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Post-blog stuff

Anders als noch vor einem Jahr scheint die Zahl der Weblogs weltweit heute nur noch langsam zu wachsen – falls sie überhaupt noch wächst. (Vgl. David Sifry, The State of the Live Web, April 2007, und dort insb. die Grafiken New Blogs per Day und Daily Posting Volume.) In Deutschland und auch in einigen anderen Ländern dürfte die Zahl der Weblog-Autoren und -Leser zwar immer noch zunehmen, was allerdings nationalen Besonderheiten geschuldet ist: Die Ã?ffentlichkeit ist hier immer noch dabei, dieses Medium überhaupt zu entdecken. In der englischsprachigen Welt sieht es bereits anders aus. Heather Green hat im BusinessWeek-Weblog Blogspotting auf den Punkt gebracht, woran das liegen wird:

(Blogging) growth is plateauing.

The reason? Though social media is going strong, one particular form of it, blogging, simply might not be for everyone.

Thomas Purves führt diesen Gedanken in seinem Weblog medientheoretisch aus:

With every new media you have to consider, what does it obsolesce? If you think about, facebook and Social presence, it has to be killing blogging, especially the sort of casual/social bogs just read among friends. Facebook just does that so much better.

Um die These vom „Veralten des Bloggens“ zu untermauern verweist er auf einen hübschen Beitrag von Bruce Sterling. Blog-Beiträge schreiben und veröffentlichen zu können wird Sterling zufolge zu einem Feature unter vielen, aber mit dem „post-blog stuff“, den neuen Werkzeugen und Plattformen der Social-Software-Welt, ist noch vieles mehr möglich:

Are MySpace areas „blogs“? Are Ning social-network sites „blogs“? They’ve got old-skool blogging capacity built into them. As a minor feature. (…)

We’re seeing individuals and groups and peer-production networks moving into 2.0 platforms that get a lot done socially, politically, industrially, whatever — we haven’t named those enterprises yet. If you showed that stuff to weblog pioneers in 1998, do you think they would have said: oh look: another weblog? No way.

(There) won’t be blogs around in ten years. There will be post-blog stuff. Megatons of crucial, important stuff. Just not „blogs.“

In den Kommentaren zu dem oben zitierten Weblog-Beitrag von Thomas Purves hat sich übrigens eine interessante kleine Diskussion darüber entwickelt, was am Usenet bereits besser war als an der Blogosphäre. Der Autor räumt ein:

Blogs make for a better pulpit than they do a forum. (…)

Sure, if we all have blogs, we can all shout to each other from our pulpits. But thatâ??s hardly ideal.

I donâ??t think usenet such as it is (was) is the answer, but it had some/many subtle merits.

the post-blog, as it obsolesces blogs, should retrieve what was lost in usenet, in terms of coherent, centralized discourse.

Fassen wir zusammen: DaÃ? die Blogosphäre nicht weiter wächst heiÃ?t nicht so sehr, daÃ? das Bloggen „aus der Mode“ gekommen wäre. Es bedeutet vielmehr, daÃ? neue Plattformen entstehen (z.B. Nischen-Netzwerke, Social-Bookmarking-Dienste oder Twitter), die einerseits bestimmte Funktionen für ihre Benutzer(-gruppen) besser erfüllen als ein Blog, in denen andererseits „das Bloggen“ oft irgendwie auch vorkommt, obwohl es sich nicht in erster Linie um Blogs handelt.

Aber was bedeutet das für uns? Die Social-Software-Landschaft wird immer unübersichtlicher. Neue Dienste entstehen in so rascher Abfolge, daÃ? man kaum damit hinterherkommt, passende Gattungsnamen zu finden. Dabei entstehen massenhaft Dienste, die immer speziellere Bedürfnisse bedienen, und auch die Menge der potentiell nützlichen Verbindungen wächst exponentiell. Community Technology Stewardship – latente Bedürfnisse bestimmter Communities von Informationsbenutzern zu erfassen, passende Werkzeuge und Plattformen zu finden, bei deren Einführung voranzuschreiten, sie richtig zu konfigurieren und den Zyklus der Bedarfs-Evaluation erneut zu beschreiten – bleibt angesichts dieser Entwicklung eine spannende Herausforderung, so viel ist sicher.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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