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Die Rundfunkarchive sind nicht öffentlich zugänglich!

Aus Anlass einer Kontroverse in den Kommentaren sei unterstrichen, dass die Ausführungen von Harald Müller (PDF) nach wie vor gültig sind: „Eine freie, öffentliche Benutzung durch die Bevölkerung ist weder derzeit,
noch zukünftig überhaupt vorgesehen. Deshalb können sämtliche ErschlieÃ?ungsmittel von
Rundfunkarchiven, wie Kataloge, Dokumentationen und Datenbanken auch nur intern
benutzt werden. Eine Kenntnisnahme vom Inhalt der Aufzeichnungen durch externe
Wissenschaftler, Studenten oder Journalisten ist nur sehr eingeschränkt möglich. Die Rundfunkarchive
unterliegen keiner gesetzlich formulierten Archivierungspflicht für ihre Medien.
Vielmehr entscheiden die Medienarchivare selbst nach eigenem Ermessen, welche Aufzeichnungen
wie lange aufbewahrt werden.“

6 Kommentare

  1. Danke für die Klarstellung.

    Nur als kleiner Hinweis:
    Es wird „keine gesetzliche Archivierungspflicht“ geben, denn das Grundgesetz Art 5 garantiert die „Medienfreiheit“ (es findet keine Zensur statt) und somit ist nicht möglich, dass ein staatliches Gesetz den Rundfunkanstalten vorschreibt, was sie zu archivieren haben.

    Nichtsdestotrotz haben sie ARD und ZDF am 9. August 2004 in einer Selbstverpflichtung dazu bereit erklärt, die „Europäische Konvention über den Schutz des audiovisuellen Erbes“ inkl. dem Zusatzprotokoll „Schutz von Fernsehproduktionen“ umzusetzen. Diese Konvention bzw. die Selbstverpflichtungserklärung regelt auch die Frage der Nutzung.

    Außerdem sollte auch erwähnt werden, dass durch die KEF nicht ein Cent der Rundfunkgebühren für die Bereitstellung von Archivmaterial für die wissenschaftliche Nutzung genehmigt wurde. Deshalb auch mein Aufruf, die (Medien-)Politiker für das Problem der Nutzung der Rundfunkarchive durch die Wissenschaft zu sensibilisieren (anstatt auf die Rundfunkanstalten „einzuprügeln“).

  2. Dieser Herr Scheller, den ich ausdrücklich nicht als Archivars-Kollege empfinde und ihm insofern auch nicht den kollegialen Respekt zu zollen bereit bin, möge doch bitte mal die online nicht einsehbare „Gebührenordnung“ für sein sog. Archiv veröffentlichen bzw. angeben, was die Benutzung kostet.

    Ich denke, in der sog. freien Wirtschaft besteht im Kreis von Unternehmensarchivaren hundertmal mehr Einsicht für die Notwendigkeit der Archivbenutzung als bei den öffentlichrechtlichen Kraken, die bei den Rundfunkgebühren satt absahnen, aber sich jede Einsichtmöglichkeit für die Öffentlichkeit von gebührenfinanzierten Sendungen extra bezahlen lassen wollen.

  3. Dem Wunsch von kg komme ich gern nach (auch wenn er inzwischen persönlich beleidigend wird).

    Die Benutzung des Unternehmensarchiv durch externe Nutzer ist kostenfrei. Für Rechercheleistungen, die von den Mitarbeitern des Unternehmensarchiv im Auftrag (!) des Benutzers vorgenommen werden, wird ein Unkostenbetrag von 48 € pro Stunde berechnet. Eine Aufteilung in 1/4 Stunden (12,00 €) ist möglich.
    Die Herstellung von Kopien kostet 10 Cent. Bei Abgabe einer Kopie eines Drehbuches entstehen Kosten in Höhe von 30,00 €.

    Die Kostenberechnung ergibt sich, wie schon in meinem ersten Kommentar geschrieben, aus der Nichtanerkennung einer Forschungsbetreuungsfunktion für die Archive durch die Kommission zur Festlegung des Gebührenaufkommens (KEF).

  4. Ich gehe davon aus, dass keine Benutzung stattfinden kann, ohne dass eine Rechercheleistung vorgenommen wird. Schliesslich muss ja jede Sendung erst einmal ermittelt werden und dies setzt eine Recherche voraus (und wenn es nur die Arbeit ist, den Titel in eine Datenbanksuchmaske einzutippen: macht 12 Euro).

  5. Nein, wenn der Benutzer mit konkreten Angaben kommt, kann er auch ohne Rechercheleistungen von uns – und somit kostenfrei – das Archiv benutzen.

    Da hier scheinbar, ohne konkrete Fälle benennen zu können, alte Vorurteile „gepflegt“ werden, gehe ich auf weitere Erwiderungen, außer sie sind neuen Inhalts, nicht mehr ein.

  6. Vielleicht darf ich mich einmal einmischen: Anlass der Auseinandersetzung hier war doch das Unternehmen der BBC, seine Dokumente dem nichtkommerziellen Gebrauch – z.B. der Lehre – zur Verfügung zu stellen. Dieses gibt es bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland in der Tat bislang nicht. Das ZDF z.B. annonciert seine Archiv ganz ausdrücklich für den internen Gebrauch und stellt es nur unter bestimmten Voraussetzungen – z.B. für Forschung – zur Verfügung und dies u.U. durchaus nicht billig, wie die Beispiele von V.S. verdeutlichen.

    Während also die BBC ihre Dokumente nunmehr – sogar ganz ausdrücklich – z.B. dem englischen Teacher für seinen classroom zur Verfügung stellt, bieten die Öffentlich-Rechtlichen dies für den deutschen Studienrat nicht an. Ob das nun Sache der Politiker, der Gesetze, der Finanzen oder einfach der jeweiligen Geschäftspolitik der Rundfunkanstalten ist, kann ich nicht beurteilen; nur Politiker, Gesetze und Finanzen und eine Geschäftspolitik hat die BBC ja wohl auch…

    Die Tatsache, dass zudem jeder Bürger bei uns seine Rundfunkgebühren zahlt, sollte durchaus gelegentlich Anlass sein dürfen, die Archivpolitik der Anstalten kritisch zu kommentieren.