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OCLC-Studie zu Bibliotheken und Social Networking

Nach der viel zitierten Studie „Perceptions of Libraries and Information Resources“ aus dem Jahr 2005 hat OCLC dieser Tage ein weiteres Ergebnis seiner Marktforschungsaktivitäten vorgelegt: „Sharing, Privay and Trust in Our Networked World“ heisst das 280 Seiten umfassende Werk, das die Ergebnisse einer Befragung von gut 6100 Internetnutzern und 382 US-amerikanischen Bibliotheksdirektoren zuzusammenfasst. Fazit einer ersten schnellen (!) Lektüre: Trotz groÃ?en Vertrauens in Bibliotheken hinsichtlich eines verantwortungsvollen Umgangs mit persönlichen Daten besteht einige Skepsis hinsichtlich des Umbaus von Bibliotheks-Websites oder -Katalogen zu sozialen Netzwerken. Ein Dämpfer für Bibliothek 2.0-Aktivisten?

Die Zahlen sind deutlich: Nur 7% der Befragten insgesamt können sich vorstellen, persönliche Literatur- und Linklisten zur Einsicht durch andere zu öffnen, der Prozentsatz derer, die RSS-Feeds nutzen, bewegt sich auf einem ähnlich niedrigen Level. Aber halt! Wer wurde hier eigentlich befragt? Erstmals auch Nutzer aus Deutschland – 846 an der Zahl – was eine gute Sache ist, weil die Studie dadurch auch hierzulande Gültigkeit hat. Die jüngere Zielgruppe im Alter von 14-21 Jahren machte allerdings nur 20% der Stichprobe aus (in Deutschland nur 17%). Es ist davon aber davon auszugehen, dass dies die jetzigen und künftigen Hauptbenutzer von sozialen Netzwerken sind. Insbesondere aus Sicht von Universitätsbibliotheken wäre es deshalb interessant, noch Genaueres zu den Haltungen der jüngeren Internetnutzer zu bibliothekarischen Aktivitäten in sozialen Netzwerken herauszufinden.

Und auch OCLC selbst scheint nicht allzu schwarz zu sehen, was die in Zahlen ausgedrückte Skepsis von Benutzern gegenüber der Bibliothek 2.0 angeht: Am Ende des Reports kommen einschlägige Experten wie Meredith Farkas und Brian Mathews zu Wort und brechen eine Lanze für partizipative Bibliotheksdienste. Bestimmt interessantes Lesefutter für einen Herbstnachmittag auf dem Sofa – vielleicht gibt die genauere Lektüre dann auch noch die Antwort auf die Frage, inwieweit die Ergebnisse der Studie die Strategie von OCLC beeinflussen werden. Ich finde nämlich, dass daraus durchaus ein Plädoyer für offene Kataloge und freie Daten zur gefälligen Weiterverwendung durch unterschiedliche Nutzergruppen zu lesen ist!

2 Kommentare

  1. Die Frage, ob „Sozialen (online)-Netzwerke“ genutzt werden ist ebenso überflüssig wie vor gut 10 Jahren die Frage, ob „das Internet“ genutzt wird (und daran anschließend die Frage, ob sich Bibliotheken damit beschäftigen sollten). In Deutschland sind praktisch alle Studenten bei StudiVZ und andere Dienste wie MySpace, YouTube etc. sind jedem bekannt, der nicht gerade als Computer-Abstinenzler lebt. Wo gemeinsame Interessen und eine einfach zu Bedienende Plattform da ist, wird auch kommentiert und kollaboriert, was das Zeug hält, dafür brauch es keine Studien. Die Frage ist eher, was nun genau Bibliotheken damit zu tun haben können.

  2. Hallo zusammen,
    kürzlich hat die „ARD-ZDF-Online-Studie“ (http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/)
    ein ähnliches Ergebnis zu Web-2.0-Diensten erbracht wie die von Anne zitierte OCLC-Studie.
    Zitat: „Das Mitmachnetz Web 2.0 wird inzwischen von nahezu allen Onlinern genutzt. Allerdings steht weiterhin der passive Abruf und nicht das aktive Erstellen von Inhalten im Vordergrund. Beliebtester „User Generated Content“ bleiben Online-Nachschlagewerke wie „Wikipedia“ und Videoportale, die 47 Prozent bzw. 34 Prozent der Onliner schon genutzt haben. Allerdings haben erst 6 Prozent der Nutzer dieser Anwendungen schon einmal einen Beitrag für Wikipedia verfasst, 7 Prozent einen Film in ein Videoportal eingestellt und 2 Prozent eine eigene Spielfigur in einer virtuellen Welt wie Second Life geschaffen.“