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Wikisource nimmt ADB-Artikel auf

Wikisource, ein grauenhaft dilettantisches Wikimedia-Projekt, hat damit begonnen, die Texte aus Bd. 1 der ADB einzupflegen. Dringlicher wäre es, die zahlreichen Leichen im Keller zu verarzten: dort wimmelt es von unbrauchbaren, nicht zitierfähigen Texten ohne Quellenangabe.

9 Kommentare

  1. Seit Start (08/05) des deutschsprachigen Wikisource-Ablegers sind es gerade einmal 3 bis 4 Benutzer, die regelmäßig aktiv sind. Diese hatten bis jetzt gut damit zu tun, die deutschsprachigen Texte, die von wikisource.org nach de.wikisource.org übertragen wurden, zu bereinigen. Darunter sind etliche Texte, die von den derzeit aktiven Benutzern nicht eingestellt wurden. Deshalb ist es zum Teil sehr schwierig, Quellen nachzutragen. Zudem erhebt Wikisource auch nicht den Anspruch zitierfähige Textquellen zur Verfügung zu stellen. Eine Online-Quelle ersetzt in den wenigsten Fällen eine zitierfähige Hardcopie. Für die meisten Leser dürfte es zudem egal sein, ob ein Text zitierfähig ist oder nicht.

  2. Ich finde es sowieso fragwürdig, für abgeschlossene/fertige Texte ein Wiki zu benutzen, zumal Mediawiki für Kommentare nicht so gut geeignet ist.

    Als Beispiel schaue man sich Faust I an: der gesamte Text ist lieblos auf eine Seite geklatscht und da es bei Mediawiki keine Möglichkeit gibt, Seiten zu sperren, wird immer ein Teil der personellen Ressourcen in die Spambekämpfung investiert werden müssen.

    Aber hauptsache es wird für alles ein (Media)wiki benutzt 🙁

  3. Ich bin gespannt wie es bei Wikisource laufen wird und werde es weiter beobachten. Es ist aber geplant, die Seiten nach dem Korrekturprozess, wozu wohl auch das Formatieren gehört für die Bearbeitung zu sperren. Das geht sehr wohl mit der Mediawiki-Software.

    P.S. Den Anschein eines sinnvollen Projektes macht das ganze auch erst, seitdem die verschiedenen Sprachen ausgegliedert wurden und in eigene Sprachprojekte getrennt wurden. Davor war es das reinste Chaos und völlig unbrauchbar. Jetzt sind zumindest Ansätze erkennbar das zu verbessern.

  4. Es spricht für sich, dass Xarax zugibt, dass Wikisource nicht den Anspruch erhebt, zitierfähige Texte zur Verfügung zu stellen. Damit verbleibt es in der Sphäre nutz- und wertloser Hobby-Arbeiten, während die Wikipedia als Haupt-Projekt inzwischen in vielen Bereichen als wissenschaftlich brauchbare Informationsquelle gelten kann.

  5. Das habe ich an Xarax‘ Statement auch nicht so ganz verstanden: „Eine Online-Quelle ersetzt in den wenigsten Fällen eine zitierfähige Hardcopie.“ – Beim Gros der Zeitschriftenliteratur, die heute als elektronische Ressource vorliegt, ersetzt die Online-Ausgabe sehr häufig die Papierausgabe, und sie dient auch häufig und selbstverständlich als Grundlage für Zitate.
    „Für die meisten Leser dürfte es zudem egal sein, ob ein Text zitierfähig ist oder nicht.“ – Selbst einmal angenommen, die Leser, die zitierfähige Texten gut gebrauchen könnten, wären in der Minderheit – wären diese dann nicht trotzdem eine besondere, bedenkenswerte Minderheit? Das aktive Zitieren aus den Wikimedia-Projekten wird mehr zu deren Anerkennung beitragen als der passive Konsum solcher Wikis, vermute ich.
    Abgesehen davon bleiben auch bei mir die schon früher geäußerten Zweifel daran, ob Wikis ausgerechnet für eine Quellensammlung eigentlich das passende Medium sind – von Randfällen wie Öbersetzungsprojekten einmal abgesehen.

  6. Es ist das eine, einen solchen Anspruch zu formulieren und nicht erfüllen zu können und das andere diesen Anspruch nicht zu formulieren und in einzelnen Bereichen zu erreichen. Wir sind dabei meilenweit von einem solchen, möglichen Anspruch entfernt, aber das Projekt ist auch erst seit etwa einem Monat aktiv. Den vorherigen Stand auf wikisource.org nicht mitgerechnet. Und ja, es ist für die meisten eine Hobby-Arbeit, deshalb ist die Einschätzung, ob alle Texte wissenschaftlicher Arbeit genügen müssen, laienhaft, ebenso ob Online-Quellen für die wissenschaftliche Arbeit relevant sind. Gerade deshalb, wäre es sinnvoll, statt mit einer sehr beleidigenden und arroganten Art auf das Projekt bzw. einzelne Benutzer zu schießen, sich konstruktiv an einer Umgestaltung zu beteiligen. Ich denke der Aufwand Flames zu verfassen oder konstruktive Kritik zu üben hält sich die Waage. Und das der extrahierten Kritik Rechnung getragen wird, zeigt sich gerade, auch wenn das wohl noch immer nicht jedermans Nerv trifft. Alternativ dazu bietet sich an, das Projekt zu ignorieren, wenn es eure Erwartungen nicht erfüllt. Wikipedia ist auch nicht an einem Tag erbaut worden, und genauso wird auch Wikisource Stein für Stein zusammengesetzt.

  7. Wer meint, das Rad nochmals neu erfinden zu müssen, ist kein liebenswerter Hobbybastler, sondern vergeudet sinnlos Energien. Selbst China verzichtet in Kühlschränken inzwischen auf Treibhausgase, macht also unsere Fehler nicht nochmals. Seit Mitte der 1990er Jahre werden E-Texte im Netz bereit gestellt, man muss also nicht bei Null anfangen. Der Trend geht klar zu Faksimileausgaben in Verbindung mit E-Texten, wobei man sich über fachliche Anforderungen z.B. unter
    http://wiki.netbib.de/coma/GermanistikTexte
    informieren kann.

  8. Faksimiles sind zwar sehr schnell und sehr einfach erstellt, haben aber einen grossen Nachteil: Sie sind reine Bilddateien (meistens im PDF-Format) und deshalb nicht durchsuchbar. Das Zitieren und Suchen ist deshalb genauso mühsam wie bei einem physischen Buch. Das leiht sich der Germanist dann lieber aus. Eine neue Richtung hat Googleprint eingeschlagen: Da sind die Bilddateien wirklich durchsuchbar. Leider konzentriert sich Googleprint (zumindest im Moment noch) auf neu erschienene, mit einem Urheberrecht belegte Bücher.

  9. Faksimiles sind für akribisches Zitieren oft unersetzbar. Es gibt in Amerika viele Beispiele für Kombi-Lösungen in der Art von Google Print (UMich General Digital Collection, U Toronto usw.). Bei der ZBLG (MDZ) liegt unsichtbar hinter den Bänden ein schmutziger OCR-Text.