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Wozu ein Metaversum?

Jon Udell befaÃ?t sich in einem lesenswerten Blogposting mit Screencast kritisch mit Second Life (SL). Das aufgezeichnete Ereignis ist der Besuch einer Party innerhalb der SL-World, zu der er von IBM eingeladen worden war. An der Party sei einerseits erneut der Stand der Kolonisierung von SL durch kommerzielle Unternehmen abzulesen, und andererseits, daÃ? man die Entdeckung wirklich nützlicher Anwendungen für virtuelle 3D-Welten (Metaversen) noch vor sich habe. Udell zieht hier einen interessanten Vergleich zur ebenfalls schrittweise stattgefundenen Entdeckung der Anwendungen des World Wide Webs.

Dem möchte ich allerdings hinzufügen, daÃ? Spielehersteller Linden Lab SL erst 2003 veröffentlicht hat, und die Geschichte des Webs sich hier nicht nur einfach wiederholt. So steht in SL allen Teilnehmern eine einfache Programmiersprache (LSL) zur Verfügung, mit der eigene Objekte und Anwendungen konstruiert werden können. Unterstützt werden dabei auch kollaborative Funktionen für die Zusammenarbeit in Gruppen. Ich behaupte daher, daÃ? hier ein wesentlicher Teil der Web-Geschichte reflektiert und in die Konstruktion von SL eingegangen ist: Das partizipative Web der vielfältigen Anwendungen, der Remixe und Mashups bestehender Anwendungen sowie der kleinen und groÃ?en Netzwerke, dem O’Reilly den Markennamen Web 2.0 gegeben hat.

Und nun wird es richtig kompliziert: Mit Systemen wie SLurl existieren bereits erste Mashups zwischen der Internet-Anwendung SL und dem Web. Wenn ich einen Tipp abgeben sollte, wo die von Jon Udell thematisierte Suche nach ‚wirklich nützlichen‘ Anwendungen eines Metaversums fündig werden könnte, dann ist es die Sphäre der Web/SL-Mashups. Aber das ist mehr eine vage Vermutung, ich bin kein engagierter Computerspieler, und auch bei den kultur- und informationswissenschaftlichen Diskussionen über Metaversen fühle ich mich eher als Zaungast. (Ceterum censeo: Jede gröÃ?ere Bibliothek sollte einen Bibliothekar beschäftigen, der engagiert spielt und Welten wie Second Life wie seine Westentasche kennt.)

Ausserdem, aber das nur am Rande, frage ich mich, ob Metaversen wie SL sich nicht vor allem als Stichwortgeber und Vorläufer populärer Augmented Reality-Systeme entpuppen könnten. Die Bedeutung dieses Themas ist mir durch den Science Fiction-Roman Rainbow’s End von Vernor Vinge sowie durch eine Zeitungsanzeige von BMW für Autos mit Head up-Displays klar geworden. Ich möchte jetzt schon mal alle netbib-Leser und -Autoren bitten, hier bescheid zu geben, sobald Bücherregale entwickelt werden, die nützliche Informationen über die enthaltenen Medien ins Blickfeld einstreuen. 😉

P.S. Ich mag die neue Tags- und die Related Entries-Funktionen hier – allein schon deshalb, weil sie mir die Arbeit abnehmen, auf die anderen netbib-Beiträge über SL hinzuweisen.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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