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I want my Wiki

Jason Kottke veröffentlichte am Dienstag einen vielbeachteten Beitrag, in dem es um das Web als das Betriebssystem der Zukunft ging. Insbesondere hebt Kottke darin die Bedeutung persönlicher Webserver hervor. Es werde immer üblicher und immer attraktiver, Dinge im und mit dem Browser zu tun. Im günstigsten Fall bemerkt man dabei nicht, ob man gerade Daten auf der eigenen Festplatte oder auf einem entfernten Webserver bearbeitet. Ein Vorgeschmack davon, meint Kottke, war die erste Version der Google-Desktop-Suche, die uns mit â??Treffernâ?? vom eigenen PC in den Google-Suchergebnislisten überraschte.

Daran anknüpfend behaupte ich: Für Projekte wie Wikipedia und Wikibooks wäre es überaus wünschenswert, wenn die MediaWiki-Software in einem simpel installierbaren Paket mit einem vorkonfigurierten Webserver wie XAMPP zur Verfügung stünde.
Was könnte passieren, wenn jederzeit mühelos ein MediaWiki für jeden lokalen Rechner oder jedes kleine Netzwerk (in der Firma oder zuhause) zur Verfügung stünde? Vieles! Jeder könnte die Technik hinter der Wikipedia ausprobieren und, zugeschnitten auf seine eigenen Zwecke, nutzen. Wer einen Wikipedia-Artikel in der vertrauten Umgebung zuhause oder an der Uni schreiben will, könnte gleich sehen, was er wie formatieren kann, um schluÃ?endlich â??fertigeâ?? Artikel in der Wikipedia abzuliefern. Für Wikibooks ist so ein Szenario erst recht interessant. Natürlich würde so ein System auch bei denjenigen auf Interesse stoÃ?en, die mit der Wikipedia (bisher) nichts am Hut haben. Wer mit mobilem Gerät (Laptop, USB-Stick o.ä.) eine LAN-Party besucht, wird vielleicht ad hoc ein Wiki vor Ort einrichten oder von zuhause mitnehmen. Vielleicht wird jemand seinem Chef zeigen, wie gut sich ein Wiki im Firmen-Intranet macht. Undsoweiter.
Ich weiÃ?, daÃ? das MediaWiki-Projekt darauf ausgerichtet ist, offene Wissenssammlungen zu unterstützen. Aber strategisch betrachtet kann es offenen Wissenssamlungen nur nützen, ihre Instrumente bis in die (bisher) geschlossenen Räume der Desktops und LANs auszuweiten. Um mal ein Sprichwort abzuwandeln: Das Wissen sollte da abgeholt werden, wo es (ent)steht.
Genau so, wie die Apache Friends mit XAMPP einen vorkonfigurierten Apache-Webserver einschlieÃ?lich PHP zur Verfügung stellen, sollte es auch möglich sein, ein um MediaWiki zu ergänztes XAMPP herauszubringen. Weitere Schritte wären dann vielleicht eine Live CD. Und eine noch breitere, bessere Unterstützung der Transklusion und des Ex- und Imports zwischen verschiedenen MediaWiki-Installationen. I want my Wiki!

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

9 Kommentare

  1. Zustimmung!
    Allerdings müsste es beim MediaWiki auch die Möglichkeit für geschlossene Gruppen geben (Leserechte). Auch wenn es dem (eigentlich richtigen) Wiki-Prinzip widerspricht, sind Einträge in einem offenen Wiki für jemandem in einer Hierarchie (Firma, Behörde) zu gefährlich. Liegt m.E. nach an der Konkurrenz der Einzelnen oder Organisationseinheiten untereinander (Stichworte: Strategie, politische Entscheidungen).

  2. Ein interessanter Punkt! Ich gebe dir insofern recht, daß der Anschluß von Wikis an Identitätsmanagement-Systeme eine Voraussetzung dafür ist, sie dort anzuwenden, wo mit Informationen ausschließend oder hierarchisch umgegangen wird. (Klingt jetzt so negativ, soll aber erstmal beschreiben, welche sozialen Muster dieser Technologie korrespondieren.) Ich vermute, daß die MediaWiki-Entwickler nicht ganz zufällig diesen Punkt zugunsten anderer Verbesserungen ihrer Software hintanstellen, denn gerade das ist für eine öffentliche Wissenssammlung wie die Wikipedia eben nicht so wichtig. Da reicht dann eben eine schlichte Administratorenrolle oder so etwas. (Allerdings begannn man bereits auf der Wikimania zu merken, wie sich das allmählich verändert: Da wurde verkündet, daß aus rein pragmatischen Gründen ein Single-Sign-On zu allen Projekten der Mediawiki-Foundation als wichtiges längerfristiges Entwicklungsziel gilt.)
    Mein Vorschlag für ein Instant-und-überall-Wiki wirft bei weitem nicht die kuturellen und technischen Fragen auf, die damit einhergehen würden, wenn die MediaWiki-Leute ihre Prioritäten in Richtung ID-Management, Schreib- und Zugriffskontrollen etc. verschieben würden.

  3. Für mich ist diese Hierarchiegeschichte ein wichtiges Thema – immerhin arbeite ich in einer recht stark hierarchischen Organisation. 🙂
    Da finde ich es sehr schade, dass man nicht einfach mal ein Wiki aufsetzen und „Macht mal!“ rufen kann. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ein Wiki innerhalb einer (Unter-)Organisationseinheit sehr gut funktionieren würde. Dann würde man seine Texte, Projekte und Planungen eben nicht oder nicht nur in einem (Gruppen-)Netzlaufwerk ablegen. Meine kleinen persönlichen Experimente (mit meiner eigenen Arbeitsweise) haben mich nur darin bestärkt. Mal eben schnell dieses oder jenes notieren, und – schwupps – steht es den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. Man kann Workflow usw. damit Dokumentieren undundund …
    Finde ich sehr interessant, dass das Thema Rechtemanagement (um mal einen Oberbegriff vorzuschlagen) langsam an Gewicht gewinnt.

  4. Hallo! Geht es Dir speziell um MediaWiki? Dann hab ich nichts gesagt, aber: es gibt verschiedene Desktop-Versionen von MoinMoinWiki: http://moinmoin.wikiwikiweb.de/ . Die Syntax ist ein bischen anders als bei MediaWiki, mit Wikipedia Artikel zu Hause schreiben ist also nichts, aber ich benutze es zu Demozwecken und als persönlicher Zettelkasten. Das ganze ist einfach zu installieren, funktioniert gut und ist wirklich praktisch. Grüße!

  5. Ich finde den Gedanken prinzipiell gut, allzu lange schläft mein mit Mac OS X kommendes Apache schon ungenutzt vor sich hin. Bei der praktischen Nutzung sehe ich allerdings Probleme die so meiner Meinung nach mit Wikis, jedenfalls den traditionellen, nicht zu lösen sind.
    Z.B. sind meine möglichen Einträge zu untergliedern in rein private (Shoppingliste), die für meine Abteilung, jene für meine Institution und schliesslich jene fürs gesamte Internet. Zusätzlich sind diese Einträge vermutlich thematisch zu untergliedern (Methoden, Literatur, Vorträge etc…). So sehe ich auch wieder das Problem des Copyrights, der interessante Artikel den ich irgendwo gescannt habe darf zwar in meinen Bereich aber nun wirklich nicht in den richtig öffentlichen Bereich.
    InterWiki-Links: Tja mit derartig vielen persönlichen Wikis kann eine manuelle Verlinkung ohne tausender toter Links nicht funktionieren, also doch wieder alles googlen ?
    Derartige Hierarchien und Verwaltung von Benutzerrechten wird die Beteiligung dann wieder stark reduzieren. Ich denke es läuft eher auf viele spezialisierte Wikis hinaus. Mein Wiki, das meiner Abteilung etc…
    Die einzige Lösung die ich mir vortellen könnte wäre ein Art RSS-Reader für Wikis, d.h. ich „abonniere“ wikis (so wie z.Zt. RSS-Feeds) und beteilige mich in diesem WYSIWYG-Wiki-Reader/ Writer und gebe so mein Wissen weiter.

  6. Vielen Dank für die interessanten Reaktionen auf mein Posting! Ich will unbedingt näher darauf eingehen, aber erstmal werde ich jetzt ins Wochenende starten. 😉 Näheres also in den nächsten Tagen an dieser Stelle!

  7. @Daniel: Danke für deinen Hinweis auf die Desktop-Versionen von MoinMoin, der in diesem Zusammenhang natürlich fällig ist! Abgesehen davon, daß mir vieles an MoinMoin besonders gelungen und ausgereift zu sein scheint, gibt es ja auch sonst durchaus Wikisoftware, die in Richtung Desktop (weiter-)entwickelt wird. In meinen Augen nennenswerte Beispiele, die wir bei Netbib schon mal hatten, waren das hochinteressante TiddlyWiki (ebenfalls inspiriert durch einen Beitrag im Weblog von Jason Kottke), Instiki (inzwischen variiert durch Pimki) und vielleicht noch wikidPad.
    Aaaaber: Der Haken, daß dies eben nicht die Software der Wikipedia ist, wiegt schwer. Mitch Kapor meinte am Rande der Wikimania mal, dass Ebay und Amazon zeigen, wie sehr im Internet gilt: „The winner takes it all“ – und diesen Satz müsse sich Wikimedia wohl auch zu Herzen nehmen. Also: Wenn heute immer häufiger Schriftliches in Desktop- oder Intranet-Wikis entsteht, dann ist das erst recht ein Grund dafür, daß MediaWiki dieses Feld nicht den anderen überlassen sollte – nicht zuletzt weil sich das in vielfacher Hinsicht prima mit Projekten wie der Wikipedia ergänzen könnte.
    @Hayssam: Du hast vollkommen recht: Die Vermischung vieler (jedenfalls in anderer Größenordnung als heute) persönlicher und öffentlicher Wikis wird auch ganz neue Probleme mit sich bringen, vor allem auf den Ebenen von Information Retrieval und Rechtemanagement. Aber es existieren ja auch durchaus Ansätze, diese Probleme zu lösen – du erwähnst zurecht RSS, und ich würde ergänzen, daß viele andere Bestrebungen, Datenstrukturen leichter austauschbar zu machen (z.B Beschreibungssprachen, Metadaten-Standards etc.) dabei helfen werden. Beim Thema Rechtemanagement wird es dagegen sicherlich schwieriger werden, auf einen gemeinsamen technische Nenner zu kommen.

  8. in der Linux 04/04 steht rein theoretisch drinnen wie man die leserechte von mediawiki einstellt/einschränkt sodass nicht jeder lesen kann, allerdings hab ich das gefühl ich bin zu blöd dafür:D

  9. Gibt es mittlerweile eine Möglichkeit, Seiten im Mediawiki mit Sichtschutz zu vesehen ??

    Bei folgender Seite (zufällig gefunden) scheint das zu funktionieren:

    http://www.fakultaetsmanagement.de/fm-wiki/index.php/Hauptseite

    Was tun ??

    Vielen Dank im Voraus
    r.b.