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Dänische Inspirationen: Katalog 2.0, Web Archiving und Musik-Onleihe

InetBib hin, BibCamp her: So einen interessanten Tag wie diese Woche in der dänischen Statsbiblioteket in Aarhus hatte ich schon lange nicht mehr! Keine ganz neue Einsicht, aber trotzdem: Ein individuelles Besuchsprogramm in anderen Bibliotheken gibt mitunter mehr her als das Konsumieren von Vorträgen und Kaffee auf den einschlägigen Konferenzen.

Dummerweise habe ich meine Fotoapparat vergessen, sonst hätte ich als erstes die Sofaecke mit Flachbildschirm und Playstation dokumentiert, die das GroÃ?raumbüros der Entwicklungsabteilung ziert. Keine Ahnung, wie der Rest der Bibliothek darüber denkt, aber hier wird ganz offensichtlich darauf Wert gelegt, eine kreative Atmosphäre zu schaffen – wofür es auch zeitlich Platz gibt: Am freitäglichen „Google Day“ entstehen aus Freiräumen zur Beschäftigung mit eigenen Ideen neue Dienste und Projekte. Erstklassiges Ergebnis dieser Praxis und Hauptobjekt meiner Neugier: Die selbst entwickelte Rechercheplattform Summa, ausführlicher Bericht zu diesem Katalog 2.0 im beluga-Blog.

Neben Summa gibt es auch für andere bibliothekarischer Herausforderungen interessante Lösungen, beispielsweise das Thema Web Archiving. Seit einer entsprechenden Ã?nderung im Pflichtexemplarrecht muss das dänische Web archiviert werden, wofür Staatsbibliothek und Königliche Bibliothek gemeinsam Netarkivet entwickelt haben: Hierfür werden Websites der Top-Level-Domain .dk mit dem Crawler Heritrix (der auch für das Internet Archive eingesetzt wird) eingesammelt und mit einem selbst entwickelten System, der frei verfügbaren Netarchive Suite,  erschlossen und archiviert. Pull statt push!

Und noch ein Dienst hat mich beeindruckt: Netmusik.dk, eine Art bibliothekarisches iTunes, für das die dänischen Bibliotheken in Zusammenarbeit mit der Musikindustrie eine Datenbank mit über 1 Millionen Musiktiteln und -noten  zur webbasierten Ausleihe zur Verfügung stellen. Die Metadaten zu diesen (und anderen)  audiovisuellen Medien flieÃ?en natürlich auch in Nachweissysteme wie dem eingangs erwähnten Summa ein – die in der Konsequenz auch deutlich stärker auf die Aufbereitung anderer Materialarten als dem gedruckten Werk ausgerichtet sind, als das bei hiesigen Katalogen der Fall zu sein scheint.

Ein Kommentar

  1. Ist es denn nicht so, dass die dänischen Bibliotheken schon sehr viel früher digitale Angebote in ihre Services aufgenommen haben (ich glaube, das dänische Pendant zur Onleihe hieß „Bibcast“). Ich finde gerade beispielsweise auch ein Filmportal dänischer Bibliotheken namens bibstream.