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E-Mail-Zeitalter offiziell für beendet erklärt

Jugendliche waren schon immer ungeheuerliche Wesen: Irgendwie glaubt man aus jeder Regung von ihnen direkt die Zukunft ablesen zu können, andererseits gelten sie als durch und durch geprägt von ihrer Umgebung – was erklärt warum sie sehr verdorben sind, gerade durch die Medien, und Lesen tun sie ja auch nicht mehr, etc.
Aber im Ernst: das Pew Internet and American Life Project betreibt durchaus seriöse Lebensstil-Forschung und hat Reuters zufolge nun herausgefunden, dass US-Jugendliche E-Mail für ein Alte-Leute-Medium halten. Man schickt sich in dieser Altersstufe heute lieber Nachrichten und Dateien per Instant Messaging.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

6 Kommentare

  1. Ach, wo habe ich das denn noch gleich gelesen … bei SpON? Ein Artikel über das Kommunikationsverhalten junger Leute in Südkorea. Zitat (aus dem Gedächtnis, dem löchrigen): „E-Mails schreibe ich nur an ältere Leute, ich will eigentlich immer sofort eine Antwort haben! Ich will nicht Warten!“
    Da dachte ich mir gleich: „Warte mal ab, bis Du Arbeiten gehst und einen Chef bekommst, der auch so ungeduldig ist! Dann wirst Du die gemächliche E-Mail vermissen!“
    Mal eine Frage: Wo liegt eigentlich der Vorteil von IM gegenüber der E-Mail?

  2. Du kannst die Präsenz deines Gegenübers feststellen, bzw. in Zukunft auch seinen Aufenthaltsort (beides natürlich nur, wenn er dir das auch erlaubt). Und, vielleicht noch wichtiger, du kannst davon ausgehen, einen als „chatbereit“ eingestellten Gegenüber so unmittelbar anzusprechen als wäre er im selben Raum, d.h. du kannst mit einer unmittelbaren Antwort rechnen. Mit Instant Messaging läßt sich eine Art virtuelles Großraumbüro erzeugen, mit allen Vor- und Nachteilen, die das so hat. Oder auch ein virtueller Schnack – wobei es bezeichnend ist, daß das Synonym „Chat“ für Instant Messaging hierzulande die ablehnende Haltung gegenüber diesem Medium zu begründen scheint. Irgendwie scheint man hier jede elektronische Botschaft für ein gewichtiges Dokument zu halten, daß die Würde des Adressaten verletzte, wenn es nicht erst mal in seinem virtuellen gußeisernen Briefkasten ein wenig Staub angelegt hat.

  3. Genau dieses „just-in-time“ finde ich problematisch. Immerhin muss man ja auch irgendwann die auferlegten Arbeiten erledigen.

    Mich stört ausserdem an IM-Technologien, dass sie ja eigentlich Insellösungen (nicht Dosenpfand!) sind. Da scheint sich aber was zu tun.

    Vielleicht gibt es ja mal IM-E-Mail Gateways. Damit wären alle glücklich! 🙂

    PS: Auf http://wikify.org/moin.cgi/LambertHeller kommt eine Fehlermeldung.

  4. Ich würde E-Mail und IM nicht in so starker Konkurrenz plazieren (es sei denn mir erklärt jemand, wie IM mit Leuten in Amerika (Alaska 🙂 möglich ist, ohne dass sich beide zu sehr „verrenken“ müssen um eine gemeinsame Zeit zu finden. Ich habe E-Mail bisher als einen Ersatz für die Post gesehen und IM für ein Mittelding aus Post und Telefon.

  5. Guter Hinweis!
    Das erklärt meine Skepsis IM gegenüber – ich telefoniere nämlich nicht so gerne. 🙂

  6. @Nils: Naja, ein geeignetes IM-Protokoll (also Jabber) kann alles, was das E-Mail-Protokoll auch kann, und ein bißchen mehr! 😉 Du schickst dem Adressaten die Nachricht, ohne daß der dabei online sein muß. Wenn er sich dann das nächste mal mit dem Jabber-Server seiner Wahl verbindet erhält er die Nachricht, natürlich einschließlich Informationen zum Original-Empfangszeitpunkt. Im Unterschied zu E-Mail läßt es ein Jabber-Server zudem aber auch zu, ad hoc neue Konten zu erstellen, individuell festzulegen wer einem Nachrichten schicken darf, Profile zu hinterlegen etc.