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Geschlechtergerechter Tag für Mannheim: Bibliothekstage_2008

Keine Ahnung, ob sich schon füher mal Kolleginnen und Kollegen mit der Benamsung unseres jährlichen Giga-Events mit dem diskriminierenden Titel Bibliothekartag auseinandergesetzt haben, aber Danilo Vetter hat das Thema „Geschlechtergerechte Sprache in Bibliotheken“ dankenswerter Weise (wieder?) auf die Agenda gerufen. Sein Artikel „geschlechtergerechte sprache in bibliotheken : 1. bibliothekar_innentag oder die angst vor der feministischen (!) schäferhündin“ fasst eine Diskussion aus den 1990er Jahren um das generische Maskulinum in der Schlagwortnormdatei zusammen, erklärt, warum geschlechtergerechte Sprache wichtig ist und macht vor allem Vorschläge für die Anregung einer Diskussion der Bezeichnung „Bibliothekartag“:

* kreative umgestaltung der eigenen namensschilder
* bei wortmeldungen konsequent von den â??bibliothekstagenâ? sprechen
* mit den veranstalter_innen ins gespräch über verwendung des generischen maskulinums kommen
* e-mails und briefe an die veranstalter_innen schreiben und um die verwendung geschlechtergerechter sprache bitten
* genügend mitstreiter_innen finden, die einen offenen brief formulieren
* beim berichten über die veranstaltung das tag â??bibliothekstage_2008″ verwenden
* das eigene sprechverhalten, während der tage und darüber hinaus kritisch analysieren
* …

Liebe Bloggerinnen und Blogger, Twitter-Zwitschernde und „social bookmarkers“: bitte unterstützt den Tag „bibliothekstag“ (oder Varianten)!

27 Kommentare

  1. Gute Idee. Nicht nur wegen des Gender-Aspekts. Bibliothekare und Bibliothekarinnen stellen ja auch eh nicht den größten Teil der Besucher. Öberwiegend werden das ja Bibliotheksmitarbeiter aus dem höheren Dienst sein, die oftmals keine oder nur eine geringe bibliothekarische Ausbildung haben.

    BibliothekarInnen auf dem zweiten Bildungsweg, sozusagen. ;o)

  2. Dipl.Bibl.=Bibliothekar/Bibliothekarin
    Wissenschaftliche Bibliothekare=gering ausgebildete auf dem 2.Bildungsweg? Da tobt der Klassenkampf! Schade, ich habe etwas mehr ‚Grandezza‘ im Umgang unter Kollegen/Kolleginnen erwartet…

  3. Ich dagegen hatte etwas mehr Kenntnis in der Erkennung von Emoticons erwartet.

  4. ist mir zu einfach. Erst einmal einschlagen und dann mit Piktogrammen relativieren. Trotzdem II*(

  5. Ich steh‘ gerade auf dem Schlauch: Was hat der Plural „Tage“ mit einer geschlechtergerechten Sprache zu tun? Und warum nciht „Bibliothekentage“?

  6. @JP: Der Plural hat damit in der Tat gar nix zu tun: Es geht darum Bibliotheks– statt Bibliothekartag zu sagen!

  7. Ah, jetzt! Ich hab’s begriffen. 🙂

  8. Au ja, Klassenkampf! Prekarier(Innen) aller Bibliotheken vereinigt euch!

  9. Ich finde Bibliothekartag eigentlich ganz passend. Jedenfalls sind die männlichen Kollegen dort prozentual stärker repräsentiert als in den Bibliotheken selbst (liegt vielleicht daran, dass vor allem der höhere Dienst hinfährt). In Leipzig heißt das immer Bibliothekskongress – das könnte man ja auch auf alle dieser Treffen ausweiten. Unter Bibliothekentag oder Bibliothekstag stelle ich mir mehr so einen Tag der offenen Tür in Bibliotheken, oder einen Weltgedenktag vor. Außerdem kann man traditionelle Begriffe auch einfach mal beibehalten und sich seinen Teil denken.

  10. Ich zitiere hier aus dem Leserbrief einer Frau, die sich zum Thema Ausdruck des Feminismus in der Sprache geäußert hat (Bild der Wissenschaft Heft 6, S. 17): „Ich beobachte meine Mitstreiterinnen, wie sie eine Angleichung auf formaler Ebene fordern und damit – sehr zur Freude der „Macher“ in Wirtschaft und Politik – ihre Energie auf Nebenschauplätzen vergeuden, während sich in der Realität nichts ändert. Statt gegenseitiger Achtung und harmonischer Zusammenarbeit wird der Graben zwischen den Geschlechtern immer tiefer.“
    Gerecht fände ich übrigens, wenn die Ebene unterhalb der Chefetage und aus den öffentlichen Bibliotheken stärker vertreten wäre.

  11. Den Bibliothekartag gibt es seit über 100 Jahren, die Akzentuierung des wissenschaftlichen Bibliothekswesens dort hat wohl mit der Rolle des Vereins Deutscher Bibliothekare bei dessen Ausrichtung zu tun. Verschiedene Verbände akzentuieren die Trennung von wissenschaftlichem und öffentlichem Bibliothekswesen mehr oder weniger stark und damit auch die vor allem in größeren wissenschaftlichen Bibliotheken stark ausgeprägte Abgrenzung der beamtenrechtlichen Laufbahntypen voneinander. Öbrigens ist der Plural „-tage“ in diesem Zusammenhang gar nicht so irrelevant: Der Bibliothekartag ist lang, was vielen Frauen die Teilnahme erschwert – wegen privater und beruflicher Unabkömmlichkeit (z.B. sind Frauen im OPL-Wesen extrem überrepräsentiert)

  12. Ich schließe mich der Meinung von AG an: Bibliothekstag wäre für mich auch eher so was wie ein Tag der offenen Tür oder Gedenktag. Bibliothekskongress ist daher aber m. E. auch nicht so passend, denn es kommen ja Menschen zusammen, nicht Einrichtungen.
    Aber ich fühle mich als Frau da trotzdem nicht ausgeschlossen, wir haben ja auch Eisenbahnergewerkschaften, Ministerkonferenzen und Kochschulen. Gleichberechtigung sollte vor allem GELEBT werden. Namen sind Schall und Rauch…

  13. Ich bin froh, dass mein Vorschlag zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema geschlechtergerechter Sprache geführt hat. Ich möchte mich zu einigen Anmerkungen äußern und freue mich auf eine intensive Diskussion.

    @ Mizzi
    „Aber ich fühle mich als Frau da trotzdem nicht ausgeschlossen, wir haben ja auch Eisenbahnergewerkschaften, Ministerkonferenzen und Kochschulen. Gleichberechtigung sollte vor allem GELEBT werden. Namen sind Schall und Rauch…“
    Ich finde es schön, dass für Dich der sprachliche Ausschluß keine Rolle spielt. Ich denke, dass dieses Gefühl durch die häufige Verbreitung des generischen Maskulinums zurücktzuführen ist. Außerdem erlebe ich einen sehr unkritischen Umgang mit dem Geflecht von Macht, Sprache und Konstituierung von Subjekten. Ich weiß, dass es genügend Beispiele für die Verwendung des generischen Maskulinums gibt. Die Häufigkeit der Verwendung sollte uns aber nicht dazu verleiten dies als „normal“ und „gut“ hinzunehmen, sondern auch in diesen Fällen die Verwendung geschlechtergerechte Sprache einzufordern.

    @ Frank
    Mich interessiert, wo Du Hauptschauplätze für die Umsetzung geschlechtergerechten Handelns sehen würdest. Die Reflektion und Veränderung von Sprache ist eine von vielen Möglichkeiten und Aufgrund der Mächtigkeit von Sprechverhalten, in meinen Augen, alles andere als ein Nebenschauplatz.

    @ AG
    „Außerdem kann man traditionelle Begriffe auch einfach mal beibehalten und sich seinen Teil denken.“ Diese Meinung teile ich nicht, da ich keinen guten Grund kenne einen sexistischen Begriff weiter zu verwenden.

  14. Manchmal denke ich, hier wird lediglich eine Ideologie zur Konstitutierung von Subjekten von der anderen abgelöst. Ich bin überhaupt gegen präskriptive Sprachpolitik, ob das nun Rechtschreibreform, exzessive Movierung oder nun wirklich diskriminierende Formulierungen wie „Frauen und Behinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt“ sind. Die gesprochene Sprache wird sich dann selbst anpassen, wenn sich die gesellschaftliche Realität verändert. Aber Sprachveränderung allein schafft keine andere Realität. In vielen anderen Sprachen werden Frauen grammatisch z.B. wie Sachen behandelt, na und? Ich möchte frei mit Sprache umgehen und nicht bei jedem Satz sämtliche /Innen mechanisch aufführen müssen, obwohl ich gar nicht weiss, ob überhaupt Angehörige beiderlei Geschlechts am beschriebenen Sachverhalt beteiligt waren.
    ich bin weder eine Bibliothek(s) noch eine Bibliothekarin (nach hier weiter oben angeklungener Definition) oder ein Bibliothekar und fahre trotzdem hin und wieder zum Bibliothekartag. Das ist nämlich eine identitätsstiftende Veranstaltung (wir sind viele und vielfältig!) und zu Identität gehört Tradition, wie z.B. eine dauerhafte Bezeichnung.

  15. @AG Das scheint mir aber nicht gegen die Verwendung eines generischen *Femininums* zu sprechen. Wenn die grammatische Zweigeschlechtlichkeit zu viel verlangt ist, kann man ja auch mal einfach die Seiten wechseln.

  16. Moin,
    also Bibliothekstag finde ich gibt den Sachverhalt eines Bibliotkartages auch nicht korrekt wieder. Also es geht doch um die Bibliothekare und Bibliothekarinnen oder wie auch immer, die daran teilnehmen und nicht Bibliotheken, die daran teilnehmen. Ebenso wenig ist es eine Versammlung der Bibliotheken als Institution… (Können sich Bibliotheken versammeln?)
    In Anlehnung an die neuere Hamburger Sitte Studenten stets Studierende zu bezeichnen, schlage ich die Wortschöpfung Bibliothekierenden-Tag vor. 😉

  17. Geschlechtergerechtigkeit finde ich als Frau auf vielen Gebieten sehr wichtig. Aber im Bereich der Sprache geht sie mir auf die Nerven. Formulierungen wie „Sehr veehrte Kollegen und Kolleginnen, Studenten und Studentinnen usw.“ ziehen Sätze unnötig in die Länge und sorgen dafür, dass niemand mehr zuhört bzw. weiterliest, bevor noch das eigentliche Thema angesprochen wurde. Noch schlimmer finde ich das große I mitten im Wort. Das Geschlecht ganz wegzulassen funktioniert auch nicht, wie man sehr schön an den Bibliotheken sieht, die sich nicht versammeln können. Am vernünftigsten finde ich es, die Formen im Wechsel zu verwenden. In diesem Jahr sagen wir eben alle Bibliothekartag und beim nächtsten Mal nennen wir es Bibliothekarinnentag.

  18. @ AG
    „Das ist nämlich eine identitätsstiftende Veranstaltung (wir sind viele und vielfältig!) und zu Identität gehört Tradition, wie z.B. eine dauerhafte Bezeichnung.“
    Ja und genau darum geht es bei der dauerhaften Verwendung des generischen Maskulinums. Es ist ein Öberbleibsel längst vergangener Tage und entspricht in keiner Weise dem, was dieser Tage in Mannheim bewegen wollten: Wissen. Es gibt mittlerweile einige Forschungen, die aufzeigen, dass ein mitmeinen bei den RezipientInnen nicht als solches ankommt. Die Verwednung des generischen Maskulinums führt bei vielen zu Bildern und Vorstellung, die männlich geprägt sind. Ein beharren auf diskriminierende Sprache ist für mich nicht akzeptabel und entspricht für mich auch nicht dem modernen Bibliothekswesen, dass sich gern als offen und NutzerInnenorientiert sieht.

    Ein anderer Punkt in der Auseinandersetzung mit bibliothekarischer Identität und Tradition ist die Frage nach der Feminisierung dieses Berufsfeldes. Eine allein männliche Bezeichnung für einen „Frauenberuf“ ist alles andere als sinnvoll.

    @ Anirah
    Veränderungen im Sprachverhalten sind nicht einfach umzusetzen und Lesegewohnheiten zu verändern ist ebenfalls kein leichter Prozess. Aber es ist ein Prozess, den es anzugehen lohnt. Und trotz der Verwendung von Beidbennennung in dem Kommentar habe ich mit Interesse weiter gelesen, ohne an die Grenzen einer Lesbarkeit des Beitrags zu stossen.
    Ich denke mittlerweile, dass die beste Bezeichnung für den „traditionellen“ Tag „Bibliothekskongress“ wäre.

  19. Bei Bibliothekskongress könnte ich als Mann wieder meckern das ja das Wort Bibliothek feminin ist und mich das als Mann beleidigt.

    Was das -Innen angeht, fühlt Ihr Frauen euch dadurch nicht zu Suffixen (oder Suffixinnen?) degradiert?

    Also wenn man das Fass „Geschlechtergerechtigkeit“ aufmacht dann auch richtig und dann fordere ich in absoluter Konsequenz auch dazu auf alles dafür zu tun das Männer Kinder austragen können. Nur dann kann man wirklich von „Geschlechtergerechtigkeit“ reden.

    PS: Dieser Beitrag ist überzogen und satirisch zu betrachten.

  20. @ metatron

    Hm – was soll ich dazu noch sagen. Ein konstruktiver Beitrag hätte sicherlich mehr zur Diskussion beigetragen, als sich hinter Polemik und Spott zu verstecken. Schade 🙁

  21. Der „Bibliothekskongress“ hat leider den entscheidenden Nachteil das sich nun mal primär Menschen auf dem Bibliothekartag treffen und keine Bibliotheken. Darüber ob die Veranstaltung ein Kongress ist oder nicht könnte man dann auch noch Streiten.

    Ich persönlich sehe den Begriff „Bibliothekartag“ als Eigenname der Veranstaltung und ob sich eine Änderung in „Menschen-die-in-Bibliotheken-Arbeiten-Tag“ oder etwas ähnliches gezwungenes in irgendeiner Form positiv (oder negativ) für das Bild der Frau in der Gesellschaft auswirkt wage ich doch stark zu bezweifeln. Davon abgesehen das der Begriff „Mensch“ genaugenommen ja auch wieder ein Maskulinum ist.

    Ich persönlich empfinde diese Diskussion als Zeit und Energieverschwendung weil es einfach wichtigere Schlachtfelder gibt auf denen für die Rechte der Frauen gekämpft werden muß.

  22. Das kann ich nur unterstützen. Mir stösst das schon lange auf, das im überwiegenden Maße die männliche Schreibweise benutzt wird. Wenn Frauen nicht benannt werden, werden sie nicht entsprechend wahrgenommen, auch wenn schon einige der Kolleginnen in die obersten Ränge vorgedrungen sind. Wäre es umgekehrt der Fall, dass es Bibliothekarinnentag heißen würde, wären die Herren Kollegen ganz schnell auf den Barrikaden! Dies ist kein Nebenschauplatz!

  23. Ich halte die ganze Diskussion für obsolet, da der VDB das „Copyright“ für den Veranstaltungsnamen „Bibliothekartag“ (BT) hat. Der BIB und der VBD veranstalten die BTs, während der Bibliothekskongress (BK)einen noch größeren Background hat, nämlich die BID. Deswegen wird der BK in Verbandskreisen auch eher als eine Veranstaltung mit starker (gesellschafts)politischer Note gesehen, während die BTs eher den Charakter einer Fortbildungsveranstaltung haben. Das drückt sich auch im Programm aus.

  24. @Owl: Aber warum sollte man nicht mal auf den VDB zugehen und versuchen, eine Namensänderung zu erwirken? Mir ist schon klar, dass das systematische Tagging mit dem alternativen Namen, das ich in meinem Beitrag vorgeschlagen habe, eine Art Guerilla-Taktik ist. Und zwar gar nicht so un-erfolgreich – was neben der Intensität der Diskussion hier in meinen Augen beweist, dass die Diskussion keineswegs obsolet ist. Mir sind jedenfalls persönlich VDB-Mitglieder bekannt, die eine Namensänderung unbedingt unterstützen würden!

  25. @gk: Das sag ich auch immer, wenn mir jemand sagt, dass wir eh mitgemeint sind. Bei „Bibliothekarinnentag“ würde automatisch davon ausgegangen, dass es um eine Veranstaltung nur für Frauen geht. Aber bei „Bibliothekartag“ sollten wir Frauen mitgemeint sein? Ich habe Binnen-I und andere Versuche, geschlechtergerecht zu schreiben, früher auch als unnötig empfunden, aber mittlerweile fällt mir unangenehm auf, wenn sie fehlen. Zum Thema „Sprache ändert Wahrnehmung nicht“: oja, das tut sie. Beispiel: Sie finden einen Kollegen sehr nett, plötzlich beschimpft er sie aufs Gröbste. Sie werden die Meinung über ihn schnell ändern, oder? Dabei hat er doch nur gesprochen…

    @Anirah: Die Zeitschrift „Der österreichische Journalist“ hat einmal im Jahr eine Ausgabe mit dem Titel „Die österreichische Journalistin“. Ich würde es zwar halb-halb, also sechs Mal pro Jahr, besser finden, aber die Idee gefällt mir schon.

  26. @AC: Sind diese VDB-Mitglieder auch in den entsprechenden Entscheidungsgremien des Verbandes? Ansonsten verweise ich auf §6,6 der Satzung (http://www.vdb-online.org/verein/satzung.php), die eine 3/4-Mehrheit der zur Mitgliederversammlung erschienenen Mitglieder für eine Satzungsänderung nötig macht. Daher halte ich eine Namensänderung des Bibliothekartages nicht für sehr wahrscheinlich. Es würde mich im Öbrigen auch traurig stimmen, eine solch eingeführte, knapp 100 Jahre alte Marke wie den „Bibliothekartag“ zu verlieren.

  27. @ owl: Ich hoffe auf die Einsicht und auf die Fortschrittlichkeit eines offenen und wissensbewegten Bibliothekswesens. Ich war übrigens auch traurig, als die über 100 Jahre alten Preußischen Instruktionen abgelöst wurden. 😉