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„…darüber hinaus kann ich darauf nicht näher eingehen“ – Griebel im Interview über Open Access

Auf die Frage des Interviewers über Googles Massendigitalisierung an der Bayerischen Staatsbibliothek (Peter Mühlbauer, Telepolis 09.03.2007, „Da kann ich Sie beruhigen“):

Und kann die Staatsbibliothek dann auch mit der eigenen digitalen Kopie machen was sie will, oder gibt es dann potentielle Einschränkungen?

antwortet der Bibliotheksdirektor

Dr. Griebel: Also ich würde es positiv so beantworten: wir können das, wie gesagt, im Open Access Gedanken zur Verfügung stellen, das wird auch weiterhin der Fall sein, darüber hinaus kann ich darauf nicht näher eingehen. (…)

Ich interpretiere Herrn Griebels Antwort so: Die Bayerische Staatsbibliothek hat sich

  1. vertraglich darauf festlegen lassen, die Indexierung durch kommerzielle Konkurrenten Googles zu unterbinden sowie
  2. dieses und weitere Details des Vertrags geheimzuhalten.

Also werden Googles Digitalisate aus den BSB-Beständen keineswegs unter Open-Access-Bedingungen zur Verfügung stehen. Eine unbeweisbare Verdächtigung, die ich hier ausspreche, gewiÃ?. Wenn demnächst jemand anhand einer Yahoo-Suchanfrage demonstrieren kann, daÃ? dort Text aus einem beliebigen Münchener Google-Digitalisat im Volltext indexiert und auffindbar ist, gestehe ich gerne zu, mich geirrt zu haben.

Um MiÃ?verständnisse zu vermeiden: Mein Hinweis ist alles andere als Prinzipienreiterei. Freie Indexierung, Weiterverarbeitung, automatisierte ErschlieÃ?ungsmethoden etc., in der Sprache der OA-Erklärungen von Bethesda und Berlin derivative works, auch durch kommerzielle Diensteanbieter zuzulassen ist eine Nagelprobe, die darüber entscheidet, ob Open Access sein volles Potential entfalten kann oder nicht.

DaÃ? auch groÃ?e kommerzielle Akteure zur Massendigitalisierung unter OA-Bedingungen fähig und willens sind zeigt das Beispiel der Open Content Alliance, deren Aktivitäten zu verfolgen das netbib weblog nicht müde wird.

P.S. Ein vollkommen unironischer Nachsatz zu diesem neuen Projekt von Google und BSB: Das ist eine tolle, längst überfällige Sache, von der die Informationsbenutzer, die BSB und viele andere deutsche Bibliotheken spürbar profitieren werden!

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

Ein Kommentar

  1. Wie kann man denn allen Ernstes davon ausgehen, dass jemand wie Griebel Open Access kapiert??? OA heisst kostenfrei, basta.