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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Communities: Wo sich mitmachen lohnt

Zugegeben: Trotz aller Linksammelei zum Thema bin ich mit SecondLife noch nicht recht weitergekommen. Die Tipps, wie ich mit meiner nicht mehr taufrischen Grafikkarte einen netten Abend im virtuellen Paralleluniversum verbringen kann, habe ich auch noch nicht ausprobiert. Aber gucken, was die Biblio-Blogosphäre dazu zu sagen hat, tue ich dennoch, und bin dabei auf ein Post von Walt Crawford gestoÃ?en. Der macht nämlich ein paar interessante Rechenspielchen und kommt dabei darauf, dass sich in SecondLife nur der sechste Teil eines Prozentes (!) der Benutzer dortselbst tummelt und also auf diesem Weg von Bibliotheksangeboten in SecondLife erreicht werden kann.

Dazu passt der Hinweis von medinfo auf MySpace for Scientists – vielleicht der lohnendere Ort für Bibliotheken, sich über die Communities an die Zielgruppe heranzupirschen? Meredith Farkas hat zur grundsätzlichen Frage der bibliothekarischen Beteiligung an Netzwerken wie MySpace, Facebook (und für Deutschland StudiVZ) schon im Herbst 2006 einen schönen Post mit vielen Links geschrieben, und auch die Diskussion dazu ist interessant. Fazit: Bibliotheken sollten keine Chance ungenutzt lassen, auf sich und ihre Dienste hinzuweisen – und zwar dort, wo sich die Zielgruppe eben aufhält. Und auch für die Art, wie Bibliotheken dort Präsenz zeigen sollen, gibt es Vorschläge: Nicht nur mit bloÃ?en Links auf OPACs und Datenbanken, sondern mit möglichst interaktiven Angebote wie Wunschlisten oder Diskussionsseiten für einzelne Titel:

I think there is a big difference between â??being where our patrons areâ? and â??being USEFUL to our patrons where they are.â?

4 Kommentare

  1. Mein Tip für eine Community, in der Bibliotheken schnell, einfach und billig die Öffentlichkeit, insbesondere bibliotheksunerfahrene Nochnichtbenutzer, erreichen können, mag langweilig klingen, ist aber ganz ernst gemeint: Wikipedia.

    Z. B. erschienen auf den Volltextservern der deutschen Bibliotheken immer wieder Dissertationen, die durchaus als Referenz über ein Thema (etwa bei Künstlermonographien oder als einzige Monographie über ein literarisches Werk) gelten dürfen. Warum Bibliotheken diese Texte mit aufwendigen Metainformationen versehen, um sie dann sang- und klanglos in der Versenkung des Dissertationsservers verschwinden zu lassen, will mir nicht so recht einleuchten. Das Einfügen eines Links bei Wikipedia oder in anderen Wikis dauert 1 Minute, und das Werk ist sofort unvergleichlich viel präsenter im Netz, erscheint dann sogar oft beim Anklicken des ersten Google-Treffers bei einer entsprechenden Suche.

    Bei sehr spezialisierten Dissertationsthemen, wie sie z. B. in den Naturwissenschaften vorherrschen, ist natürlich zu entscheiden, ob die Texte in ihrer Thematik allgemein genug gehalten sind, um die Literaturhinweise eines Enzyklopädieartikel wirklich zu bereichern. Aber wenn man z. B. deutlich auf das aktuelle Literaturverzeichnis hinweist (das eine Dissertation ja hoffentlich immer aufweist), sind sicher auch spezialisiertere Texte dort willkommen, solange die Artikel nicht überfrachtet werden. Vielleicht reicht ja auch der Hinweis auf ein einziges solches Werk in einem Artikel, um intelligente Nutzer auf die Idee zu bringen, mal einen Volltextserver zu besuchen und solche Werke selbst zu finden. Ich habe schon hunderte von Links zu Volltexten und Digitalisaten in Wikipedia-Artikel eingefügt (meist unter „Literatur“), und habe bisher keine Klagen gehört. Ich hoffe im Gegenteil, dass das für viele unerfahrenere Internetnutzer (z. B. Schüler) der erste Kontakt zu einem Volltextserver oder überhaupt zu einer Dissertation sein kann. Wenn einmal ein Link nicht so gut passt, findet sich schnell ein anderer Wikibenutzer, der ihn wieder entfernt, und das ist dann auch nicht weiter schlimm.

    Weitere Beispiele: Links auf Digitalisate mit Werkausgaben sind hochwillkommen in den Artikeln über Autoren und Werke, Links auf spezialisierte Datenbanken sind hochwillkommen in entsprechenden Artikeln zum Thema.

    Auch das Deep Web kann man den Nutzern nahebringen: ein Link auf eine Datenbank oder einen OPAC zusammen mit der Kurzerläuterung einer Suchstrategie hilft sicher auch, Berührungsängste zu Biblotheksangeboten zu verringern (Beispiel: „[Link VD 17] – Suche nach „Buchhandelskatalog“ ergibt zahlreiche Treffer, darunter einige vollständige Digitalisate“. Das habe ich kürzlich in der Seite http://de.wikisource.org/wiki/Buchhandel eingefügt. Ich denke, es ist sinnvoller, als nur allgemein auf VD 17 zu verlinken, oder mangels Spezifität den Link einfach ganz wegzulassen.)

  2. Bei Wikipedia-Einträgen zu Personen gibt es ja schon immer den Link in den DNB-OPAC zu „Literatur von und über diese Person“. Ich weiß gar nicht, wer das eingerichtet hat? Ist das händisch gemacht worden? Vielleicht müsste man mal überlegen, wie Automatismen zum Einbau von entsprechenden Links auch für Sachthemen aussehen könnten. Denn ich stimme AndreasP zu, dass die bibliothekarische Präsenz in der Wikipedia (an die ich beim Schreiben des Posts nicht im Sinne einer „Community“ gedacht habe) ebenfalls eine lohnenswerte Sache ist. Dass Dissertationsserver aber unbeachtet vor sich hindümpeln, kann ich für den der Stabi Hamburg nicht bestätigen – die Zugriffszahlen sind jedenfalls sehr gut.

  3. Anne: Lektüretipp zur Wikipedia-Kooperation:
    Christel Hengel u. Barbara Pfeifer: „Kooperation der Personennamendatei (PND) mit Wikipedia“. In: Dialog, Jg. 17, H. 3 (2005): S. 18-24 (Kopie des Artikels liegt auf meinem Schreibtisch, kannst du dir gern nehmen 😉 ), oder ich leihe ihn dir aus, nach dem Bib.-Kongress.

  4. Vgl. auch hier, hier und für vieles nähere und weitere hier.