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Telepolis über Onleihe

Gerade von der jugendlichen Zielgruppe, die die Büchereien mit dem Angebot besonders ansprechen wollen, geht es weniger um Rechner, als um MP3-Player. Und da sieht das schon ganz anders aus: im Januar hatte der iPod 28 Prozent Marktanteil. Das heiÃ?t ungefähr ein Drittel der Bevölkerung kann diese Dateien nicht benutzen â?? praktisch für Microsoft, die Ende des Jahres den Musikplayer Zune in Deutschland auf den Markt bringen. Das ist der Karren, vor den sich diese vier Stadtbüchereien gerade dankbar haben spannen lassen. Die dazugehörige Karotte war, dass Microsoft sein DRM kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Wie aber verträgt sich das mit der Hauptaufgabe der Büchereien, der Grundversorgung aller Schichten der Bevölkerung mit Literatur und anderen Medien?

Zu bezweifeln ist dass die jugendliche Zielgruppe mit Klassik-Aufnahmen angelockt werden kann – die Telepolis erinnert zudem noch an die Tatsache, dass ausgerechnet die Stadt München vor einiger Zeit im Bereich der öffentlichen Verwaltung auf Linux migrierte…

17 Kommentare

  1. Bei aller Berechtigung der Kritik: Die Bibliotheken sind die falsche Adresse dafür. Diese haben momentan nur die Wahl zwischen disem Angebot oder keinem. Die Verlagsbranche wird sich mittelfristig auf nichts anderes einlassen.
    Das Schema „Microsoft böse“ – „Apple gut“ ist ein wenig zu simpel.
    Apples System ist genau so inkompatibel wie das von Microsoft, man müsste also alles doppelt vorhalten. Und dass ein Angebot nicht allen Büchereikunden zur Verfügung steht, ist auch nichts Neues. CDs und DVDs sind für Taube bzw. Blinde unbrauchbar und gehören trotzdem selbstverständlich zum Medienangebot.
    Sicher muss man die Erweiterung der Kompatibilität von der DiViBib AG einfordern. Für die Nutzbarkeit ist aber eine Erweiterung des Medienangebotes – vor allem in Richtung Popmusik und Hörbücher – viel entscheidender.

  2. Dann ist die Wahl doch klar: Kein Angebot! Warum sollte man so eine Fehlentwicklung unterstützen? Es geht doch gar nicht um einen Kampf zwischen Gut und Böse. Ein Bibliotheksangebot sollte auf allen Systemen genutzt werden können, wenn es vom Prinzip her möglich ist. Es handelt sich hierbei doch schließlich um eine gewollte technische Beschränkung. Sie ist also aus „Medienperspektive“ absolut unnötig.

    Das Argument mit den CDs, die von Hörbehinderten nicht genutzt werden können, zieht aus dem selben Grund nicht. Die Medien in der Onleihe könnten überall und von jedem Interessierten genutzt werden, wenn man nur auf dieses alberne DRM verzichten würde. Wenn die Verlage da nicht mitmachen wollen, dann eben nicht.

    Mein (etwas überspitzt formulierter) Eindruck: Bibliotheken müssen wirklich alles kaufen was von irgendwelchen Unternehmen angeboten wird, nur weil es modern klingt und es eine professionelle Produktpräsentation gab.

  3. Der Artikel von Herrn Sladek ist in hohem Maße tendenziös und polemisch. Ganz abgesehen von sprachlichen und logischen Ungereimtheiten werden auch Aussagen von Kollegen fehlerhaft zitiert:

    „Als könnte man die Tagesschau nur mit dem Fernseher empfangen, der die Sendung sponsort “

    Seit wann werden Sendungen von Fernsehern gesponsert? Wenn schon Vergleiche bemüht werden, dann sprachlich und logisch richtig formulierte.

    Wenn wir die 28% IPod-Nutzer ( von allen MP3 PLayern-Nutzern) nicht bedienen können , dann ist die Vermutung , dass wir ein Drittel der Bevölkerung ausschliessen mehr als gewagt und spricht nicht gerade für die journalistischen Qualitäten dieses Artikels.
    Die Behauptung dass Apple 50.000 € für die Nutzung seines DRMS haben wollte, ist falsch. Richtig ist vielmehr das Apple sein DRMS für die Nutzung durch Dritte überhaupt nicht freigibt. Wie sollen wir da Apple-User mit unserem Angebot bedienen ?

    Grundsätzlich wäre zu bemerken, dass wir als öffentliche Institution natürlich an das Urheberrecht gebunden sind.
    Unsere „analogen“ Medien verschenken wir doch auch nicht sondern fordern sie nach Ablauf der Ausleihfrist zurück. Sie sollen ja auch nicht nur einer einzelnen Person zu Gute kommen, sondern möglichst vielen. Warum sollten wir mit digitalen Medien anders verfahren ? Nur weil Sie leichter kopierbar sind ?
    Öffentliche Bibliotheken verleihen Medien und stellen damit Informationen äusserst kostengünstig für jedermann zur Verfügung. Mit unserem neuen Angebot bieten wir sogar einen Rund-um-die-Uhr Service , die Leser müssen nicht mal mehr in die Bibliothek kommen.
    Die “ Verlagslobby“ hat ein gutes Recht auf Entgelte für Ihre Leistungen, die Medien werden nicht zum Nulltarif hergestellt.
    Auch Herr Sladek arbeitet doch nicht umsonst.
    Es gibt zwar urheberrechtsfreie Medien, die sind aber meist recht betagt ( das Urheberrecht endet erst nach 70 Jahren ! ).
    Wir wollen doch einigermaßen aktuelle Medien für unsere Kunden bieten.

    Was die Unterstützung für Nutzer von Open-Source Betriebssystemen betrifft , so hatten wir Herrn Sladek mitgeteilt, dass mit der nächsten Version unserer Digitalen Bibliothek zumindest E-books auch von Linux-Usern genutzt werden können.
    Diese Aussage hat wohl Herrn Sladek nicht in den Kram gepasst, sonst hätte er sie nicht unterschlagen.
    Was die Nutzung von Audio- und Videofiles unter Open-Source betrifft, so würden wir das liebend gerne unseren Lesern auch unter dieser Plattform bieten. Aber leider gibts da nichts adäquates in der Szene. Sobald sich da was ergibt sind wir dabei. Vielleicht kann uns Herr Sladek bei der Suche helfen ?

    Von einer einseitigen Bevorzugung von Microsoftprodukten kann nicht die Rede sein.
    Nur deswegen weil Microsoft das einzige einsatzfähige DRMS hat, auf dieses Angebot zu verzichten halten wir für falsch. Wir haben schließlich auch geschützte Software wie z.B. Lernprogramme im Angebot, die nicht auf allen PC-Plattformen laufffähig sind. Warum nimmt daran niemand Anstoß?

    Allein durch unser Einwirken ist dieses Projekt zumindest in Richtung Open Source bewegt worden, die anderen Projektteilnehmer hatten da keine Ambitionen. Wir werden auch in Zukunft darauf achten, dass diese Schiene mit bedient wird. Die technischen und rechtlichen Voraussetzungen freilich müssen gegeben werden.

    Noch eine vertrauliche Info: Die anderen Städte samt Ihrer Bibliotheken stehen bereits Schlange um an diesem Projekt teilzunehmen ! Die Verwaltungskräfte sind nicht so betriebsblind wie Herr Sladek vermutet. Als Bediensteter der Landeshaupstadt München sollte er das eigentlich mitbekommen haben.

  4. Aufgrund der Tatsache, dass Herr Sladeks Telepolis Beitrag nicht nur viele inhaltliche Fehler enthielt, sondern auch noch einige abstruse Schlussfolgerungen, habe ich auf das Thema umfangreich geantwortet, um etwas mehr Sach- und Detailkenntnis in die dortige Diskussion zu bringen. Und auch, wenn Herr Stark an dieser Stelle bereits die dümmsten Fehlinformationen berichtigt hat, halte ich es für sinnvoll, dass ich meine Öberlegungen auch noch an dieser Stelle mit Ihnen teile. Einige Aspekte und Informationen der Argumentation dürften auch für Sie neu sein:

    Sehr geehrter Herr Sladek,
    liebe Diskutierende zum Onleihe-Artikel,

    mein Name ist Holger Behrens und ich bin geschäftsführender Gesellschafter der DiViBib GmbH, dem technischen und inhaltlichen Dienstleister, der hinter der Onleihe steht. Insofern mögen alle meine Gedanken und Ausführungen „gefärbt“ sein – dennoch bitte ich um eine sachliche Auseinandersetzung mit diesen, da ich mich zum Einen schon einige Zeit mit den diskutierten Themenbereichen beschäftigt habe und zum Anderen auch einige sachliche Fehler bzw. Ungenauigkeiten im Artikel von Herr Sladek richtigstellen kann und möchte. So ist z.B. schon der Titel des Artikels „Onleihe nur für Microsoft-User“ in mehrfacher Hinsicht falsch. Ich hoffe, dass ich in meinem Beitrag das Gleichgewicht zwischen sachlicher und technischer Präzision und allgemeiner Verständlichkeit gefunden habe – bitte sehen Sie mir nach, wenn ich bestimmte technische Sachverhalte und Zusammenhänge der allgemeinen Verständlichkeit zuliebe deutlich vereinfacht darstelle.

    Zunächst einmal vielen Dank an Sie alle für die intensive Auseinandersetzung mit dem Projekt Onleihe. Es war für mich interessant zu lesen, dass in diesem Forum das Angebot der Onleihe einerseits ideologisch-polemisch und emotional kritisiert wird, anderseits aber auch eine fundierte sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema stattfand.
    Bestimmte Fakten sowie rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen scheinen jedoch teilweise augenscheinlich nicht bekannt zu sein oder werden aus persönlichen, eventuell weltanschaulichen Gründen ignoriert. Offensichtlich gehört es in vielen „Heise“-Foren zum „guten Ton“, pauschale Kritik an Microsoft und Digital Rights Management zu betreiben – dennoch ist es schade, dass aufgrund dieser ideologischen Grundhaltung die sachliche Auseinandersetzung auf der Strecke bleibt, weil die Bewertung von Sachverhalten schon vorher feststeht. Zugegebenermaßen ist das Thema ein Bereich mit vielen Facetten und darum fällt es mir hier auch schwer, die in dem Artikel von Herrn Sladek und der Forumsdiskussion geäußerten Gedanken in ein paar knappen Schlagworten sachgerecht abzuarbeiten.

    Meines Erachtens werden in der Diskussion die zwei folgenden zentralen Themenbereiche aufgeworfen:
    1. Sinn und Unsinn von DRM im Bibliotheksumfeld / „Freie“ Zugänglichkeit von Inhalten
    2. Technische Restriktionen / Beschränkungen / Ausgestaltung der Onleihe
    Im Folgenden werde ich versuchen Ihnen unsere Gedanken und Öberlegungen zu diesen zwei Themenbereichen transparent zu machen.

    Als Grundlage einer sachlichen Diskussion stelle ich jedoch noch eine Definition von Öffentlichen Bibliotheken aus Wikipedia voran:
    „Öffentliche Bibliotheken werden im deutschen Bibliothekswesen gemeinhin als öffentlich zugängliche Bibliotheken mit einem Angebot an Beständen und Dienstleistungen für die allgemeine Bevölkerung verstanden […]. Öffentliche Bibliotheken dienen der allgemeinen Bildung und Informationsversorgung nach Artikel 5 (1) GG und als kulturelle Einrichtung für die Freizeitgestaltung aller Bürger.
    Das Bild der Öffentlichen Bibliotheken hat sich unter dem Einfluss gesellschaftlicher und medialer Entwicklungen stark gewandelt; sie sind als niedrigschwellige Bildungseinrichtung für alle sozialen Schichten, für alle Altersstufen die meistbesuchte Einrichtung einer Kommune. Sie leisten Integrationsarbeit für Immigranten, arbeiten anderen Einrichtungen und Verstärkern zu, immer mehr auch den Haupt- und weiterführenden Schulen. Sie arbeiten, auch mit medienpädagogischen Angeboten, mit Medien auf dem neuesten Stand – Internet, CD, CD-ROM, DVD, Video usw. ….“
    Die gemeinhin bekannteste Ausprägung der oben genannten Aufgaben und Ziele von Öffentlichen Bibliotheken ist jedoch sicher die Ausleihe von Medien, die von den meisten Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens bereits einmal genutzt wurde. In dieser „Tradition“ ist auch die Onleihe konzipiert worden: als ein (erster) ernster Versuch diese Aufgaben auch in der sich radikal wandelnden (digitalen) Medienwelt wahrzunehmen.

    1. Sinn und Unsinn von DRM im Bibliotheksumfeld / „Freie“ Zugänglichkeit von Inhalten

    Kopier- und DRM-Schutz lassen im Allgemeinen ohne Zweifel eine Menge Probleme entstehen, die z.B. auch darin bestehen, dass die Nutzung von Inhalten bestimmte (höhere/spezifischere) Hard- und Software-Voraussetzungen erfordert, die ohne Schutzmechanismen nicht nötig wären. Hierdurch wird die Nutzung von Inhalten erschwert und deren Verbreitung behindert. Im Verkaufsbereich von Medien gibt es aus diesem Grund Tendenzen, komplett auf DRM-Mechanismen zu verzichten (was der Leserschaft von Telepolis hinlänglich bekannt ist). Was jedoch in einem Verkaufsumfeld sinnvoll und richtig sein kann, funktioniert in einer Bibliothek nicht, die die Medien nicht verschenken kann, sondern ausgeliehene Medien wieder zurück bekommen muss.
    Kann man eine zeitlich befristete Nutzung von Inhalten ohne DRM-Mechanismen sicherstellen?
    Sicher ist es einfach zu sagen, dass es ja keine physikalischen Zwänge mehr für eine Beschränkung des Zuganges zu digitalen Medien gibt und dass darum Inhalte grenzenlos durch die Bibliotheken freizugeben sind. Hier stellt sich jedoch sofort die Frage, wie diese kostenlose Verteilung von Inhalten finanziert werden soll. Öbertragen auf analoge Medien wäre dies gleichbedeutend mit dem Verschenken (und anschließendem Nachkaufen) der durch eine Bibliothek gekauften Medien an die Nutzer, was ja theoretisch durchaus möglich wäre. Diese (Wunsch-)Vorstellung ignoriert jedoch die Tatsache, dass öffentliche Bibliotheken mit beschränkten Budgets arbeiten müssen, die Ihnen von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt werden. Vor allem weil öffentliche Bibliotheken beschränkte finanzielle Mittel haben, kaufen sie nur eine beschränkte Anzahl von Exemplaren eines Mediums. Ich kann an dem effizienten Einsatz von öffentlichen Geldern und den sich daraus ergebenden Zwängen auch für die Funktionsweise einer digitalen Bibliothek, im Gegensatz zu Herrn Sladek, nichts „albernes“ und „Puppenstuben“-haftes entdecken. Eine öffentliche Bibliothek kauft ein Medium und macht dieses vielen Menschen zugänglich – zwar nicht gleichzeitig, aber zumindest nacheinander kommen viele Menschen in den Genuss von Medien, die sie sonst vielleicht nicht lesen/sehen/hören würden.

    Ideologisch ist es an dieser Stelle natürlich griffig, hier die (böse) „Verlagslobby“ zu bezichtigen, Nutzern und Bibliotheken diese „ungerechten“ Mechanismen aus „kapitalistischer Profitgier“ aufzuzwingen und damit die Freiheit der Nutzer zu beschneiden.
    Allerdings frage ich mich an dieser Stelle der weit verbreiteten Argumentation immer, warum die Urheber von Inhalten (Autoren, Komponisten, Sprecher, Regisseure, etc.) und deren Rechte und materiellen Ansprüche vielfach von Nutzerseite ignoriert werden.
    Urheber haben in häufig monate- und jahrelanger Arbeit geistige Werte geschaffen und leben danach vom Verkauf und der Vermarktung ihrer geistigen Leistung. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Urheber in keiner Weise von anderen „handwerklichen“ Berufen, die genauso davon leben, dass sie „Werke“ erschaffen und dann von deren Verkauf leben. Kaum jemand in Deutschland würde auf die Idee kommen, diese Produzenten zu enteignen und ihnen das Wahlrecht zu nehmen, was sie mit den von ihnen erzeugten Produkten machen wollen.
    Sollen die Urheber aber jetzt enteignet werden? Soll ihnen das Wahlrecht entzogen werden, was mit den von ihnen geschaffenen Inhalten passiert? Sollen sie nicht entscheiden dürfen, ob „ihre“ Inhalte nur mit DRM genutzt werden dürfen oder auch ohne? Es gibt zwar durchaus digitale Geschäftsmodelle, bei denen Urheber auch ohne jegliche DRM-Mechanismen Geld verdienen können (z.B. Lulu.com), jedoch kann ich nicht nachvollziehen, warum man den „Eigentümern“ der Inhalte die Wahlfreiheit, wie sie ihre Inhalte vermarkten wollen, nehmen möchte. So mag es wirtschaftlich ja vielleicht sogar ein Fehler der Urheber sein, ihre Inhalte nur mit DRM-Schutz vermarkten zu wollen – ist dies aber ein Grund, ihnen das Wahlrecht abzusprechen?
    Rosa Luxemburg sagte „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ – in dieser wichtigen demokratischen Tradition ist es kurios, dass manche Forumsteilnehmer mit dem Verweis auf das eigene Recht der InformationsFREIHEIT, die Freiheit der Urheber beschränken möchten. Letztlich sollte sich jeder klar machen, dass ohne finanziellen Ausgleich, schon allein aus wirtschaftlichen Zwängen heraus, bestimmte Inhalte nie entstehen würden: Die wenigsten professionellen Computer-Bücher entstehen aus dem tiefen Bedürfnis heraus, sich der Welt über dieses Thema mitzuteilen, sondern aus dem Wunsch des Autoren damit Geld zu verdienen. Und wenn diese Computer-Autoren kein Geld für ihre inhalteschaffende Tätigkeit bekommen würden, dann würden Sie Ihre Zeit nicht mit dem Schreiben verbringen.
    Ironischerweise ignorieren sogar manche Autoren wie Herr Reiner Sladek die wirtschaftlichen Zwänge hinter dem Urhebertum – dabei sollte man doch meinen, dass gerade Urheber von geistigen Inhalten Solidarität mit anderen Urhebern üben sollten.

    Zusammenfassend möchte ich darum festhalten, dass wenn
    1. man es als gegeben hinnimmt, dass öffentliche Bibliotheken keine unbegrenzten Mittel zur Verfügung haben, um Ihren Auftrag zur Informationsversorgung zu erfüllen, und
    2. man darüberhinaus die geistige Leistung von Urhebern respektiert und ihnen nicht die Möglichkeit abspricht, mit ihren geschaffenen Inhalten selbstbestimmt Geld zu verdienen,
    dann gibt es meiner Meinung nach keine Alternative zum Einsatz von DRM-Mechanismen, um einen digitalen Bibliotheksbetrieb zu realisieren. Einzig eine wie auch immer gestaltete „Content-Flatrate“ (wie in einem Forumsbeitrag erwähnt) wäre hier eine zumindest denkbare Alternative, wobei man hier natürlich trefflich darüber streiten könnte, wie die Verteilung an die Urheber zu erfolgen hätte.
    Ein denkbares Gegenmodel zum klassischen Kauf von Medien und deren seriellem Verleih (wie es die Onleihe als grundsätzliches Abrechnungsmodell gewählt hat) wäre das „verbrauchsorientierte Leasing“ von Inhalten – Bibliotheken würden an die Urheber nach Nutzung durch die Bibliotheksnutzer zahlen. Dieses Verfahren hätte jedoch, zumindest aus Sicht der Bibliotheken, den gravierenden Nachteil, dass man die Budgethoheit verlieren würde: Was wäre, wenn bereits im September das Jahresbudget für Mediennutzung aufgebraucht wäre? Müsste dann die Bibliothek für den Rest des Jahres schließen? Aber auch in diesem alternativen denkbaren Abrechnungsmodell würde man nicht ohne ein DRM auskommen.

    Öffentliche Bibliotheken sind wichtige Träger der Bildungs- und Informationsversorgung im Sinne des Grundgesetzes. Möchte man deren Funktionen auf digitale Medien und das Internet übertragen, dann kann man dabei nicht auf DRM-Mechanismen verzichten – zumindest dann nicht, wenn man die Grundpfeiler des gesellschaftlichen Konsenses in Deutschland dabei nicht ignorieren möchte.

    2. Technische Restriktionen / Beschränkungen / Ausgestaltung der Onleihe

    Aus dieser Erkenntnis ergeben sich dann automatisch sehr praktische Fragen nach dem „Wie“. Wie sollte man eine digitale virtuelle Bibliothek heute technisch verwirklichen? Aus diesen Öberlegungen ergeben sich die Antworten zu den technischen Restriktionen und Beschränkungen der Onleihe, die rein gar nicht mit der Bevorzugung eines bestimmten Systems zu tun haben. Wie Sie sehen werden, ist das Gegenteil der Fall: das Projekt Onleihe hat schon heute aktiv zur Öberwindung von Plattformgrenzen beigetragen.

    Selbstverständlich war es unser Ziel bei der Onleihe von Anfang an einer möglichst breiten Nutzerschicht die Nutzung der digitalen virtuellen Bibliothek vollumfänglich zu ermöglichen. Dies impliziert natürlich auch möglichst geringe Anforderungen an die Hard- und Software des Nutzers und Nicht-Diskriminierung von einzelnen Plattformen. Als zu berücksichtigende Plattformen wurden hier zu Beginn Windows, Apple und Linux definiert. Da die Onleihe nicht nur eine Medienart, sondern neben E-Books auch noch Audio- und Videoinhalte anbieten wollte, wurde schnell klar, dass dies nach dem derzeitigen Stand der Technik nur mit mehreren Formaten und DRM-Systemen möglich sein würde. Eine weitere Nebenbedingung bei der Entwicklung war, dass die Inhalte auch Offline genutzt werden können sollten. Ich werde hier nur ein paar vereinfachende Bemerkungen zu dem Thema machen, da auch dieser Themenbereich deutlich vielschichtiger und komplizierter ist, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.
    Im E-Book-Bereich fiel hier die Wahl relativ schnell auf das PDF-Format, da es grundsätzlich plattformübergreifend konzipiert ist und zumindest in der Apple und der Windowswelt funktioniert. Und auch die Öbertragung auf eine Vielzahl von mobilen Endgeräten war mit dem PDF-Format grundsätzlich möglich. Leider mussten wir hier feststellen, dass die zeitlich befristete zur Verfügungsstellung von Inhalten auf Linux-Adobe-Readern derzeit noch nicht funktioniert. Wir haben aus diesem Grund gemeinsam mit der Firma Adobe dieses Problem gelöst und als Folge dieser Zusammenarbeit wird ein künftiges Release des Linux-Adobe-Readers in der Lage sein, auch mit einer zeitlichen Befristung versehene Inhalte zu nutzen. Das Onleihe-Projekt hat an dieser Stelle bereits signifikant dazu beigetragen, dass Plattform-Barrieren verkleinert wurden.
    Deutlich schwieriger fiel die Wahl für ein (oder mehrere) DRM-System(e) für Audio- und Video-Daten. Auch als Folge der grundsätzlichen Vorbehalte im Linux-Bereich vor DRM-Systemen (wie ja auch bereits von Herrn Sladek erwähnt), haben wir bis jetzt kein geeignetes System identifizieren können, mit dem eine zeitlich befristete Öbertragung von Inhalte für die Offline-Nutzung möglich wäre. Linus Thorvald, der „Erfinder“ von Linux, hat zwar ausgeführt, dass DRM und Linux keineswegs im Widerspruch zueinander stehen, aber bis jetzt gibt es hier noch keine tragfähige und (für den Schutz der Urheberrechte) „sichere“ Implementierung (eine bemerkenswerte und vielleicht überraschende Ausnahme in einem Teil der Linux-Distributionen werde ich später noch aufzeigen).
    Die nächste zu bedienende Plattform sollte das Apple Betriebssystem sein, für das es jedoch außer dem proprietären FairPlay-DRM (Medienformat AAC), welches Apple grundsätzlich bisher nicht für andere Firmen geöffnet hat, kein geeignetes DRM-System für die zeitlich befristete Ausleihe von Inhalten gibt. An dem proprietären FairPlay hängt wiederum der von Herrn Sladek zitierte iPod, den wir natürlich ebenfalls gerne bedienen wollen.
    Im Gegensatz zur Apple-Welt ist die Lizensierung des Microsoft-DRM-Systems relativ einfach – und das Microsoft-DRM bietet die Möglichkeit zur zeitlich befristeten Öberlassung von Audio- und Video-Medien (in den Formaten WMA und WMV). Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung ist Microsoft jedoch in diesem speziellen Fall sehr offen mit der Lizensierung seiner Technologie, was dazu geführt hat, dass sehr viele mobile Endgeräte und MP3-Player von unterschiedlichen Herstellern (z.B. von Creative, über Nokia bis hin zu Trekstor) das WMA-Format unterstützen. Das im Bibliothekssinne „schöne“ (im Sinne der Informationsvermittlung) an dieser Politik ist, dass die mobilen Endgeräte durch diese Politik relativ billig sind und schon für weniger als Euro 50 zu haben sind. Es mag in diesem Kontext einige Leser erstaunen, dass es durchaus einige Linux-Distributionen (Linspire, Novell und Xandros) gibt, auf denen der Microsoft Media Player läuft und die damit auch das Microsoft DRM unterstützen. Somit ist sogar die Linux-Nutzung mit der Nutzung von Microsoft-DRM geschützten Inhalten möglich.
    Zusammenfassend mussten wir feststellen, dass wir weder für die Linux-, noch für die Apple-Welt eine wirklich zufriedenstellende Lösung für die zeitlich befristete Ausleihe von Audio- und Video-Dateien finden konnten, dass aber das Microsoft DRM bereits einen relativ hohen Anteil der Hardwareausstattung der potentielle Bibliotheksnutzer abdecken konnte. Darüberhinaus wird das Microsoft DRM noch von einer Vielzahl von mobilen Endgeräten unterstützt.
    Nach dieser Bestandsaufnahme kann man natürlich die Frage stellen, ob man einen Dienst anbieten soll, der derzeit nur von 90 bis 95% der Computernutzer vollständig in Anspruch genommen werden kann.
    In den Foren gab es zu dieser Frage ja von einem Diskussionsteilnehmer eine sehr klare Antwort: wenn eine öffentliche Einrichtung nicht 100% der möglichen Nutzer bedienen kann, dann sollte sie den Dienst gar nicht anbieten.
    Das sehen wir und die beteiligten Pilotbibliotheken deutlich anders und differenzierter: die öffentliche Hand sollte ja auch nicht deswegen Kindergärten schließen, weil kinderlose Paare diese nicht vollumfänglich nutzen können. Öffentliche Bibliotheken bieten bereits seit Jahren diverse CD-Roms zur Ausleihe an, die in den sehr vielen Fällen nur von Windows-Rechnern genutzt werden können. Sollen die öffentlichen Bibliotheken deshalb vollständig auf diese Inhalte verzichten und diese dann gar niemandem mehr anbieten? Und wie sieht es mit DVD-Inhalten aus? Und in der Vergangenheit VHS- und Beta-Inhalten? Auch die DVD ist ein proprietäres Format, welches nur nach Lizenzzahlungen von Geräteherstellern an Phillips und Sony genutzt werden darf. Sollen/Dürfen die öffentlichen Bibliotheken aus diesem Grund keine DVDs in den Bestand aufnehmen, weil sie dadurch helfen, das Monopol von Philips und Sony zu festigen? Und selbst wenn die Onleihe schon heute in der Lage wäre, Linux- und Apple- und Windows-Systeme vollständig zu unterstützen – was wäre dann mit den Personen, die noch einen Atari-Rechner, einen alten Macintosh oder einen MS-DOS-Rechner nutzen? Dürfte man dann wegen dieser Nutzer allen anderen Bibliotheksbenutzern eine neue Dienstleistung verwehren? Und was ist mit den Menschen, die keinen Computer haben (wollen)? Sollte man um deren Willen allen anderen Nutzern die Bereitstellung von digitalen Inhalten verwehren?
    Wir sind gemeinsam mit den Pilotbibliotheken in Hamburg, Köln, Würzburg und München überzeugt davon, dass es nicht im Sinne der Bibliotheksnutzer sein kann, wenn man aufgrund einer (noch) nicht perfekten Lösung ein zukunftsweisendes Angebot gar nicht startet. Zu behaupten oder zu unterstellen, dass die Onleihe in ihrer derzeitigen Form nicht der Mehrheit der potentiellen Bibliotheksnutzer einen zusätzlichen Nutzwert bietet, ist einfach falsch. Und die Auswahl der verwendeten DRM-Produkte ist nicht der Bevorzugung eines Herstellers geschuldet, sondern ausschließlich den aktuellen Gegebenheiten am Markt.
    Die Onleihe ist noch weit von der perfekten Lösung entfernt (so es diese in diesem Zusammenhang überhaupt geben kann), aber wie Sie vielleicht an dem oben beschriebenen Linux-Adobe-Beispiel erkennen konnten, arbeitet die DiViBib GmbH gemeinsam mit den Pilotbibliotheken zielstrebig an der größtmöglichen Plattformunabhängigkeit unserer Lösung. Und wir tun dies nicht aufgrund eines irgendwie gearteten Drucks einer politischen Institution, sondern aus dem verinnerlichten Wunsch heraus, den Bibliotheksnutzern einen bestmöglichen Service anzubieten.
    Polemische, diskreditierende und auf schlecht recherchiertem Halbwissen basierende Artikel helfen den Bibliotheksnutzern meiner Öberzeugung nach nicht weiter – ich halte hier pragmatisches, lösungsorientiertes „Anfangen“ und evolutionäres Verbessern einer funktionierenden Lösung für den kundenorientierteren Weg.
    Es gibt noch viele weitere technische und juristische Gründe für die jetzt gewählte Ausgestaltung der Onleihe und auch Projekte wie MobiPocket, DivX und OMA könnten in dem technischen Zusammenhang noch genauer erläutert werden. Da ich aber bereits jetzt den „üblichen“ Rahmen für eine Forumsdiskussion wie diese schon bei weitem überschritten habe, lasse ich es zunächst einmal hiermit bewenden. Ich hoffe, dass die von mir gelieferten Hintergrundinformationen für Sie hilfreich waren, unsere Beweggründe für die Onleihe in ihrer jetzigen Form nachzuvollziehen.

    Die Onleihe erfüllt schon heute das gesteckte Ziel, die (digitale) Informationsversorgung in Deutschland zu verbessern. Sie tut dies noch nicht in der optimalen Weise und völlig technisch diskriminierungsfrei, jedoch unter Berücksichtigung der gegebenen Rechtslage und der technischen Möglichkeiten. Da die Onleihe zudem ein Projekt ist, dessen Entwicklung rein privatwirtschaftlich finanziert wurde und keine unbegrenzten finanziellen Mittel zur Verfügung hatte, sind wir zufrieden mit diesem ersten Schritt auf dem noch weiten Weg zur perfekten digitalen virtuellen Bibliothek. Sicher ließe sich mit hundert Millionen öffentlicher Fördergelder ein besseres und barrierefreieres System bauen, aber hier könnte man mit Recht fragen, ob dies ein sinnvoller Einsatz von öffentlichen Mitteln wäre.

    Ich freue mich auf die weitere Diskussion und bin gespannt, ob Sie etwas mit unseren Gedanken zum Thema anfangen können.

    Mit freundlichem Gruß aus Wiesbaden

    Holger Behrens

    PS: Und hier noch ein paar kleinere Korrekturen sachlicher Fehler und Missverständlichkeiten des Artikels von Herrn Sladek:
    1. Die Nutzungsfristen für die einzelnen Medien werden grundsätzlich individuell von den einzelnen Bibliotheken festgelegt – bei E-Papern wie dem Spiegel ist das derzeit ein Tag, bei E-Books und Audio- und Video-Inhalten derzeit eine Woche. Diese Fristen lassen sich jedoch jederzeit problemlos verändern.
    2. Für die mobile Nutzung von Audio-Inhalten ist kein Microsoft-Zune-Player notwendig, sondern nur ein beliebiger MP3-Player, der das Microsoft DRM unterstützt. Es gibt hier derzeit ca. 300 mobile Endgeräte (MP3-Player, Smart-Phones, PDAs) die dieses DRM unterstützen.
    3. Die Nutzung der digitalen Inhalte ist natürlich nicht auf die Lesesäle einer Bibliothek beschränkt, sondern kann bequem durch Download von Zuhause erfolgen.
    4. 28 % Prozent Marktanteil beim iPod bedeutet nicht, dass ein Drittel der Bevölkerung das Angebot nicht nutzen kann, sondern es bedeutet, dass knapp ein Drittel der Menschen, die einen MP3-Player haben, die digitalen Audiodateien derzeit noch nicht auf ein Endgerät übertragen können.

  5. Werter Herr Behrens,

    ihre Erläuterungen betrachte ich nicht als „gefärbt“ sondern aus Ihrer Sicht in der Sache gerechtfertigt, Sie möchten Ihr Produkt verkaufen. So weit so gut. Nur muss die Frage erlaubt sein, ob öffentliche Bibliotheken die richtigen Adressaten dafür sind.

    Ihre Ausgangsprämisse: „Öffentliche Bibliotheken stehen in der Gefahr, dass Ihnen langsam die Nutzer „aussterben“, bzw. alle kommenden Generationen den Bibliotheken im Alter über 15 Jahren verloren gehen.“ wird durch die Praxis widerlegt. Bibliotheken verzeichnen steigende Nutzerzahlen und ein erhöhtes Leihaufkommen gerade weil sie sich bereits auf ein sich wandelndes Nutzerverhalten einstellen und ihnen steigende Buch- und Zeitschriftenpreise neue Nutzerschichten zutreiben.

    Sie schreiben auf Ihrer Website:

    „Das wirtschaftliche Grundprinzip einer Onleihe ist sehr einfach und folgt dem bisherigen Modell aus der analogen Medienwelt:
    Erwerbungsprinzip
    Die DiViBib GmbH verhandelt für Bibliotheken Medien/Lizenzen bei Verlagen.
    Bibliotheken wählen über die DiViBib GmbH Medien (Lizenzen) aus und erwerben sie dort.
    Öber eine Onleihe werden die erworbenen Medien registrierten Bibliotheksnutzern kostenlos (oder preisgünstig) angeboten.
    Lizenzprinzip
    Ein Digital Rights Management (DRM) stellt sicher, dass jedes „Medienexemplar“ zu jedem beliebigen Zeitpunkt nur von einem Nutzer ausgeliehen/benutzt wird.
    Sollen mehrere Nutzer die Medien gleichzeitig ausleihen/nutzen können, so benötigt die Bibliothek auch mehrere Lizenzen.“

    Dieses Prinzip entspricht einer Art digitalisiertem Lesezirkel. Bieten Sie Ihren Service besser Arztpraxen, Frisörsalons etc. an. Welche Bibliothek liesse sich zu ihren bestehenden Zeitschriftenabos noch zusätzlich ein Lesezirkel Abo der gleichen Zeitschrift aufschwatzen. Jeder halbwegs vernünftige Bibliotheksträger würde ein solches Ansinnen auch als „Modellversuch“ empört von sich weisen.
    Aber mit Begriffen wie Innovation, Mehrwert, Bibliothek 2.0 etc. und technischem Schnickschack lassen sich die politischen Gremien der Träger öffentlicher Bibliotheken recht leicht übertölpeln.

    Im Öbrigen begünstigt Ihr Modell die Verwerter und nicht die Urheber. Nennen Sie mir bitte nur einen einzigen Verlag, der seinen Autoren ein extra Honorar zahlt, weil sein Werk über DiViBib vertrieben wird.

    Ihrer Zusammenfassung, dass:
    „1. man es als gegeben hinnimmt, dass öffentliche Bibliotheken keine unbegrenzten Mittel zur Verfügung haben, um Ihren Auftrag zur Informationsversorgung zu erfüllen, und
    2. man darüberhinaus die geistige Leistung von Urhebern respektiert und ihnen nicht die Möglichkeit abspricht, mit ihren geschaffenen Inhalten selbstbestimmt Geld zu verdienen, …“
    kann ich ich voll zustimmen, nur komme ich zu dem Schluss, dass man aus diesen Gründen als öffentliche Bibliothek den von Ihnen angebotenen Dienst gerade N I C H T in Ansruch nehmen sollte.

  6. Selten schwache Worte aus der Münchner Stadtbibliothek. Wird Zeit, dass der Wind des Wandels diese bevormundenden Institutionen wegweht. Wieso ist denn im Musikbereich DRM auf dem Rückzug? Weil die Nutzer es nicht mögen. Diese DRM-Fetischisten (und es ist erbärmlich, dass sog. Bibliothekare darunter sind) kultivieren eine Unkultur des ängstlichen Misstrauens, die auf Kontrolle setzt und sich nicht vorstellen kann, dass Freiheit letztlich auch Umsatz generieren kann.

    Hier wird eine Ideologie des geistigen Eigentums vertreten, die in der breiten Massen unseres Volks kaum mehr konsensfägig ist, wenn sie es denn jemals war.

    Hunderte von öffentlichen Bibliotheken in den USA bieten seit vielen Jahren (z.T. mit Unterstützung des jeweiligen Staats) erheblich bessere Remote-Access-Angebote ihren Kunden und zwar ganz ohne DRM. Nationallizenzen gibts auch ohne DRM. Soweit zur Lüge, dass Verlage nur mit DRM lizensieren.

    Deutsche öffentliche Bibliotheken haben so gut wie keine Remote-Access-Angebote zu bieten (und auch keine Ahnung davon, weil sie konsequent seit Jahren auf das Lizenzieren digitaler Medien verzichtet haben), und fallen auf den ersten besten Dummenfänger rein, der ihnen ein überteuertes und absurdes Produkt aufschwatzt.

  7. Sehr geehrter Herr Traschütz,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Es fasziniert mich, dass in diesem Diskussionsforum so viele Mitarbeiter von wissenschaftlichen Bibliotheken ein so tiefes Verständnis des öffentlichen Bibliothekswesens haben und so genau wissen, wie die öffentlichen Bibliotheken ihre Arbeit zu machen haben. Auch wenn Sie es sich vielleicht nicht vorstellen können, geht es mir persönlich und den anderen Mitarbeitern der DiViBib GmbH nicht nur darum, unser Produkt zu verkaufen, sondern wir „glauben“ tatsächlich daran, dass wir etwas Sinnvolles für die Weiterentwicklung des Systems der öffentliche Bibliothek tun.

    Keine Frage: die öffentlichen Bibliotheken haben in den letzten Jahren exzellente Kinder- und Jugendarbeit gemacht und haben dadurch neue Benutzergruppen erschlossen, bzw. eine bessere Ausschöpfung des gegebenen Marktpotentials erreicht. Dennoch werden Sie aus allen Statistiken ablesen können, dass die Nutzung von öffentlichen Bibliotheken mit dem Ende der schulischen Ausbildung einen deutlichen Einbruch in jedem Altersjahrgang hat – ein großer Teil der Jugendlichen verlässt spätestens dann die öffentlichen Bibliotheken. Warum soll es verkehrt sein, diesen Nutzern ein einfach und bequem zu nutzendes Medienangebot zu machen?

    Wir haben empirisch nachweisen können, dass die „Bequemlichkeit in der Erreichbarkeit“ der mit Abstand wichtigste Erklärungsfaktor für die individuelle Nutzung von öffentlichen Bibliotheken ist. Öffentliche Bibliotheken versuchen dieser Tatsache durch verlängerte Öffnungszeiten Rechnung zu tragen, was die Bequemlichkeit der Erreichbarkeit erhöht. Dies ist natürlich in Zeiten sinkender Budget doppelt schwierig. Und gerade darum schmerzt auch jede Filialschließung einer öffentlichen Bibliothek in so hohem Maße: die Bequemlichkeit der Erreichbarkeit sinkt und dadurch gehen viele Nutzer verloren – egal wie gut das Medienangebot und die sonstigen Dienstleistungen sonst sind.

    Die Onleihe ist eine digitale Filiale im Internet und es ist in öffentlichen Bibliotheken völlig normal, dass man die gleichen Inhalte mehrfach hat. Oder sind Sie davon ausgegangen, dass in den einzelnen Filialen in einer Stadt immer nur unterschiedliche Medien stehen? Die DiViBib GmbH stellt (sehr preiswert) eine 24 Stunden am Tag erreichbare digitale Filiale zur Verfügung und die Bibliotheken kaufen dann Medien, die in diese Filiale Nutzern zur Ausleihe angeboten werden. Ihren Lesezirkelvergleich kann ich darum sachlich nicht nachvollziehen.

    Ihre Vermutung, dass die Verlage die Urheber nicht an den Erlösen beteiligen, ist schlichtweg falsch. Ich weiß nicht, ob Sie in Ihrer Buchhändlerausbildung auch Autorenverträge durchgenommen haben, aber da ich eine Zeit für die Lizenzabrechnung in einem Publikumsverlag verantwortlich war, kann ich Ihnen versichern, dass die Autoren selbstverständlich an den Erlösen aus allen Verkäufen beteiligt werden. ALLE unsere Verlage beteiligen die Urheber an den Erlösen aus Medienverkäufen. Einzig Naxos und die e-learning-academy AG haben mit Ihren Urhebern pauschale Entlohnungsverträge abgeschlossen: dort bekommen die Urheber nur einmalig eine vereinbarte Summe, unabhängig davon, ob die erstellten Medien (ganz egal ob in analoger oder digitaler Form) dann erfolgreich verkaufen oder nicht. Der Verkauf von Inhalten über die DiViBib an die öffentlichen Bibliotheken führt also selbstverständlich im Regelfall (Ausnahmen oben genannt) auch zu Erlösen bei den Urhebern.

    Die mit Abstand wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der Onleihe sind jedoch über die ganzen ideologischen Debatten in den wissenschaftlich-bibliothekarischen Foren bis jetzt einfach vergessen worden: Was denken die Bibliotheksnutzer über das Angebot? Nehmen diese das Angebot an? Nehmen reale Bibliotheksnutzer das Angebot als Mehrwert wahr?

    Sollte nicht der Bibliotheksbenutzer der Maßstab unseres bibliothekarischen Handelns sein?

    Und was hat es mit „Öbertölpelung“ von politischen Gremien zu tun, wenn Bibliotheksbenutzer das Angebot der Onleihe dankbar annehmen und die von den Bibliotheken eingekauften Medien intensiv nutzen? Oder ist dieses Votum der Bibliotheksnutzer zu ignorieren, weil was nicht sein darf, das nicht sein kann?

    Für die Beantwortung der oben gestellten Fragen herzlichen Dank im Voraus.

    „Glücklicherweise“ geben die Nutzer den Pilotbibliotheken bis jetzt Recht, obwohl die Onleihe noch verbesserungswürdig ist und sich das Angebot in den nächsten Monaten noch deutlich verbessern wird.

    Mit freundlichem Gruß

    Holger Behrens

  8. Sehr geehrter Herr Dr. Graf,

    ein weiteres Mal verwundert es mich, welche unglaubliche Kompetenz in den wissenschaftlichen Bibliotheken über das öffentliche Bibliothekswesen vorhanden ist.

    Könnten Sie bitte mich und die anderen Leser an Ihrem immensen Wissen teilhaben lassen und uns von den „Hunderte(n) von öffentlichen Bibliotheken in den USA“ bitte nur ZWEI konkret beim Namen nennen, in denen es herunterladbare aktuelle interessante Hörbuch- und E-Book-Inhalte OHNE DRM-Schutz gibt? Aktuelle interessante Inhalte seien hier der Einfachheit halber als Titel definiert, die jünger als fünf Jahre sind (was in einer ÖB eine halbe Ewigkeit ist) und von einem Verlag aus den Top 20 des Buch- oder Hörbuch-Marktes kommen.

    Vielen Dank im Voraus!

    Darüberhinaus unterstellen Sie, dass das Angebot der DiViBib GmbH „überteuert“ ist. Könnten Sie mir bitte sagen, welcher Mitarbeiter der DiViBib GmbH mit Ihnen Preisgespräche geführt hat, mit deren Hilfe Sie diese Aussage treffen können? Und woran machen Sie „Öberteuerung“ fest?

    Auch für diese Auskunft vielen Dank im Voraus.

    Mit freundlichem Gruß

    Holger Behrens
    Geschäftsführer DiViBib GmbH

    PS: Es überrascht mich, dass Sie Ihren Kollegen aus den öffentlichen Bibliotheken in Hamburg, Köln, Würzburg und München Dummheit unterstellen. Kennen Sie die dortigen Kollegien persönlich? Oder ist das einfach der allgemeine Umgangston zwischen Kollegen der ÖBs und WBs? Mir seih als „relativer“ Branchenneuling und Nicht-Bibliothekar diese Frage erlaubt.

  9. 1. Mich würde es tatsächlich wundern, wenn Herr Behrens über den Profit hinaus ein Interesse an der Verbreitung von Medien hat.

    2. Mich überrascht es sehr, dass jemand, der nicht einmal in einer wissenschaftlichen Bibliothek arbeitet, sich anmaßt zu behaupten, wiss. Bibliothekare hätten keine Ahnung, was in ÖBs passiert. Ich bin ausgebildete WB, arbeite jedoch in einer ÖB. Die Tätigkeiten sind abseits der pädagogischen Aspekte näher beieinander, als es zuerst den Anschein weckt.

    3. Dieses Angebot ist totaler Mumpitz! Ich kenne die Zielgruppe sehr genau, aber die würde nie DRM-Dateien auf ihren Rechner packen, wenn es die gleichen Sachen auch gratis im Netz gibt. Illegal, natürlich, aber gratis und mit wesentlich höherem Verwendungskomfort. Jede unnötige Hürde bei legaler Konkurrenz wird von Jugendlichen einfach nicht akzeptiert. Dass das Medienangebot höchst bescheideiden ist, ist da nur ein Nebenschauplatz.

    Erschreckend ist übrigens, dass die Damen und Herren Bibliotheksleiter tatsächlich sehr an diesem Produkt interessiert sind, wie ich von einem regionalen ÖB-Treffen weiß. Das sind Leute, die sich gerne bauchpinseln lassen, und das beherrschen die Divibibs (anscheinend!) recht gut.

  10. Ich möchte doch nur mal eine Rechnung in den Raum stellen, der natürlich auch für ÖB wichtig ist.
    Zwar können 90 – 95% aller Computerbesitzer auf Ihren Bestand zugreifen, aber wieviele Computerbesitzer sind den auch Kunde meine Bibliothek? Wenn ich den Gesamtdurchschnitt von 60% nehme (ich meine, diese Zahl mal zuletzt gehört zu haben), so reduziert sich das Publikum stark.
    Mal Zahlen aus meiner Bibliothek. Bei 50.000 Einwohner habe ich 4.500 aktive Kunden, ein Durchschnittswert also. Abzüglich der Kunden ohne Computer bleiben noch 2.700 Kunden. Berücksichtige ich davon 90% mit PC bin ich schon bei nur noch ca. 2.500 potentiellen Kunden. Sind die alle Dauernutzer?

    Würden die überhaupt das Angebot nutzen, und wenn welches. Schon bei dieser Einwohnerzahl ist die Divibib nur im Verbund zu schaffen. Und wir werden, wie schon in Inetbib geschrieben, abwarten – denn genau diese Zahlen brauchen wir als Argumentation. Nichtsdestotrotz werde ich in meiner nächsten Umfrage das Thema digitale Bibliothek abfragen.

    Ich kann mir aber vorstellen, dass die audiophile Nachfrage hier stärker wiegt, der Kunde ist dies schon gewohnt. Genau hier schlägt aber der ipod mit seiner Dominanz zu. Wieviele Kunden bleiben da noch?

    Fazit zum Abwarten: Erst einmal die MP3 Hörbücher und MP3 DVD/CD im Bereich Klassik in der Ausleihe beobachten und dann ein Resümee ziehen.

  11. Zur polemischen Antwort auf die Polemik von kg: Getroffene Hunde bellen natürlich, und das ist ja auch legitim angesichts der Geschäftsinteressen. Aber genau lesen sollte man halt schon können. Was soll Dr. Graf denn mit wissenschaftlichen Bibliotheken zu tun haben? Wo schreibt er von Hörbüchern? Selbstverständlich gibt es in den USA zahlreiche Bibliotheken, die umfangreiche Datenbanken mit Fachliteratur oder lexikalischer Information auch Remote-Access-Usern ohne überflüssige DRM-Maßnahmen zur Verfügung stellen. In Deutschland ist so etwas schon bei den wissenschaftlichen Bibliotheken unterentwickelt, und ansonsten wohl schlichtweg unbekannt.

  12. Merkwürdig ist doch, wie nun jede Stadt ein Ohnleihe haben will, wo doch Niemanden im Netz interessiert, wo der Server steht! Machts wie bei iTunes: 1 Laden reicht. Das ist der gewisse Unterschied im Internet.

    …und wenn der angebotene Stoff wenigstens sein DRM wert wäre…

  13. Sehr geehrter Herr Schleiwies,

    herzlichen Dank für ihren Beitrag. Es ist wohltuend zu sehen, dass an dieser Stelle doch noch jemand an einer sachlichen und nicht-ideologischen Diskussion interessiert ist.

    Die von Ihnen aufgeworfene Rechnung/Öberlegung ist eine sehr sinnvolle! Auch wir gehen davon aus, dass es eine bestimmte kritische Masse benötigt, um eine Onleihe erfolgreich zu betreiben. Ihre Rechnung möchte ich allerdings noch eine weitere Öberlegung hinzufügen, die ich an dieser Stelle auch schon zuvor geäußert habe:
    Die Bequemlichkeit in der Erreichbarkeit ist der mit Abstand stärkste individuelle Erklärungsfaktor für die Nutzung einer Bibliothek – weit vor persönlichem Einkommen, wahrgenommener Qualität der Sammlung, etc.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch eine Bibliothek benutzt, steigt um den Faktor 2,8 (!), wenn die Bibliothek als bequem erreichbar angesehen wird. Dieses empirische Ergebnis war jedem Bibliothekar ja schon lange bekannt: mit längeren Öffnungszeiten und besseren (und mehr) Standorten, erreicht man mehr Nutzer.
    An genau diesem Punkt setzt die Onleihe an: Die Bequemlichkeit in der Erreichbarkeit des Bibliotheksangebotes steigt extrem an (selbst wenn wir aus verschiedenen Gründen noch einige Nutzer nicht optimal erreichen) . Somit sind vor allem auch die ca. 30’000 Einwohner von Frechen Zielgruppe der Onleihe, die Sie mit Ihrem jetzigen Angebot, aus welchen Gründen auch immer, nicht erreichen. Warum sollte es nicht gelingen, von den 30’000 bisherigen Nicht-Nutzern in Frechen durch die bequemere Erreichbarkeit 5% dieser Zielgruppe zu gewinnen, wenn das Angebot von den Nutzern (nicht von den netbib-Bloggern aus wissenschaftlichen Bibliotheken) als attraktiv wahrgenommen wird? Die ersten Erfahrungen aus den Pilotbibliotheken stützen diese These durchaus – es wurden neue Nutzer gewonnen, die mit den bisherigen Bibliotheksangeboten nicht erreicht wurden. Eine Umfrage bei Ihnen zu digitalen Angeboten sollte also nach Möglichkeit alle möglichen Nutzer berücksichtigen (also alle 35’000 Frechener, die grundsätzlich an der Bibliothek interessiert sein könnten). Ich vermute jedoch, dass auch bei Ihnen hinter den 4.500 aktiven Kunden auch heute schon noch mal die gleiche Anzahl von Nutzern steht, die aber keinen eigenen Ausweis haben. Es dürfte Sie interessieren, dass Mitte November eine Mittelstadt mit einem eigenen Onleihe-Angebot starten wird, die noch 5.000 Einwohner kleiner ist als Sie.

    Auch wenn die Onleihe inzwischen in den ersten Städten drei Monate am Start ist, ist in unseren Augen die Pilotphase noch lange nicht vorbei. An dem Angebot und an seiner Darbietung wird sich in den nächsten Wochen und Monaten noch sehr viel tun – Sie werden überrascht sein! Ich kann darum auch zum jetzigen Zeitpunkt nur sagen, dass wir vielleicht erste Anhaltspunkte gewonnen haben, aber wir sind noch weit von abschließenden Erkenntnissen entfernt. Der bisherige Ausschluss des iPods ist in der Tat ein Nutzungsbarriere, wenngleich die CDs, die sie heute verleihen, ja auch nicht originär für den iPod geeignet sind, sondern zunächst einmal „nur“ für die stationäre Nutzung geeignet sind. Und das bietet auch die Onleihe schon heute – mehr noch: viele mobile Endgeräte werden schon heute originär unterstützt.

    Eine erste Rückmeldung zur Nutzung des Musikangebotes bei den Pilotbibliotheken kann ich Ihnen jedoch schon einmal jetzt geben: in den durchschnittlich zwei Monaten, die die Onleihe jetzt in den vier Pilotbibliotheken läuft, sind bis jetzt weit mehr als 2’000 Musikalben ausgeliehen worden – in unseren Augen durchaus ein Achtungserfolg, wenngleich diese Ausleihzahlen noch deutlich ausbaufähig sind. Auf dem nächsten Bibliothekskongress werden wir da mit Sicherheit bereits deutlich aussagekräftigere Zahlen nennen können. Alle digitalen Medienangebote sind zunächst einmal von niedrigem Niveau gestartet: selbst Napster.

    Es wäre schön für uns, wenn Sie auch uns die Ergebnisse der von Ihnen beschriebenen Umfrage zur Verfügung stellen könnten. Und besonders interessant wäre es, wenn es auch gelingen würde, die bisherigen Nicht-Nutzer zu erreichen. Und auch die öffentliche Wahrnehmung einer Bibliothek durch die Bürger einer Stadt wäre von Interesse: hilft z.B. eine Onleihe, die öffentliche Wahrnehmung der Institution Bibliothek zu „modernisieren“? Es gibt also noch reichlich interessante Themen rund um die Onleihe.

    Mit freundlichem Gruß

    Holger Behrens
    Geschäftsführer DiViBib GmbH

  14. Hallo Anonymität bevorzugende Lara,

    auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen kann, worauf Sie Ihre Einschätzung zu meiner Person stützen,

    1. Mich würde es tatsächlich wundern, wenn Herr Behrens über den Profit hinaus ein Interesse an der Verbreitung von Medien hat.

    da wir uns bis jetzt, glaube ich zumindest, noch nicht persönlich kennen gelernt haben, möchte ich gerne Ihre Unterstellung kommentieren: Selbstverständlich arbeiten alle Mitarbeiter der DiViBib GmbH, unter Ihnen 5 Bibliothekare, hier, um Geld zu verdienen. Darüberhinaus verbindet uns hier aber alle eine Leidenschaft für Medien und die Sache. Viele von uns haben sich eine Dienstleistung wie die Onleihe schon lange gewünscht und wir sind stolz darauf, dass wir den öffentlichen Bibliotheken dabei helfen dürfen, diese Dienstleistung anzubieten. Freude an der Verbreitung von Medien ist keine exklusive Wesenseigenschaft von Bibliothekaren. 😉 Aber vielleicht lernen wir uns ja mal auf dem nächsten Bibliothekstag persönlich kennen und Sie können sich danach ein qualifiziertes Urteil erlauben, ob die Mitarbeiter der DiViBib GmbH und ich tatsächlich der “ Klassenfeind“ sind, als der man uns in diesem Blog darstellen möchte.

    Ich weiß nicht, wann und wo ich die von Ihnen mir unterstellte Behauptung geäußert habe soll.

    2. Mich überrascht es sehr, dass jemand, der nicht einmal in einer wissenschaftlichen Bibliothek arbeitet, sich anmaßt zu behaupten, wiss. Bibliothekare hätten keine Ahnung, was in ÖBs passiert.

    Ich muss gestehen, dass mich Ihre Unterstellung und der darin Zutage tretende Stil etwas irritiert. Mir ist zwar klar, dass im Kampf gegen den Klassenfeind jedes Mittel recht ist, aber ich bin immer davon ausgegangen, dass gerade im bibliothekarischen Bereich ein ausgeprägter Hang zur Sachlichkeit und Unvoreingenommenheit besteht. Ich habe in meinem Leben sowohl die Dienstleistungen von WBs, als auch von ÖBs intensiv genutzt und muss sagen, dass zumindest meine Bedürfnisse an die Bibliothek jeweils unterschiedliche waren. Ich habe nur meine Öberraschung zum Ausdruck gebracht, dass WB-Mitarbeiter die Nutzer von ÖBs und deren Bedürfnisse so gut kennen und hier einzelne WB-Mitarbeiter die Kollegen aus den ÖBs als „ignorante Dummköpfe“ diffamieren. In der Verlagsbranche würde sich ein Mitarbeiter aus einem wissenschaftlichen Verlag niemals so ein Urteil über die Kollegen der Publikumsverlage erlauben.

    Viele Tausend Nutzer der Onleihen der Pilotbibliotheken teilen definitiv Ihre Einschätzung nicht und belegen, dass es offensichtlich sehr wohl eine Zielgruppe für die Onleihe gibt. Oder zählen diese Kunden nicht, weil sie Ihre völlige Ablehnung von DRM nicht teilen? Und sind nicht auch alle auf iTunes verfügbaren Titel auch in den illegalen Tauschbörsen zu finden? Warum kauft irgendjemand dann diese Inhalte? Gleiches gilt für die Hörbücher von Claudio und Audible.
    Ohne Frage sollte sich das Medienangebot der Onleihe noch erweitern, aber schon jetzt sind viele bemerkenswerte Inhalte darunter: so finde ich z.B. die Kauderwelsch Digital Sprachführer aus dem Reise-Know-How-Verlag sehr interessant, bei denen ich nicht nur die Texte habe, sondern auf Mausklick auch noch einen Muttersprachler den Text sagen hören kann. Das ist ein Mehrwert, den kein klassisches Medium bieten kann. Aber hier wird sich, genau wie bei iTunes und allen anderen neuen digitalen Angeboten, das Angebot stetig verbessern und insbesondere auch mit der Anzahl der beteiligten Kunden erweitern. Wir haben hier dummerweise ein klassisches Angebot-Nachfrage-Dilemma (ohne Nachfrage kein Angebot – ohne Angebot keine Nachfrage), das man nur durch Anfangen lösen kann.

    Lara, leider bringen Sie hier vor allem unsachliche Unterstellungen und Diffamierungen im Schutze der Anonymität vor,

    Das sind Leute, die sich gerne bauchpinseln lassen, und das beherrschen die Divibibs (anscheinend!) recht gut.

    und ich kann nicht nachvollziehen, wie diese das Bibliothekswesen voranbringen sollen.

    Gerade gestern ging die Meldung durch die Presse, dass Amazon und Google jetzt mit den E-Books (und den E-Book-Readern) ernst machen und es ist erst wenige Wochen her, dass Audible das Öberschreiten der Millionengrenze bei den Downloads vermeldet hat (alles mit DRM geschützten Inhalten). Aber alles was diesem Forum einfällt, ist es, einen ernsthaften Versuch die öffentlichen Bibliotheken in diese digitale Revolution einzubinden, schlechtzureden und die Träger dieses Versuchs (sowohl Anbieter, als auch Bibliotheken) persönlich anzugreifen.

    Ich finde das persönlich sehr schade und bin überzeugt, dass man die (ja offensichtlich) vorhandenen Energien deutlich besser einsetzen kann. Beiträge von FH oder Herrn Schleiwies bilden hier die erfreulichen Ausnahmen.

    Mit freundlichem Gruß

    Holger Behrens
    Geschäftsführer DiViBib GmbH

  15. Hallo AndreasP,

    es tut mir leid, dass ich Herrn Dr. Graf fälschlicherweise in die Ecke von WBs gerückt habe. Aufgrund seiner Tätigkeit als Archivar habe ich ihn dem WB-Betrieb zugeordnet.

    Ich habe den Beitrag von Herrn Dr. Graf sehr genau gelesen und wenn uns der Lüge bezichtigt, dass man attraktive digitale Inhalte nur mit DRM-Schutz bekommen kann, dann wird die Nachfrage nach Details erlaubt sein.

    Für Remote-Access-Angebote mit bestimmter Fachliteratur oder lexikalischer Information ohne DRM muss man gar nicht bis in die USA gehen – Munzinger & Genios & Co. bieten sehr viele ÖBs schon seit Jahren an. Herr Dr. Graf versucht jedoch in seinem Beitrag zu suggerieren, dass es ein gleichartiges Angebot zu unserem in den USA auch ohne DRM gibt – dies ist schlichtweg falsch. Man darf hier Äpfeln nicht mit Birnen vergleichen. Ich sage nicht, dass die Äpfel „Remote Access“ nicht schmackhaft sind, aber die Birnen „E-Books, Hörbücher & Videos“ sind einfach auch nicht zu verachten.

    Die DiViBib GmbH hat sich ja gerade zum Ziel gesetzt, auch populäre, nicht-wissenschaftliche Inhalte ebenfalls für Bibliotheksnutzer verfügbar zu machen. Und auch wenn Herr Dr. Graf das bestehende Urheberrecht und Eigentumsverständnis von geistigem Eigentum beklagt, so bleibt es doch geltendes Recht. Und diesem geltenden Recht fühlt sich die DiViBib GmbH, als Tochtergesellschaft der ekz.bibliotheksservice GmbH, nun mal genauso verpflichtet, wie den Kundenwünschen und den (erfüllbaren) Bedürfnissen von Bibliotheksnutzern.

    Mit freundlichem Gruß

    Holger Behrens
    Geschäftsführer DiViBib GmbH

  16. Hallo iKante,

    die DiViBib GmbH ist zu Beginn ihrer Tätigkeit häufig von den öffentlichen Bibliotheken gefragt worden, wofür man denn in dem Modell noch die einzelnen öffentlichen Bibliotheken benötigt und warum man nicht einfach einen zentralen Dienst eröffnet. Die Antwort darauf hat zwei Facetten:

    1. Die DiViBib GmbH ist eine Tochtergesellschaft der ekz.bibliotheksservice GmbH und geht auf einen Aufsichtsratsbeschluss der ekz aus dem November 2005 zurück. Damals hat der Aufsichtsrat der ekz, in der Hauptsache Bibliothekare aus der gesamten Republik, entschieden, dass es eine Institution geben sollte, die den ÖBs dabei hilft, ihren Nutzern „digitale virtuelle Bibliotheken“ (heute „Onleihen“) anzubieten und an der digitalen Revolution teilzuhaben und diese mit zu gestalten. In diesem Sinne steht auch die DiViBib GmbH in der sechzigjährigen Tradition der ekz – (zentrale) Dienste zu ermöglichen, die einzelnen öffentlichen Bibliotheken allein nicht, oder nur deutlich ineffizienter/teurer, möglich wären. Die DiViBib GmbH ist letztlich „Erfüllungsgehilfe“ des wohl überlegten, vorausschauenden Bibliothekswunsches und mit Sicherheit das absolute Gegenteil von „Dummenfängerei“ wie Herr Dr. Graf meint.
    2. Die DiViBib GmbH ist ein ernster Versuch, der Vision der hybriden Bibliothek ein Stück näher zu kommen. Wir sind davon überzeugt, dass man durch die intelligente Verknüpfung von analogen und digitalen Dienstleistungen den Bibliotheksnutzern Mehrwerte bieten kann. Hierbei wollen wir die jetzigen Träger der Bibliotheksarbeit unterstützen.

    Zur „DRM-Würdigkeit“ der Onleihe-Inhalte haben schon jetzt viele Tausend Bibliotheksnutzer eine Meinung, die sich augenscheinlich sehr deutlich von der Ihren unterscheidet.

    Mit freundlichem Gruß

    Holger Behrens
    Geschäftsführer DiViBib GmbH

  17. Zur Teilnahme an der digitalen Revolution – oder am Web 2.0, bis vor kurzem war dies ja noch im Header zu lesen – braucht es aber noch eine ganze Menge mehr als nur das Angebot von DRM-Materialien. Die Kritikpunkte, die Patrick Danowski beim Start des Angebots äußerte sollte man sich eventuell nochmal zur Gemüte führen. Und natürlich auch die Kommentare dazu. IMHO hat sich an der ursprünglichen Sachlage nicht viel geändert:
    http://www.bibliothek2null.de/2007/07/08/onleihe-digitale-bibliothek-05