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Web-based Office – neuer Zwischenstand

Nein, hier soll es nicht um die neuen Online-Dienste für Microsoft Office gehen. Ob MS es damit schafft, seine Cash Cow „Office“ am Leben zu halten mag auch eine ganz interessante Frage sein, die mich jedoch nicht praktisch interessiert. Interoperabilität der eigenen Produkte, in unterschiedlichen Kontexten wiederverwendbare (Web-)Dienste und transparente, kompatible Datenformate sind Microsoft im Grunde fremd. Man läÃ?t sich kompromiÃ?artig darauf ein wenn es unausweichlich erscheint, um die Benutzer letztlich jedoch immer wieder in die eigenen monolithischen Anwendungen und deren Datenformate einzusperren. Aber das nur am Rande.
Nach dem Hinweis auf Richard MacManus Prognose vor ein paar Monaten wollte ich vielmehr mal wieder ein biÃ?chen Name Dropping (oder sagt man Link Dropping?) betreiben, also auf einige interessante Webanwendungen hinweisen, die mehr oder weniger eng gefaÃ?t im Office-Bereich liegen.
Da dieser Beitrag jetzt schon seit einigen Tagen in der Warteschlange hängt ist mir Richard MacManus aber mit einem eigenen Update zuvorgekommen. Umso besser, denn meine Empfehlungen decken sich weitgehend mit seinen, so daÃ? ich mich auf ein paar ergänzende und abweichende Hinweise beschränken kann.

  • Im Bereich der Kalender war hier schon auf Kiko hingewiesen worden, aber es gibt inzwischen noch Interessanteres. Richards Empfehlungen in diesem Bereich habe ich nichts hinzuzufügen. Bei CalendarHub ist es besonders einfach, Termininformationen mit anderen (in der Gruppe oder ganz öffentlich) zu teilen, während 30 Boxes vor allem eine ansprechende Bedienungsoberfläche hat, die eigentlich keine Fragen offenläÃ?t.
  • Auch Präsentationen braucht man heute nicht mehr mit Powerpoint zu erstellen, nur um anschlieÃ?end eine lediglich mit Powerpoint zu betrachtende Dateileiche auf der Festplatte liegen zu haben. Statt dessen erstellt man sie online, allein mit Hilfe des Browsers an genau dem Ort, wo sie dann auch dauerhaft bleibt. Wer will kann seine Präsentation dann auch gleich der Ã?ffentlichkeit freigeben und durch mehr oder weniger passende Schlagworte erschlieÃ?en. Natürlich reicht auch zum Betrachten der fertigen Präsentationen ein Browser. Realisierbar ist dies mit SoapBX und Thumbstacks.
  • Bei den Task Planern war bereits (im Kommentrathread des oben verlinkten netbib-Artikels zum Thema Kalender) auf die kostenlose Variante von BaseCamp und die sowieso kostenlosen Planer voo2do und Rember The Milk hingewiesen worden. Neu und meines Erachtens ebenfalls sehr beachtlich ist auch Zoho Planner. Ã?brigens versuchen sowohl BaseCamp als auch Zoho eine breite Palette klassischer Office-Anwendungen als Web-Angebote zu realisieren.
  • Zum Thema web-basierte E-Mail und Textverarbeitung sind weiterhin zwei alte Bekannte zu empfehlen, nämlich Gmail und Writely.
  • Und schlieÃ?lich wäre noch die neue Gattung der Web-Desktops zu nennen. Früher nannte man sowas auch Startseite. Da ist alles drauf, was man häufiger benötigt – heutzutage aber eben nicht mehr als Linkliste, sondern als interaktiv ergänzbare Liste integrierter Mini-Anwendungen. Aufmerksam darauf geworden bin ich durch Netvibes. Netvibes integriert u.a. Writely, Gmail, del.icio.us und bei Bedarf weitere Mail-Dienste, Flickr, Webnote und Blogmarks, wenn man möchte Google oder andere Suchdienste etc. Und es stellt natürlich Ã?berschriften aus RSS-Feeds dar, wobei es keinesfalls einen RSS-Reader wie Bloglines ersetzen könnte. Ã?hnlich, aber mit einem noch gröÃ?erem Anwendungsspektrum ausgestattet ist Pageflakes.
  • Wichtig, wenngleich hierzulande unterschätzt, ist auch das Instant Messaging. Google ist inzwischen dazu übergegangen, seinen auf dem offenen Jabber-Protokoll basierenden Dienst Gtalk auch tatsächlich zur freien Jabber-Infrastruktur hin zu öffnen – und der nächste Schritt ist nun die (in den USA bereits vollzogene) Integration von Gtalk als Webanwendung in die Gmail-Oberfläche. Wer sich nicht auf Gtalk/Jabber beschränken mag findet eine attraktive Alternative in der Multiprotokoll-Web-Messaging-Anwenung Meebo.
  • Wie sieht es mit Tabellenkalkulation als Webanwendung aus? Nun, hier muÃ? man vor allem gespannt sein auf die derzeitige Tätigkeit des Erfinders von VisiCalc, der ersten Tabellenkalkulation für den PC. Richard MacManus empfiehlt in diesem Bereich NumSum und iRows, die ich beide noch nicht ausprobiert habe.
  • Eine strukturierte, gemeinsam nutzbare Ablage für groÃ?e und kleine Dateien gehört – nicht zuletzt aufgrund der Unzulänglichkeiten des Mediums E-Mail – heute zum elektronischen Bürobedarf dazu. Ã?ber die Palette der Webangebote in diesem Bereich hatten wir neulich schon was im Weblog. Ergänzen möchte ich hier nur openomy, einen Folksomy-Ansatz im Bereich der Dateienablage.

Zur Technik, die in der schicken Bedienungsoberfläche all dieser Dienste steckt, hatten Edlef und Markus hier übrigens schon mal was gesagt.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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