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DIY: Eine bibliographische Sammlung mit Google Scholar und BibSonomy aufbauen

Neben einigen anderen Kleinigkeiten erlaubt Google Scholar (GS) seit gestern die Ausgabe von Suchergebnissen in Form von BibTeX-Daten. Diese können nahtlos in eine persönliche, durch Tags angereichterte Quellensammlung bei BibSonomy übernommen werden. Hier zeigt sich: Ein paar Webdienste, die nichts voneinander zu wissen brauchen, sondern lediglich schlichte offene Standards beherrschen müssen, ergeben eine nützliche virtuelle Arbeitsumgebung. Aus der Dose, sozusagen. Als Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Kostenloses Benutzerkonto bei BibSonomy anlegen,
  2. BibSonomy-BibTeX-Bookmarklet abspeichern,
  3. in den GS-Optionen BibTeX-Export aktivieren,
  4. Suche mit GS durchführen,
  5. unter dem gewünschten Suchergebnis auf „In den BibTeX importieren“ klicken (an der Ã?bersetzung muÃ? wohl noch gefeilt werden ;-)),
  6. den BibTeX-Code vollständig markieren,
  7. Bookmarklet anklicken,
  8. das sich nun öffnende BibSonomy-Formular ist vorausgefüllt und der Cursor steht im Tag-Feld; ggf. also Tags hinzufügen und den Inhalt der anderen Felder kontrollieren und abschlieÃ?end
  9. Abspeichern – fertig!

Innerhalb von BibSonomy kann dann in der eigenen und in fremden Quellensammlungen gesucht oder anhand von Tags gesurft werden. Beliebig gewählte Auszüge lassen sich wiederum per Mausklick in den Formaten von BibTeX oder auch Endnote ausgeben.
(Besonders pfiffige Variante für Technikfreaks und Freunde freier Software: LaTeX-Dokument schreiben und beim Zitieren die jeweiligen BibTeX-Keys verwenden; anschlieÃ?end ein Perl-Skript durchlaufen lassen, das die passenden bibliographischen Daten von BibSonomy holt und daraus eine BibTeX-File baut.)

P.S. Liebe BibSonomy-Macher, ihr seid Helden! Aber irgendwas hakt, wenn ich versuche, das authors-Feld von Google Scholars BibTeX-Output mit eurem Bookmarklet zu übernehmen, das landet im Formular dann immer unter „misc“. Naja, und manchmal sind Google Scholars Vorstellungen von sauberem BibTeX auch merkwürdig (doppelte geschweifte Klammern um das title-Feld!), aber da könnt ihr ja nichts für…
Und noch eine Sache, von der ich nicht weiÃ?, obs an euch oder an den Anbietern der BibTeX-Daten liegt: Der Karlsruher OPAC hat auch eine BibTeX-Ausgabe, aber aus Gründen die mir bisher unklar sind bricht euer Bookmarklet beim Importieren mit eine Fehlermeldung ab.

P.P.S. Neben dem Karlsruher OPAC und Google Scholar existieren noch einige weitere Recherche-Instrumente, die Suchergebnisse entweder direkt oder über einen Umweg im Browser auch im BibTeX-Format darstellen können: der Bielefelder OPAC, CiteSeer, Medline (PubMed), Amazon und „The Collection of Computer Science Bibliographies“ (ebenfalls Karlsruhe). Kennt jemand weitere Quellen?

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

16 Kommentare

  1. Auch wenn ich von der Sache leider nix verstehe, find ichs prima, dass wir hier häufig so innovative Beiträge haben!

  2. ad „Weitere Quellen“
    aus der DigiBib (http://www.digibib.net) kann man auch Suchergebnisse im BibTeX Format exportieren..

  3. Ehrlich gesagt gehts mir wie Klaus, Lob an der stelle natürlich, aber LaTex habe ich zumindestens schon mal gehört bzw. mir angesehen. Ich brauch aber eine GUI – sonst würde ich auch Lilypond für Noten nutzen. 😉

  4. Hallo PM, zunächst einmal vielen Dank für den Hinweis! Die Digibib scheint mir im Vergleich zu den anderen genannten Diensten nicht sehr hilfreich zu sein, da man jedes Suchergebnis erst in einem mehrschrittigen Prozeß zum BibTeX-Export auswählen muß, um dann das Ergebnis per E-Mail (!) zugeschickt zu bekommen.

  5. Oh, den ich hätte ich fast vergessen: Neben medbibtex gibt es als sehr innovatives Suchmittel für PubMed natürlich auch noch http://www.hubmed.org. Lesern von http://medinfo.netbib.de dürfte der Name vertraut vorkommen, aber das sollte man wirklich auch dann ausprobieren, wenn man ansonsten nichts mit medizinischer Fachinformation zu tun hat. Selbstverständlich wird neben anderen bibliographischen Metadaten auch die Ausgabe von BibTeX unterstützt. (Ohne E-Mail. ;-))

  6. Möchte mich Klaus anschliessen, auch ich finde diese Art von Beiträgen sehr erhellend – weiter so ! Kenne einige weitere „Zaungäste“, die ebenfalls davon profitieren 🙂

  7. Hallo kg, CS und Chris, vielen Dank für euer Feedback! Gut zu wissen, daß auch die eher technischen Themen gelesen werden. 🙂

  8. LH: „Und noch eine Sache, von der ich nicht weiß, obs an euch oder an den Anbietern der BibTeX-Daten liegt: Der Karlsruher OPAC hat auch eine BibTeX-Ausgabe, aber aus Gründen die mir bisher unklar sind bricht euer Bookmarklet beim Importieren mit eine Fehlermeldung ab.“

    Man könnte sagen: an beiden 🙂
    Zum einen fehlt in Karlsruhe ein korrekter BibTeX-Key.
    Zum anderen sieht das Javascript dafür scheinbar keine korrekte Parse-Funktion vor und motzt.
    Man kann es testen, indem man die Ergebnisseite aus Karlsruhe abspeichert und im Quelltext einen Key vergibt, z.B. so:

    @book {lessig2006,
    author = {Lessig, Lawrence}, …

    anstelle von

    @book {
    author = {Lessig, Lawrence}, …

    Umgekehrt funktioniert auch GS nicht mehr, wenn man da den Key rausnimmt.
    Vielleicht mal die Bibsonomisten anschreiben, ob sie da auch ohne Key korrekt parsen könnten? Sollte eigentlich kein großer Aufwand sein für die.
    Ansonsten ein schöner Beitrag, ich schließe mich da jetzt wieder ganz untechnisch an 😎

  9. Hallo Daniel, danke für den erhellenden Hinweis! Öber den BibTeX Cite Key scheint man bei BibSonomy tatsächlich die Datensätze zu identifizieren. Gute Idee eigentlich – hat allerdings den Haken, daß die Dienste, die im Gegensatz zu Karlsruhe überhaupt einen Key anbieten, völlig unterschiedliche Keys generieren. Stichprobe mit Lessigs Buch von 1999, Code and Other Laws of Cyberspace: Google Scholar nennt es „lessig1999cao“ (sehr nachvollziehbar) und die Karlsruher Bibliographies nennen es „les99“ (naja, geht so). Der Bielefelder OPAC, das ACM-Portal und CiteULike versuchen gar nicht erst nach einer nachvollziehbaren Regel vorzugehen, sondern vergeben gleich interne Datenbank-IDs, „555000“, „citeulike:168540“ etc.
    Gibt es dafür denn eigentlich keine anerkannte Regel?

  10. Nö, für BibTeX-Keys gibt’s keine Regel. Das würde wohl auch nur schwerlich funktionieren, klappt ja selbst bei Bibliothekaren nicht immer so mit den Regeln (vom Tagging ganz zu schweigen) :mrgreen:

    Bibsonomy hat insofern Recht, als ein BibTeX-Satz ohne Key eigentlich sinnlos ist: man kann ihn mit LaTeX ja nicht zitieren.
    Wenn man BibTeX innerhalb von LaTeX benutzt, muss man eben immer wissen, woher man seine Referenzen abholt. Irgendwelche Regeln machen da eigentlich auch wenig Sinn: entweder man hat eine bibliographische Angabe, oder nicht.

  11. Vom Karlsruher OPAC wird nun ein korrekter BibTeX-Key erzeugt! Vielen Dank für die Anregung hierzu aus Kassel.

  12. Vielen Dank für eure Reaktion! Schöne, unverwechselbare, aussagekräftige Keys, die ihr da jetzt anbietet! 🙂

  13. Pingback: geloggd » Literaturverwaltung im Web2.0

  14. Ich bitte um freundliche Aufmerksamkeit für den obenstehenden, sehr interessanten Trackback:
    Alexander Filipovic spielt mit dem Gedanken, für seinen Lehrstuhl an Stelle neuer Citavi-Lizenzen webbasierte Dienste zu benutzen, oder beides ergänzend. Nicht unspannend, die Praxistauglichkeit dieser zwar kostenlosen aber eben auch noch sehr jungen Dienste mit derjenigen von etablierter PC-Software zu vergleichen. Ich gehe davon aus, das wir von Fragen dieser Art in der nächsten Zeit noch häufiger hören werden. Der möglicherweise anstehende Öbergang von PC- zu webbasierter Literaturverwaltung war ja beispielsweise schon in den Papieren von Rauch und Hobohm Gegenstand, die ich hier vor anderthalb Monaten mal erwähnt hatte.
    Filipovic verweist zudem auf ein vielversprechendes Weblog, daß ich noch nicht kannte: Michael Kerres bloggt. Allen, die sich schon einmal näher mit E-Learning beschäftigt (und dabei keinen weiten Bogen um die deutschsprachige Fachliteratur gemacht) haben wird der Namen sicherlich geläufig sein. Auch Michael Kerres denkt über Citavi und mögliche Alternativen nach.

  15. Ebenfalls über BibTeX export und Import verfügen alle Bibliographie die mit WIKINDX (siehe auch erstellt wurden (z.B. die Wiki Research Bibliography ). Natürlich lasssen sich auch alle Eintrage des Literaturtagging Dienstes CiteUlike in BiBTeX exportieren.

  16. Hallo Patrick, und vielen Dank für die Ergänzung! CiteULike hat im Zusammenhang mit BibTeX hier noch gefehlt. Und ein eigenes großes Thema, was wir bei netbib erst vereinzelt hatten, aber noch nicht als Öberblicksthema, ist bibliographische Datenbanksoftware mit Web-Oberfläche und -Serviceschnittstellen.
    Auch wenn man es auf Open Source beschränkt und auf Software, die unbedingt BibTeX unterstützen muß, sind mir ausser Wikindx noch ein paar weitere über den Weg gelaufen: docarc, refbase, openacademia, zNote (Zope-basiert), und evtl. könnte man auch UniWakkaWiki dazu zählen. Hm, sollte man bei Gelegenheit vielleicht mal ne Tabelle im Wiki drüber anlegen? Bibliographische Web-Datenbanken-Software ist wohl nicht Wikipedia-Artikel würdig, oder? Oder macht man ein Wikibook draus, das bei Gefallen dann um weitere Typen bibliographischer Software erweitert werden kann?