netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Stadtteilbibliotheken

Ein Beitrag von unserem Gastautor Axel Schaper:

Die in netbib als im Bestand gefährdet genannten Bibliotheken haben gemein, dass sie in Gebieten der sozialen Stadtteilentwicklung liegen: die Jerusalem Bibliothek in Berlin Wedding (Nauener Platz/ ExWoSt ) und die Internationale Bibliothek in GieÃ?en Nordstadt. Insoweit eine Bibliothek nicht völlig abgewirtschaftet ist, sollte eigentlich ein striktes Gebot der Erhaltung von Ã?ffentlichen Bibliotheken in diesen Gebieten gelten, können diese doch gerade hier ihre kommunikativen und sozialen Funktionen entfalten.
Eine anerkannte Erfolgsbedingung für soziale Stadtteilentwicklung ist das sich gegenseitig ergänzende Zusammenwirken der Akteure (staatliche Behörden, freie Träger und Vereine) â?? verzwickt ist, dass das, was zu schaffen ist, zugleich schon vorhanden sein muss.
Als Beispiel für good practice ist hier einmal Hamburg zu nennen, wo in Barmbek-Süd bis 2009 ein Community Center errichtet werden soll, das eine solche Kooperationsbeziehung schon im Prozess der Entstehung institutionalisiert und hier wegen der Beteiligung der Bücherhalle Dehnhaide interessiert. Barmbek-Süd ist seit 1999 Programmgebiet der sozialen Stadtteilentwicklung (auch des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt), aktuell ist es eines von sechs Gebieten der nunmehr ‚Lebenswerte Stadt Hamburg‘ genannten Initiative. (Die Stadtplanungsabteilung des Bezirks Hamburg Nord zum Quartier Dehnhaide, die Geschichte der ‚Quartiersentwicklung in Barmbek-Süd‘ findet sich einer schönen Broschüre vom September 2007 (5,65 MB!).

Die Bücherhalle arbeitet nach dem Konzept der Nachbarschaftsbibliothek, das als Zielgruppe insbesondere Familien und Kinder benennt; die Ã?ffnungszeiten sind Mo Do von 10-13 / 15-18 Uhr. Unmittelbar dieser Bücherhalle wie auch des Stadtteilkulturzentrums Kulturhaus Dehnhaide liegt die Kreuzkirche, die nach Fusionierungen mit anderen zur Kirchengemeinde Alt-Barmbek den Bedarf für ein neues Gemeindezentrum hatte. Aus dessen Planung entstand nach moderierten Diskussionsprozessen die Idee der Vereinigung dieser drei Institutionen sowie vier weiterer staatlicher und freier sozialer Einrichtungen unter einem baulichen Dach. Die bauliche Konzeption übernimmt der bewährte Sanierungsträger STATTBAU HAMBURG. Ã?beraus interessant ist jetzt aber, das auch inhaltlich für die gemeinsame Arbeit Konzepte formuliert werden. Mit dieser Konzeptentwicklung wurde STADTKULTUR HAMBURG e.V. (früher Landesverband Soziokultur, der Zusammenschluss der Stadtteilkulturzentren) betraut. Dessen Geschäftsführerin, Frau Fietz stellte am 17.11.07 auf dem 8. Hamburger Ratschlag Stadtteilkultur das Konzept vor. Die Arbeit wird unter â?? allgemein formulierten â?? Leitsätzen stattfinden. Es soll ein professionelles Management geben (Programm, Fundraising, Marketing). Profilbildung soll in den Bereichen Begegnung und Kommunikation, Kompetenzerwerb, Beratung und Unterstützung sowie Stadtteilleben und Engagement erfolgen.
Kenner werden hier zu Recht den Einfluss der idea stores bei der Konzeptbildung erkennen. Hinsichtlich nach Altersklassen unterteilter Zielgruppen wird das geplante Zentrum für Jugendliche weniger ein Ort sein. (Die Familienorientierung hat auch das Programm ‚Lebenswerte Stadt‘. Dies gilt auch für die Nachbarschaftsbibliothek. Allerdings ist daran zu erinnern, dass ein wichtiger Entstehungsgrund für diese Konzeption war, zumindest mit einem reduzierten Programm einen gefährdeten Standort zu erhalten.) Lag die Bücherhalle früher hinter der Kirche, so wird ein zukünftiges Zentrum unter den Kirchturm liegen. Dies erscheint mir in Bezug auf nicht-gläubige oder nicht-christliche NutzerInnen ein Problem zu sein. Eine Ã?bersicht findet sich in dem Artikel ‚Ein neues Stadtteilhaus für Dehnhaide‚ von Yvonne Fietz.
Es ist zu hoffen, dass STADTKULTUR HAMBURG auch die umfangreiche Konzeption zugänglich machen wird.

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

3 Kommentare

  1. Pingback: IBI-Weblog

  2. „Leseförderung in Netzwerken“ hieß der Titel einer gelungenen Tagung der Körber-Stiftung in Hamburg (Tagungsbericht: http://tinyurl.com/yqhwop ). Den schönen Titel möchte man auch für ein weiteres beachtenswertes Hamburger Beispiel von vernetzter stadtteilbibliothekarischer Arbeit verwenden. „Im Rahmen des „Entwicklungskonzeptes Horn, Mümmelmannsberg, Billstedt“ werden 13 sogenannte Fachgespräche geführt, die den Bezirk Mitte in die Lage versetzen sollen, eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Aktivitäten der verschiedenen Institutionen und Initiativen aufzunehmen und in entsprechende Zukunftsplanungen zu integrieren“, heißt es in dem Bericht, der zu dem Fachgespräch Leseförderung erschien ( http://tinyurl.com/25xs4m ) Dieses Gespräch fand in der Bücherhalle Horn statt; ein wichtiger institutioneller Rahmen hierfür ist das „Billenetz“ ( http://www.billenetz.de/index_html ), dem im Hamburger Osten gelegenen Bildungsnetzwerk als Teil des bundesweiten Programms „Lernende Regionen – Förderung von Netzwerken“ http://www.lernende-regionen.info/dlr/index.php

  3. Frau Märtens weist darauf hin, dass sich die Themen, Termine, Diskussionspapiere und Protokolle der Billstedt/Horner Fachgespräche hier finden:
    http://www.billenetz.de/box_methods/Fachgespraeche