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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Are you a librarian 2.0 already?

Unter diesem Titel hat Sibylle Volz (KOBV, Bereich Scientific Computing) eine gelungene Einführung ins Thema „Bibliothek 2.0“ für den aktuellen Newsletter for MetaLib and SFX der europäischen ExLibris-Anwendervereinigung igelu verfaÃ?t. (Link zum PDF, dort Seite 19.) Mir gefällt die Schwerpunktsetzung ihrer Einführung. Weblogs sind der erste Schwerpunkt, danach postuliert Sibylle Offenheit als das treibende Prinzip der Library 2.0 und beschreibt das anhand der revolutionären Veränderung durch Social Tagging im Bibliothekskatalog. Ã?berrascht war ich allerdings von dem breiten Raum, den dann Second Life als drittes Thema des kurzen Artikels einnimmt. Immerhin verleiht das dem Artikel eine nett anzuschauende Bilderstrecke. 🙂

Passend hierzu: Ben Kaden schlägt in seinem Weblog eine neue Wikipedia-Definition der Bibliothek 2.0 vor.

Sein Entwurf ist quasi ein Request for comments, aber mir scheint offensichtlich zu sein, daÃ? seine Formulierung bereits jetzt besser und präziser als die derzeitige Fassung in der Wikipedia ist. Mir fehlen allerdings in beiden Definitionen noch Konzepte wie selbstgesteuerte Praxis und selbstgesteuertes Lernen, Gemeinschaftlichkeit und Dezentralität, Technology Stewardship bzw. Leadership – sowie Offenheit.

Was für mich Bibliothek 2.0 ausmacht würde ich etwa so formulieren:

Bibliothek 2.0 geht von Benutzern aus, die

  • autonom mit Informationen umgehen,
  • selbstgesteuert lernen und
  • sich untereinander austauschen.

Die Rolle der Bibliothek ist es, die jeweilige Informationspraxis der Benutzer und ihrer Gemeinschaften durch passende Dienste und Werkzeuge zu unterstützen, sie zweckmäÃ?iger und angenehmer zu gestalten. Für die Bibliothek ist es daher erforderlich, daÃ? Informationen, Metainformationen und Informationsdienste ihren Benutzern in möglichst jeder Hinsicht frei zur Verfügung stehen.

Das war persönlich-programmatisch gesprochen, in einem Lexikon müÃ?te das natürlich neutral formuliert werden. Zudem müÃ?te der letzte Satz relativiert werden. Ich finde es zwar offensichtlich, daÃ? man autonome und sich selbst vernetzende Benutzer nur dann und insoweit unterstützen kann, wie ihnen das Material und die Werkzeuge ihrer autonomen und vernetzten Arbeit frei zur Verfügung stehen. Bibliothekare, die ihre Aufgabe so sehen, werden sich naheliegenderweise auch als Lobby für die Freiheit des Internets, freie Webdienste, freie Metadaten, Open Access oder Open Data organisieren. Aber: Dieser Zusammenhang wird bei weitem nicht von allen geteilt. Stephen Abram oder z.B. auch die Kollegen von ALA TechSource, deren Beiträge zum Thema Bibliothek 2.0 ich nicht missen möchte, äuÃ?ern sich auffallend sparsam zum Thema Open Access, bzw. sie äuÃ?ern sich halt gar nicht dazu.

AbschlieÃ?end – passend zum Wochenende vor der bevorstehenden Hektik des Bibliothekskongresses – möchte ich noch einen Cartoon aus dem besprochenen igelu-Newsletter wiedergeben:

Where Do You Think You're Going, Mister!?

Ist natürlich ganz witzig, aber ich finde im Ernst, daÃ? man die Rolle der Weblogs für diese ganze Bibliothek-2.0-Geschichte gar nicht hoch genug einschätzen kann. Wie man zum Bibliothekar 2.0 wird, in einem Satz? Fang‘ ein persönliches Weblog an, schreib‘ über die Themen, die dich beschäftigen, und nimm das Gespräch mit allen Gemeinschaften auf, die sich ebenfalls mit diesen Themen beschäftigen, seien das Benutzer, Kollegen oder andere!

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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