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Tagesspiegel schwadroniert über Zeno

Was Online-Bibliotheken wie Zeno.org mithin fehlt, lässt sich im einschlägigen Jargon so formulieren: Premium-Content. Das wiederum liegt nicht allein an den Betreibern der Seiten, sondern an einem Dilemma geisteswissenschaftlicher Ã?ffentlichkeit: Da werden exzellente, aber teure Klassiker-Editionen mit viel Aufwand erarbeitet und maÃ?geblich durch öffentliche Gelder finanziert. Dann wandern sie mit allen Rechten in die Hände privater Verlage, die kaum erschwingliche Ausgaben vor allem an Bibliotheken losschlagen, die diese wiederum deshalb kaufen können, weil sie ebenfalls öffentlich subventioniert sind. Diesen gordischen Knoten mögen jedoch die an Markenpflege geschulten Geisteswissenschaftler und Literaturlobbyisten nur ungern zerschlagen: Kafka bei S. Fischer â?? das klingt eben weit besser als Kafka bei WeWeWe Kafka DeE.

Bei aller Weitsichtigkeit des Tagespiegels : Man kann Zeno schlecht etwas vorwerfen was Gutenberg.de nun auch nicht tut, dort ist Kafkas „Amerika“-Roman auch nicht als „Der Verschollene“ einsortiert und eventuell müssen bei dem Projekt noch die Quellen ergänzt oder fehlende Angaben nachgetragen werden – leider verlinkt der Tagesspiegel (natürlich) nicht auf den Blogkommentar zum Schlegel, ich finde ihn leider nicht und ich weiÃ? nicht wie schnell die Macher auf die Kritik geantwortet haben. Wäre ja mal interessant zu wissen bevor man über Zeilen lang von Kultur, Internet und Häppchen-Literatur schwadroniert.
Wobei was das Thema Quellennachweise anbelangt: Dass die Digitale Bibliothek – und damit Zeno – auch auf Quellenbänden von Bibliotheken fuÃ?t ist ihnen wohl entgangen…

9 Kommentare

  1. Zeno.org macht es mit den Quellenangaben im Gegensatz zu den meisten anderen Digitalisierungs-Projekten fast vorbildlich und sobald alle Bibliotheken Permalinks für ihre Kataloge haben, kann die Quelle auch direkt verlinkt werden, damit man bei Interesse direkt zum Original gelangen kann. Mit Zeno.org ist sowas auch eher möglich als mit anderen Projekten – sie arbeiten schon länger mit Bibliotheken und mit Wikipedia zusammen und sind sehr offen für Anregungen und Zusammenarbeit, was ja leider bei den meisten anderen Digitalisierungs-Projekten auch eher die Ausnahme ist.

  2. Moin,

    über Kommentare und Anregungen, wie wir besser werden können, freuen wir uns natürlich immer und vor allem bei der Metadaten-Verknüpfung ist sicher noch viel Arbeitsbedarf (für eine Website, die offiziell seit drei Tagen im Netz ist und natürlich über weite Teile Work in Progress sein muss.

    Zu „Amerika“: Natürlich mag es sein, dass das Romanfragment mittlerweile in der Fachwelt anders benannt ist, wir referenzieren allerdings auf Max Brod und geben den aktuellen Titel „Der Verschollene“ in unserer Bibliographie auch an: http://www.zeno.org/Literatur/M/Kafka,+Franz/Romane .

    Gruß aus der Zeno.org-Redaktion

  3. Öbrigens: Wenn die vielen von DFG & Co mit Millionen geförderten Digitalisierungsprojekte wenigstens ihre Metadaten mal vernüftig über OAI o.Ä. verfügbar gemacht hätten, anstatt alles nach Ablauf des Projektes auf irgendwelchen Servern oder CD-ROMs vergammeln zu lassen, wären wir auch schon weiter. Jetzt muss bei ZVDD in mühsamer Kleinstarbeit erstmal alles zusammengesammelt und in nutzbare Form übertragen werden – von einer einheitlichen Volltextsuche wie bei zeno.org ganz zu schweigen. Im Gegensatz zu den Digitalisierungsprojekten und ihren Geldgebern hat zeno.org außerdem ein Wiki und weitere Feedbackmöglichkeiten und reagiert auch auf Verbesserungsvorschläge!

  4. Zur Volltextsuche,

    Vlado bastelt gerade an unserer Suchmaschine und will damit auch ausgewählte externe Projekte crawlen (siehe http://wiki.zeno.org/Zeno:ZenoBot). Wenn sich die verschiedenen DFG-geförderten Projekte auf diese Weise mitgreifen lassen wären wir auch einen Schritt weiter hin zur gemeinsamen Nutzung aller Digitalisate im Netz.

  5. Ich versuch‘ mal rauszufinden, ob man bei ZVDD auch irgendwie nach Projekten suchen kann, die auch Volltexte anbieten und wie denn nun genau das ZVDD-Datenformat aussieht (die öffentliche Dokumentation ist da ja leider lückenhaft und mit der Angabe „leicht vereinfachtes MAB2-Format“ kann praktisch niemand etwas anfangen, so lange nicht mal offen dokumentiert wird, wie das denn konkret genau aussehen soll) und wie ihr die ZVDD-Daten abrufen könnt – dann könntet ihr darauf aufbauend weitere Quellen indexieren.

  6. Das ZVDD mitsamt seinen Daten kann man getrost völlig vergessen: ein lächerliche Geldverschwendung ohne jeden Nutzen ist das.

    Das sind zugegeben starke Worte, aber hier mal zwei Belege dafür:

    a) Man vergleiche das hier mit dem.

    b) Man vergleiche das und das mit dem.

    Das ZVDD bildet nicht mal die paar DFG-Projekte adäquat ab, geschweige denn vom Rest der Welt.

  7. Zur Volltextsuche: Alle unter http://www.zvdd.de/sammlungen.html in der vierten Spalte mit einem organgen „V“ gekennzeichneten Projekte bieten Volltexte. Ich hab eben mal ein Skript geschrieben, das die Projekttitel und Einstiegs-URLs ausliest.

  8. Hi Jakob,

    gibt es für private Projekte wie Zeno.org oder auch Wikisource eine Möglichkeit, in der Liste des zvdd aufgenommen zu werden? Wäre imho ein Vorteil für alle Seiten, oder? Gruß

  9. Aufnahme ist weniger ein Problem als die Lieferung der dazu benötigten Daten. Das aktuelle Datenformat für Lieferungen an ZVDD ist hier beschrieben, ohne MAB-Grundkenntnisse ist das zwar nur bedingt hilfreich aber schon mal ein Anfang, um ein Mapping von euren Daten auf MAB zu erstellen. Für die ausführliche Dokumentation unter http://www.zvdd.de/dokumentation.html ist die AG SDD verantwortlich. Ich kann mir eure Daten im Rohformat auch mal ansehen, wie aufwändig die Umsetzung nach MAB wäre. Schöne Grüße!