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netbib-Frauentag: Satz mit x?

Ein wenig befürchtet habe ich sie schon, die schwache Resonanz auf den „Call for postings“ zum Netbib-Frauentag. Und wie die Diskussion zu dem Aufruf gezeigt hat, gibt es auch gute Gründe zum Nicht-Mitmachen: Ist eine solche Quotierung überhaupt noch zeitgemäÃ?? Ob es besser gewesen wäre, Frauen und Männer dazu einzuladen, an diesem Tag in netbib darüber über das Gender-Thema zu schreiben? Hätten wir also lieber einen Gender-Mainstreaming-Tag veranstalten sollen?

Aber dann gleich die nächste Frage: Würden sich daran mehr Frauen als beim heutigen Frauentag beteiligen? Einige Antworten auf die Frage nach Gründen für weibliche Zurückhaltung in den Kommunikationsforen des Internet sind in einer schon etwas älteren Studie von Susan Herring mit dem Titel „Gender differences in computer-mediated communication“ enthalten. Herring hat ermittelt, dass der oft kritisierende, distanzierende oder gar lächerlich machende Kommunikationsstil von Männern abschreckend auf Frauen und ihre Bereitschaft zur Beteiligung an den Diskussionen in Internetforen, Mailinglisten und Weblogs wirkt.

Verkürzt gesagt: Wenn die Jungs poltern, bleiben die Mädchen lieber still. Und wenn ein Mädchen sich doch vorwagt, um dem Gepolter ein Ende zu setzen, dann setzt es unter Umständen noch mal extra was, wie in der INETBIB kürzlich zu beobachten war. Nicht so leicht, sich da unter Umständen sogar gegen professorale Autorität mit dem Wunsch nach etwas zarteren Kommunikationsstilen zu behaupten – und vielleicht eine Erklärung für die männliche Dominanz selbst in unseren bibliothekarischen Foren, wo die Frauen als Leserinnen in der Mehrheit sind. Noch schwieriger wird es, wenn es dann auch noch um „männliche Themen“ wie Technik, Programmierung und Co. geht -aber zum Glück ist das Hype-Thema Bibliothek 2.0 ja im Grunde kein technisches!

Kämpferischer Schlusssatz dazu von einem Mann, der sich ebenfalls mehr weibliche Stimmen Macht in digitalen Bibliotheken wünscht. Roy Tennant, User Services Architect der California Digital Library schreibt:

We need women in digital library positions. We need their unique perspective and their civilizing influence on the boy’s club that many library systems units, professional events, and online forums have become. But more than that, we need their talent.

11 Kommentare

  1. Tut mir leid, aber ausgerechnet eine weinerlichen Boykottaufuruf wegen einer gerechtfertigten Fundamentalkritik an einer Dissertation als Beispiel für ein mutiges Mädchen heranzunehmen, halte ich für recht verfehlt.

  2. Aber das Problem sehe ich schon auch. Wieso tun sich Frauen offensichtlich zumindest in Fachkontexten so schwer damit, etwas meinungsfreudiger zu schreiben oder meinetwegen polemischer? Vielleicht liegt es an der in Deutschland gegenüber den USA völlig mangelhaften Diskussionskultur in den Schulen und Universitäten („Debating Teams“ kennen wir ja doch nur aus Highschool-Fernsehserien)? Wo sich aufgrund mangelnder Rahmenbedingungen dann eher der lautere Redner durchsetzt anstatt das bessere Argument?

  3. Tja, da haben wir ja gleich noch eine schöne Illustration den „kritisierenden, distanzierenden oder gar lächerlich machenden Kommunikationsstil“ 😉 Nicht falsch verstehen: Ich kann das schon nachvollziehen, dass man(n) einander gern auf diese Weise herausfordert und daran wachsen kann – mein Punkt ist aber, dass diese Herausforderung auch anders klingen kann. Sie sollte es zumindest dann, wenn man Wert auf Partizipation im allgemeinen und weibliche im besonderen legt. Finde ich jedenfalls.

  4. Wieso tun sich Frauen offensichtlich zumindest in Fachkontexten so schwer damit, etwas meinungsfreudiger zu schreiben oder meinetwegen polemischer?

    Ich glaube, wir Frauen sagen einfach mit weniger mehr.
    Das fällt mir auch in der Inetbib auf: Mails von Frauen sind mehr auf Inhalt und Mitteilung ausgerichtet, Männern ist es wichtiger ihre eigene Meinung kund zu tun. Ergebnisse kommen dabei auch nicht unbedingt heraus. Als Paradebeispiel dazu dient die gerade laufende Google-BSB-„Diskussion“.

  5. Mein Eindruck ist jedenfalls, daß ein reiner „Call for Postings“ nicht ausreicht – eine Barriere ist da, warum auch immer, woraus auch immer sie genau besteht, also muß man sie so niedrig wie möglich halten.

    Vielleicht – so habe ich es im Genderblog versucht – hilft es, Frauen direkt anzuschreiben und um einen Beitrag zu bitten. Bei uns sind es so immerhin sechs Texte geworden, die heute im Lauf des Tages erscheinen.

    Wie wäre es im nächsten Jahr (oder zu einer anderen Gelegenheit) mit einer kleinen Kooperation?

  6. Vielleicht ist der geschlechtsspezifisch unterschiedliche Anteil an Diskussionen auch darin begründet, dass Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind, auch im Bibliothekswesen. Das Äußern von (polemisierenden) Meinungen fällt umso leichter, je höher die eigene Hierarchiestufe ist – es gibt dann wenig(er) Befürchtungen, deswegen berufliche Nachteile zu erleiden.

    Zum Thema Inetbib ist mein Eindruck, dass die Vielschreiber dort, egal ob Frau oder Mann, nicht repräsentativ für die Angehörigen des Berufsstandes sind.

  7. Noch schwieriger wird es, wenn es dann auch noch um “männliche Themen” wie Technik, Programmierung und Co. geht -aber zum Glück ist das Hype-Thema Bibliothek 2.0 ja im Grunde kein technisches!

    Ach herrjeh. „männliche Themen“. Da ist ja trotz aller Emanzipiertheit immer noch ein Stereotyp tief verwurzelt. Eine eher anekdotische Theorie: Vielleicht schreckt ja auch der (historisch bedingt meist von Männern) einprogrammierte Kommunikationsstil von Informationstechnologie, der unverzeihlich Fehler bestraft und überaus sparsam mit Hinweisen auf die Fehlerquelle ist, hier etwas ab 🙂

  8. Mir persönlich ist der NetBib-Frauentag erst gestern Abend wieder eingefallen – und da war es für eine Beteiligung schon zu spät. Vielleicht sind Frauen also einfach nur beschäftigter als Männer und weniger auf Selbstdarstellung bedacht? Eigentlich lasse ich die anderen ganz gerne reden und „frickel“ im Hntergrund noch ein bisschen man meinem Lieblings-PlugIn herum 😉

  9. Diese schöne Zeichnung zum Tag soll hier nicht unerwähnt bleiben… passt irgendwie, aber wie immer stimmt auch das Gegenteil: http://ahoipolloi.blogger.de/stories/720994/

  10. Pingback: Genderblog

  11. Nun noch ein kleiner Nachtrag: Passend zum Tag der Frau berichtet das spanische Weblog blog.sedic.es (http://blog.sedic.es/?p=245) über die „biblioteca de mujeres“, die Frauenbibliothek, in Madrid. Diese Bibliothek von, für und über Frauen ist mit ihren 19.000 Bänden zur Zeit auf der Suche nach einer Unterkunft. Die Website findet sich hier: http://www.mujerpalabra.net/bibliotecademujeres/index.htm