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Drei mal Neues über Google Scholar

Gut, die ersten beiden Sachen sind streng genommen gar nicht neu – zumindest nicht für diejenigen, die aufmerksam IBI Weblog bzw. medinfo lesen.

  1. Es gibt eine sehr interessante Untersuchung von Philipp Mayr und Anne-Kathrin Walter über Google Scholar (GS). Ich kenne keinen vergleichbaren Versuch, mit einer so breit gefächerten und groÃ?en Stichprobe herauszufinden, was von einem Suchdienst dieser Art zu halten ist. Die AutorInnen betonen, daÃ? ihre Ergebnisse streng genommen nur etwas über GS auf dem Entwicklungsstand von Januar 2007 aussagen. Das ist gut zu wissen, angesichts der rapide vorgenommenen, kleinen Veränderungen, die für Googles Stil bei der Entwicklung seiner Webdienste typisch sind, und angesichts der groÃ?en Ã?nderungen, die sich derzeit vollziehen (s.u.). Open-Access-Journals (von Philipp und Anne-Kathrin identifiziert anhand von DOAJ) sind der Untersuchung zufolge bei GS unterrepräsentiert, manche Ergebnisse sind nicht sehr aktuell, und nach wie vor gilt das alte Manko der unklaren Quellen, über die sich die Suche erstreckt. Fairerweise, da hier ja gerne, meistens zurecht, Drittmittel-Projekte kritisiert werden: Die Untersuchung ist als BMBF-Forschungsprojekt finanziert worden.
  2. In diesem August konnte Google Scholar einen entscheidenden Minuspunkt, den der Dienst über Jahre mit sich herumschleppte, ausbügeln: Reed Elsevier läÃ?t GS jetzt seine ScienceDirect-Journals indexieren. In meinen Augen ändert das nicht nur etwas am Gebrauchswert von GS im STM-Bereich. Es ist zugleich auch ein Zugeständnis einer der groÃ?en Marktakteure an die Machtposition, die Google nun auch in diesem Sektor der vertikalen Suche erreicht hat. Man scheint nicht mehr daran zu glauben, mit Scirus/Scopus dagegen halten zu können.
  3. Nun aber zu den echten Neuigkeiten. Barbara Quint hatte in den NewsBreaks von Information Today heute erneut interessantes zu berichten; diesmal hat sie Google-Scholar-Leiter Anurag Acharya interviewt. Sie kommentiert den sehr zurückhaltenden Kommunikationsstil Acharyas, und passenderweise erfährt man hier erstmals von Google Scholars eigenem Zeitschriften-Digitalisierungsprojekt, das keineswegs identisch ist mit demjenigen von Google Book Search (GBS). Es sei ein kleines Programm, sagt Acharya. â??We mainly look for journals that would otherwise never get digitized. Under our proposal, we will digitize and host journal articles with the provision that they must be openly reachable in collaboration with publishers, fully downloadable, and fully readable.“ Interessant daran ist nicht nur, daÃ? Scholar demzufolge unter anderen Bedingungen und mit anderen Zielen als GBS selbständig scannt, sondern daÃ? viele GBS-Digitalisate bei GS nicht einmal in die Suche mit einbezogen werden. Barbara Quint gibt es in ihren Worten so wieder: „Google Book Search has masses of back issues of journals digitized, as the bound volumes of periodicals come into the program from the stacks of its library partners. However, the metadata that Google Scholar needs to identify specific articles in specific issues does not exist and, at least for now, Acharya has no plans to create it. Searchers will have to remember to make a second search in Google Books, particularly for older journal content. However, scholarly book citations from Google Book Search do sometimes appear in Google Scholar search results.“

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

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