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Integrationsreport, zweite Folge

Vor einigen Wochen wurde der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge herausgegebene Integrationsreport fortgesetzt. Der Teil 3 behandelt ‚Die Einbürgerung von Ausländern in Deutschland‘. Wiederum wird der Augenmerk auf Datenlage und insbesondere Datenquellen gelegt, bietet somit ein Arbeitsmittel zur ErschlieÃ?ung von Daten auch auf kommunaler Ebene. (Das in der Reihe Working Paper nachfolgende Heft â?? ‚Die Datenlage im Bereich der internationalen Migration : Europa und seine Nachbarregionen‘ â?? liefert demgegenüber mehr eine Einschätzung nationaler und internationaler Datenbanken, die auf gesamtgesellschaftliche Migrationsprojektionen zielen. Mag dies kommunal kein Arbeitswerkzeug sein â?? für den Auskunftsdienst ist dies eine einführende Ã?bersicht über Datenbanken zur Migration.) Insoweit eine interkulturelle Bibliotheksarbeit nicht auf die Inszenierung von Kulturenklimbim sondern auf erwartbare Informationsbedürfnisse bestimmter Nutzergruppen abzielt, stellen Fragen der Einbürgerung ein zentrales Auskunftsfeld dar. (Ab 2008 stellt sich das fatale Problem der Optionskinder: nach der Ã?nderung des Staatsangehörigkeitsrechts 2000 konnte eine Gruppe von Kindern für die Einbürgerung bei Hinnahme von Mehrstaatigkeit optieren; nunmehr beginnt die Verpflichtung, sich für die deutsche oder die elterliche/n Staatsangehörigkeit/en zu entscheiden. Man kann nur hoffen, dass deutsche Bibliothekare diese Jugendlichen nicht in die Systemgruppe Optik schicken.) Ã?brigens stünde es dem deutschen Bibliothekswesen als Einrichtung einer Demokratie gut zu Gesicht, sich institutionell die Förderung von Einbürgerung als Ziel zu setzen. Angesichts der restriktiven verfassungsgerichtlichen Interpretation von Volk (Art. 20 (2) GG) als Gesamt der Staatsangehörigen lässt sich nur durch Einbürgerung die dramatische Kluft zwischen wahlberechtigtem Staatsvolk und tatsächlicher Bevölkerung verringern. Eine politische Bewertung der Einbürgerung findet sich in dem hervorragenden Gutachten von Thränhardt ‚Einbürgerung : Rahmenbedingungen, Motive und Perspektiven des Erwerbs der deutschen Staatsangehörigkeit‘, das für die Friedrich-Ebert-Stiftung (Gespächskreis Migration und Integration) erstellt wurde. Thränhardt (2008 emeritiert) gehört zu den Migrationsforschern, die die Anwendung ihrer Erkenntnisse im Blick haben. Ein schönes Beispiel ist der Titel: SelbstHilfe : wie Migranten Netzwerke knüpfen und soziales Kapital schaffen / Karin Weiss … (Hrsg.). Behandelt wird die â??Vereinsbildungâ?? von Migranten; es lassen sich viele Hinweise über mögliche Kooperationspartner von Bibliotheken finden.

 

 

 

 

 

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