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EntityDescriber – Bindeglied zwischen Social-Bookmarking-Diensten und kontrollierten Vokabularen als Browser-Erweiterung

Die kanadischen Bioinformatiker Eddie Kawas und Benjamin Good beschreiben auf einer Seite im Connotea-Wiki ihre Browser-Erweiterung EntityDescriber (ED). Das Konzept ist einfach:

It lets Connotea users (though we may extend it to other systems such as Del.icio.us) annotate (tag) resources on the Web with terms from existing controlled vocabularies such as MeSH, the Gene Ontology, the Atom ontology, and the Person ontology. For more thoughts on and progress with ED, see blog posts about ED.

Wenn der Benutzer beim Bookmarken damit beginnt, einen Tag einzutippen, werden farblich hervorgehobene Vorschläge aus dem Vokabular der zuvor gewählten Terminologie eingeblendet, die mit den entprechenden Buchstaben beginnen. Durch die Verwendung einer anderen Farbe werden diese Vorschläge von den folksonomischen (d.h. auf eigenen Tags oder den Tags anderer Benutzer beruhenden) Vorschlägen unterscheidbar gemacht.

Wer möchte, kann alle mit dem Tool erzeugten Bookmarks zusätzlich in einer (öffentlich zugänglichen) Datenbank der ED-Entwickler hinterlegen.

Eine solche Browser-Erweiterung ist ein wichtiger Baustein zum SchlieÃ?en der Lücke zwischen dem Taggen durch Benutzer und der professionellen bibliothekarischen bzw. dokumentarischen SacherschlieÃ?ung mittels kontrollierter Vokabulare.

Das â??angereicherteâ?? Taggen bietet den Informationsbenutzern mehrere direkte und indirekte Vorteile:

  1. Taggen wird weiter vereinfacht, da Vorschläge für das Taggen von Informationsressourcen geliefert werden können, für die bisher keine Tags aus der Community der Informationsbenutzer vorliegen.
  2. Die Reichhaltigkeit der Tag-Vorschläge hilft bei der ErschlieÃ?ung von Ressourcen, die noch nicht von der Community entdeckt und durch ihre Folksonomies und Collabularies erschlossen worden sind. Sie regt insofern auch dazu an, den Blick stärker auf Ressourcen jenseits des â??Mainstreamsâ?? zu richten, wovon mittelbar auch die Community als Ganze profitieren könnte. (Dies läuft darauf hinaus, den am Web 2.0 oft kritisierten â??echo chamberâ??-Effekt abzumildern.)
  3. Eindeutige, präzise anwendbare Deskriptoren aus kontrollierten Vokabularen flieÃ?en in die Ressourcenbeschreibungen und das Collabulary ein und steigern möglicherweise deren Qualität. (Freilich wendet die Browser-Erweiterung nicht das Regelwerk an, nach dem die jeweilige Terminologie verwendet werden sollte.)
  4. Informationsbenutzer machen beim Taggen, obwohl es primär ihrem persönlichen Informationsmanagement dient, zwanglos Bekanntschaft mit dem kontrollierten Vokabular, das üblicherweise bei der ErschlieÃ?ung der Informationsressourcen in â??ihrenâ?? Themengebieten Verwendung finden. Dabei handelt es sich um eine informelle und selbstorganisierte Vermittlung von Informationskompetenz â??im Vorbeigehenâ?? â?? unabhängig davon, ob die Benutzer das Vokabular dann auch tatsächlich übernehmen.

Und grundsätzlich, nur zur Erinnerung: Die bibliographische Daten und Dienste in neuartigen sozialen Web-Anwendungen Dritter nutzbar zu machen ist kein Verrat an bibliothekarischen QualitätsmaÃ?stäben, sondern sorgt im Gegenteil dafür, dass die durch Bibliotheken verfügbar gemachten Informationen einem neuen Publikum und neuen Nutzungsarten zugänglich gemacht werden, in denen ihre Qualität sichtbar und konkret nützlich wird.

Lobenswert ist übrigens auch das Ziel der Entwickler, mit einem einzigen Open-Source-Werkzeug mehrere Terminologie-Datenbanken an mehrere Social-Bookmarking-Dienste anzubinden. M.E. wäre darüberhinaus auch eine Anbindung an andere Social Software denkbar und wünschenswert. Beispielsweise könnte man Fach- und Wissenschaftsbloggern die Verwendung kontrollierter Vokabulare erleichtern. So hat die Medizinbibliothekarin Rachel Walden vor einem Jahr in einem faszinierenden Beitrag in ihrem Weblog „Womens’s Health News“ geschildert, wie und wozu sie ihre Blog-Beiträge mit MeSH taggt.

ED habe ich übrigens auch durch eine Medizinbibliothekarin entdeckt. Sie bloggt und bookmarkt (sehr empfehlenswert) unter dem Pseudonym Ratcatcher.

Autor: Lambert Heller

Librarian 2.0, interested in knowledge management, publishing and communities on the web. Likes Open Access / Open Data. Hannover, Germany.

2 Kommentare

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