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Vorhaben der neuen Stabi-Leiterin in HH

Frau Beger ist als neue Stabi-Chefin in Hamburg angekommen und wird vom Hamburger Abendblatt mit einem Artikel begrüÃ?t.
Was mir neu war, ist diese Angabe zum SchluÃ? des Artikels zu Academic Linkshare, offensichtlich ein (Neben-)Produkt einiger Virtuellen Fachbibliotheken, um gemeinsam Webangebote zu erfassen und zu erschlieÃ?en. Zentrale, aber kooperative Erfassung – dezentrale Präsentation, kein schlechtes Motto, würde ich sagen!

4 Kommentare

  1. Vor fünf Jahren, als man mit Academic LinkShare begonnen hat, mag das Konzept fortschrittlich gewesen sein – wie man es heute so relativ unbeirrt weiterführen kann, das verwundert mich allerdings sehr. M.E. zurecht weisen die ALS-Teilnehmer immer wieder auf auf folgende Punkte hin:
    – Internetquellen verändern sich sehr rasch,
    – sie werden als (immer häufiger auch disziplinen-übergreifende) Informationsquellen für Wissenschaftler immer wichtiger und
    – Erschließung tut daher not, ist jedoch ressourcenintensiv.
    Einige Konsequenzen, die man daraus zieht, leuchten sofort ein: Eine einzige zentrale Redaktion und ein einziges starres Klassifizierungssystem helfen nicht weiter; stattdessen benötigt man eine voraussetzungsarme Erschließungstechnik (der Redakteur benötigt nur seinen Webbrowser), und das Ganze sollte dezentral passieren.
    Aber seltsam, wie der Erschließungsprozeß bei ALS dann konkret gestaltet wird: „User schlagen Quellen zur Aufnahme vor, Experts beschreiben sie zusätzlich auch inhaltlich. Partner, i.d.R. Mitarbeiter der Kooperationspartner, prüfen die Eingaben von Usern und Experts. Sie sind verantwortlich für die korrekte Ansetzung von Titeln und Körperschaften. Editors prüfen schließlich die Qualität der jeweiligen Aufnahmen und schalten die Katalogisate für die Anzeige in den jeweiligen Fachinformationsführern frei.“ (Christof, Fingerle, Heyke: Verbundkatalogisierung von Internetquellen, ZfBB 3/2004)
    Kurz gesagt: Das Verfahren ist zwar browserbasiert, aber vielstufig und kompliziert; die Erschließung geschieht zwar dezentral, aber durch einen geschlossenen, hierarchisch aufgebauten Teilnehmerkreis.
    ALS eicht sein Ziel an den unbefriedigenden Möglichkeiten der Web-Recherche mit kommerziellen Suchmaschinen sowie mit Webkatalogen nach der Art von Yahoo und Co. Auch dies wäre im Jahr 2001 sicherlich ein naheliegender Maßstab gewesen. Aber Wissenschaftler, die daran glauben, alles was sie im Web interessiert könne von einigen ausgewählten „Fachleuten“ bereits vorselektiert worden sein, sind eine Chimäre – die echten Wissenschaftler vertrauen dann doch lieber weiterhin auf Google. Und zunehmend auch auf die sich selbst organisierende, offene Vernetzung zum gemeinschaftlichen Auffinden, Filtern und Sortieren von Internetquellen. So eine Vernetzung sieht allerdings anders aus als Academic LinkShare. Sie ist zu beobachten in der Wikipedia, der Blogosphäre und bei Diensten wie del.icio.us oder Connotea. Hoffentlich setzt man bei ALS nicht weiterhin darauf, diese Entwicklungen ignorieren zu können.

  2. ich gebe Lambert recht, „gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“ oder so aehnlich…
    Mein Lieblingsbeispiel fuer so einen Fall ist das Forum Benutzung, das sich auch durch den Einsatz des sog. Index-Navigators nicht besser, sondern eher schlechter benutzen laesst.
    Hier passt auch ganz gut der Satz aus dem heute zitierten Artikel des SpOn:

    Was bleibt, ist die ernsthafte Frage nach der Medienkompetenz vieler Zeitgenossen, die sich schon berufsbedingt tagtäglich im Internet bewegen, sich aber dort offensichtlich überhaupt nicht auskennen.

    BibliothekarInnen moegen nun mal Klassifizierungssysteme und korrekte Ansetzungen, das muss natuerlich vorher von „Fachleuten“ geprueft werden, auch wenn das dann „ein bischen“ laenger dauert.
    delicious, flickr, frappr, Wikis, Weblogs usw, sind natuerlich viel zu „unserioes“ für die ernsthafteren KollegInnen, die Dienste werden gar nicht erst ausprobiert (bis auf wenige Ausnahmen). Daher kam z.B. auch der Artikel von Jochen und Jakob Soziale Software für Bibliotheken in Buch und Bibliothek 3/2005 ca. 3 Jahre zu frueh…

  3. „Academic LinkShare […] fachlich relevanter Internetquellen aus dem Fachcluster der Wirtschafts-, Rechts-, Politik- und Regionalwissenschaften entwickelt hat und dauerhaft betreibt.
    Soll das was werden wie die „Deutsche Internet-Bibliothek“ nur halt für Akademiker o.a. Fachrichtungen??? – Wer braucht das?? – Gibt es Fördergelder, die unters Volk gebracht werden müssen??

  4. Mich ärgert, dass dutzende Institutionen allein in D Internetquellen bibliothekarisch oder dokumentarisch im Web erschliessen, ohne sich zu koordinieren. Die Erschliessung kann fachspezifisch/projektspezifisch sein, also eine Quelle ggf. mehrfach erschlossen werden, wenn gewährleistet wäre, dass der Endnutzer alle Erschliessungen der gleichen Quelle in einer Metasuche beieinander hat und alle Erschliessungsinhalte in der Metasuche verfügbar sind.

    Das Format der Wahl ist OAI-PMH (aufbauend auf Dublin Core). HUMBUL-Links sind bereits über OAIster suchbar.

    Kompatitibiliät zu anderen Formaten (MARC) sollte gegeben sein.

    Eine Social Software-Komponente (Social Bookmarking, Wikis) sollte integriert sein, kann ja eine Registrierung voraussetzen.

    Öbrigens war ich Ende der 1990er Jahre mal (Name hab ich vergessen, kooperatives bibliothekarisches Internetquellenkatalogisierungsprojekt nach der Regensburger Verbundklassifikation)-Fachreferent und habe einige Internetquellen erschlossen.