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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Ticer 2007 – international, fürwahr!

Einer meiner Lieblingsmomente in der International Summer School „Digital Libraries à la Carte“ im niederländischen Tilburg hatte mit den groÃ?en bibliothekarischen Fragen nichts zu tun: Beim abendlichen Bier in der Bar wurde der US-amerikanische Referent Eric Lease Morgan von einer Sammlung europäischer KollegInnen in die Geheimnisse des Grand Prix eingeführt. Das gemeinsame Absingen von Eurovisions-Knallern wie „Ein bisschen Frieden“ und „Waterloo“ hätte anderntags auch gut in den Podcast-Workshop von David Free gepasst – der aber auch ohne solche Showeinlagen heiter genug war, ebenso die darauffolgenden Veranstaltung zu Bibliotheksdiensten in sozialen Netzwerken. Lisa Janicke Hinchliffe, Leiterin der Undergraduate Library in Urbana-Champaign, hat sich und ihrem Team das Experimentieren mit 2.0-Diensten auf die Fahnen geschrieben. Bei ihr wird getwittert, gebloggt und genetworkt – zum Beispiel mit eigenen MySpace– und Facebook-Seiten. Das Experimentieren ist erwünscht, Scheitern erlaubt (das Blog wird zugunsten von Twitter eingestellt), und alle Aktivitäten werden getragen von der Ã?berzeugung, dass die Gewandtheit im Umgang mit diesen und künftigen Kommunikationsformen eine Schlüsselkompetenz für BibliothekarInnen ist.

Einen dritten Workshop gab es zum Thema Open Source-Software und XML. Mit Eric Lease Morgan (u.a. Gründer der empfehlenswerten Mailingliste NGC4Lib) haben wir innerhalb weniger Stunden einen OPAC auf Basis von Suchmaschinentechnologie entwickelt, kompetent über MARC seufzen gelernt und erste Schritte in Richtung Mash-Up getätigt. Das Handout von Eric lässt sich mit ein bisschen Hilfe der EDV-Abteilung als Tutorial für Katalog 2.0-Anfänger verwenden. Interessierte an diesem Trend hätten auch Freude gehabt an Peter Binkleys Vortrag „The Modern Search“, in dem Funktionalitäten der „next generation catalogs“ auf den Gebieten der Visualisierung, Anreicherung und Offenheit für Benutzerbeteiligung und Export von bibliografischen Daten vorgestellt wurden.

Von den fünf Tagen in Tilburg ist zum Schluss noch der letzte hervorzuheben, der dem Thema Informationskompetenz gewidmet war. Spannend: Hier ging es nicht nur um die bekannten Fragen der Integration von IK-Veranstaltungen in die universitäre Lehre, sondern auch um die Schaffung von Learning Commons als physischen Lernorten in Bibliotheken und, vielleicht als wichtigster Trend auf diesem Gebiet, um die Potenziale von Computerspielen für das Erlernen von Techniken für die Recherche und Verarbeitung wissenschaftlicher Informationen. Der Rolle des „Gamings“ in und mit Bibliotheken war kürzlich übrigens ein ganzer ALA-Workshop gewidmet. Ticer-Referent Igor Mayer gab in seinem Vortrag insbesondere den Spiel-Skeptikern Antworten auf die Frage, warum sich Bibliotheken mit Spielen und virtuellen Welten wie SecondLife beschäftigen sollten („Well, games are a new form of literacy and narratives. They are a new medium for interactive storytelling“).

Nachlesen lässt sich das Programm der Summer School, in dem neben den genannten auch Open Access ein groÃ?es Thema war, Website von Ticer. Blog-Posts über die Konferenz – – u.a. von den niederländischen Bibliobloggern Wouter, Rob, Ane und Bieb – sowie Links aus den einzelnen Veranstaltungen wurden eifrig bei del.icio.us gesammelt. Die Teilnahme an der Summer School ist nicht ganz billig – die internationalen ReferentInnen, das vorzügliche kulinarische Rundum-Sorglos-Paket und die erhebenden „Wir sind Europa“-Gefühle sind aber unbedingt ihren Preis wert.

2 Kommentare

  1. Danke Anne.

    Aber…
    The blogs are collected on http://del.icio.us/wowter/ticer. Small difference, but significant.

    Cheers
    Wouter

  2. Wouter – maybe you misunderstood: I wasn’t refering to your delicious-collection specifically. A couple of other people – including myself – use the tag „ticer“. I wanted to make sure that these links can be found as well, so I addressed the the whole tag.

    Cheers,
    Anne