typische Floskeln der Reform-Rhetorik in der Berliner Republik lassen jedoch eher vermuten: Fassade statt Substanz, die aus den Bibliotheken in das Projekt fliessenden Ressourcen Geldverschwendung.

Hier die Links:
Beanstandeter Beitrag in netbib
der Beitrag im Volltext in „Szyllas Lesezeichen“
Presseerklärung Stadt Mannheim
Presseerklärung Initiative „Zukunft Rhein-Neckar-Dreieck“(Achtung pdf !)

2 Kommentare

  1. Hab\‘ mal den untersten Link korrigiert.

  2. Danke – das kam von nicht klickbaren Links, die http statt www weglassen 😉