netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Tipps gesucht

Mich erreichte eine Anfrage, bei der es um das Thema bibliothekarische Blogs (Schwerpunkt Forschungsbibliotheken) geht, Zitat:

In diesem Rahmen bereiten eine Kommilitonin und ich eine Präsentation und einen Bericht über informationswissenschaftliche/bibliothekarische Blogs vor. Ziel dieses Referats ist es herauszufiltern, worüber die Bibliothekswelt momentan in Blogs spricht. Also beispielsweise zukünftige Entwicklungen innerhalb von Forschungsbibliotheken, wie die Weiterentwicklung von Nationallizenzen oder E-Science.
Leider fällt es uns recht schwer in Ihrem Blog zukunftsweisende Themen herauszulesen.

Ich grüble noch über einer Antwort, vielleicht kann ja jemand in der Kommentarfunktion hier in Vorlage gehen ;-). So aus dem Stand weiss ich auch nicht, worüber die (Forschungs)Bibliothekswelt spricht…evtl. wird in Arbeitskreisen und Gremien darüber diskutiert, mal ein Weblog einzurichten? SCNR

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

13 Kommentare

  1. Kann mir nicht vorstellen, dass das so klappt: Nationallizenzen, Subito, ZVDD, Vascoda — scheinen mir z.B. Themen zu sein, die erstmal im kleinen Kreis fertiggebacken werden, um erst dann der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

  2. Ich grübele gerade an der gleichen Frage herum. Momentan beschäftigt deutsche Bibliotheksblogger also offensichtlich diese Mail. Ich gehe davon aus, dass es nicht die Antwort ist, die die Studierenden erhalten wollten.

    Meine ersten Ideen:
    – DRM (Onleihe, Subito)
    – Bibliothek 2.0
    – Social Bookmarking / Folksonomies / Dislozierte kooperative Sacherschließung
    – OPAC-Renovierung (inkl. CoinS & Co)
    – …?

  3. Ich verstehe das Problem mit der Suche nach „zukunftsweisenden Themen“ in diesem oder anderen Bibliotheksblogs nicht, es gibt haufenweise Beispiele. So war Open Access in deutschsprachigen Biblioblogs wie netbib breit thematisiert worden, lange bevor sich die OA-Bewegung in Deutschland institutionalisiert hatte und auf die breite Anerkennung gestoßen war, die sie heute genießt. Anderes Beispiel: Heute ist das Digital Rights Management (noch) ein Renner, viele Bibliotheken suchen ihr Heil in der Onleihe – aber mir ist kein Bereich der bibliothekarischen Fachöffentlichkeit bekannt, indem der Niedergang des Konzepts DRM und die Nachteile von DRM für Bibliotheken/Bibliotheksbenutzer so breit thematisiert worden ist wie in einigen Weblogs. So, und weil man ja immer drei Beispiele nennen muß, wenn man behauptet, noch mehr zu haben: In der englischsprachigen Biblioblogosphäre wird gerade intensiv und kritisch über die Nutzungsbedingungen von OCLCs Katalog-Metadaten diskutiert, und anhand dieses Beispiels letztlich, warum wir dringend Open Access für (bibliographische) Metadaten brauchen.
    Mir würden noch zahlreiche weitere Beispiele einfallen. Na gut, eines noch. Zwischen 2004 und 2006 habe ich dutzende, vermutlich hunderte Beiträge über Wikis und Bibliotheken bei netbib geschrieben. Heute muß darüber einfach nicht mehr so viel gesagt werden, weil mittlerweile auch in Deutschland zahlreiche große und kleine Bibliotheken mit internen Wikis arbeiten, weil es sogar deutschsprachige Buchveröffentlichungen zum Informationsmanagement mit Wikis gibt, etc.
    Ich möchte die Fragestellung einfach mal polemisch umkehren: Wo in unserer Fachöffentlichkeit hätten offen kritische, oder auch eher tastende und explorative Beschäftigungen mit neuen Themen eher einen Ort als in den heute ca. 70 deutschsprachigen Biblioblogs?
    Ich lade die Autoren des Referats dazu ein, mich gerne weiter zu löchern, ich kann zahlreiche weitere historische und aktuelle Beispiele und Trends nennen.

  4. Danke Lambert!! Ich habe das Problem eigentlich auch nicht so recht verstanden 😉

  5. Hallo liebe Blogger,

    ich bin eine der Studentinnen, die an diesem Referat im Rahmen eines Seminar mit dem Thema „Forschungsbibliothek der Zukunft“ in Kooperation mit einem Forschungsinsitut arbeitet.
    Leider gibt es in einigen deutschen Blogs keine Tagclouds und die Kategorien sind zum Teil vage. Aus diesem Grund fällt es uns schwer beweiskräftige Beispiele nachzuweisen, die wir in einem späteren Bericht anführen könnten. Wir würden gerne auf Ihr Angebot zurückkommen, Herr Heller, und wären Ihnen dankbar über alle weiteren Tipps zu Trends und Entwicklungen. 🙂

    Vielen Dank für die bisherigen Kommentare zu unserer Anfrage.

    besten gruß,
    ariane

  6. Ich habe in meiner Antwort einfach auf diese Diskussion hier verwiesen. Das sollte doch eigentlich reichen.

  7. Hallo Ariane,
    jetzt verstehe ich ein bißchen euer Problem. Das liegt tatsächlich auch an der Struktur von Weblogs – sie sind, ähnlich wie Zeitungen, zum regelmäßigen Öberfliegen gedacht, das gezielte nachträgliche Recherchieren ist hingegen oft (noch) nicht so gut möglich.
    Leider ist die regelmäßige Lektüre des einen oder anderen Blogs von Kollegen in Deutschland immer noch nicht üblich, da dieses Medium hierzulande ein merkwürdiges Imageproblem hat. In der anglophonen Welt sieht das ganz anders aus: Die qualitative Bereicherung der Fachkommunikation durch Blogs ist durch Kollegen wie D. Rosenthal erkannt und treffend beschrieben worden (vgl. http://blog.dshr.org/2007/04/mass-market-scholarly-communication.html), und die Jüngeren fordern gar, daß sich Fachzeitschriften zu Fachblogs weiterentwicklen sollten (vgl. http://mbanks.typepad.com/my_weblog/2008/02/why-blogs-shoul.html) 😉
    Radikalforderungen hin oder her: Es ist auch in Deutschland längst unumgänglich, Fachblogs zu lesen. Und ich werde auch nicht damit aufhören, neben dem Schreiben in Büchern und Zeitschriften auch zu Bloggen. Auch wenns gerade angesichts starker Job-Belastung viel zu kurz kommt…
    Wo sonst sollte man auch mal eine kritische Stimme zum Thema DRM hören? Wie sollte man auf dem Laufenden bleiben über die Weiterentwicklung der Online-Kataloge, wenn man z.B. nicht mitbekommt, wie Jakob Voß, Anne Christensen und andere ihre Entwicklungstätigkeit in ihren Blogs kontinuierlich und intensiv dokumentieren und reflektieren? Würden heute die Weblogs abgeschafft werden, würde mir eine Menge fehlen, weil ich dann z.B. auf die Artikel angewiesen wäre, die zum Abschluß drittmittelgeförderter Projekte in den einschlägigen Zeitschriften veröffentlicht werden. Diese haben beinahe zwangsläufig ein so optimistisch verzerrtes Bild vom eigenen Projekterfolg, daß sie die angeprochenen Blogs nie und nimmer ersetzen könnten.
    Abschließend noch ein Tipp. Ich würde einfach mal mit einer Websuchmaschine nach Ex Libris Primo, RefWorks Campuslizenz oder Terkko FeedNavigator suchen. (Okay, die Auswahl ist sehr egoistisch, andere Kolleginnen und Kollegen haben natürlich auch ihre Schwerpunktthemen.) Mit diesen drei Anfragen findet man sehr leicht einige Weblog-Beiträge, und mittelbar ist das auch ein Hinweis auf die neue Rolle von Fachblogs bei der Diskussion und Bewertung bibliothekarischer Entwicklungen und Produkte.
    Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß beim Anfertigen und Diskutieren eures Referats.
    Falls Ihr noch weitere Hinweise benötigt könnt ihr mich wie gesagt gerne auch direkt ansprechen.

  8. Hallo Ariane, da wir bisher keinen direkten Kontakt miteinander hatten, noch ein Nachtrag an dieser Stelle: Ich wäre sehr an eurem Referat und der Diskussion darüber interessiert, soweit ihr dies irgendwie verschriftlicht. Patrick Danowski und ich sammeln derzeit Hausarbeiten etc. aus Bibliothekswissenschaften und -management zu Web 2.0-Themen. Wäre sehr nett, Danke im voraus für Eure Bemühungen!

  9. Noch ein Tipp? Der Planet Biblioblog 2.0 bietet eine Gruppierung nach „Markierungen“ (also Tags). Leider scheinen diese Tags häufig nur Blog-spezifisch vergeben zu werden, s. AccessOpen, aber interessant ist es trotzdem.

    … und ausserdem fragt sich die neugierige Kommentar-Leserin nun noch, was Herr Heller für ein "egoistisches" Interesse an Primo hat 😉

    München wünscht ein frohen 2. Advent,
    inga

  10. Hallo Inga, der Hinweis auf den Planet Biblioblog 2.0 war natürlich noch eine wichtige Ergänzung! Und ich teile deine Kritik an der eingesetzten Software Gregarius: Das vielleicht Wichtigste wäre eine Homogenisierung der Tags, eventuell noch kombiniert mit einer automatischen Extraktion weiterer Keywords aus dem Text der Beiträge. An Gregarius werden derzeit aber nur noch Sicherheits-Updates durchgeführt, dieses eigentlich sehr interessante Software-Projekt ist derzeit verwaist.
    „Egoismus“ bezog sich übrigens nur darauf, daß ich ausschließlich per Websuche auffindbare Weblogbeiträge von mir selbst aufgezählt hatte – einschließlich des Beitrags über das Treffen mit den Primo-Machern in Hamburg, zu dem Ex Libris Patrick und mich nach der Primo-Kritik in unseren Blogs eingeladen hatte.

  11. Hallo liebe Blogger,

    auch wir melden uns mal wieder. 🙂

    Unsere Seminararbeit wächst und gedeiht. Wir versuchen uns jetzt zumindest im angelsächsischen Raum an den TagClouds und teilweise an den Kategorien zu orientieren. Dabei beschränken wir uns auf einige Blogs, wie ALA TechSource, LISNews und Librarian.net, … Im deutschen Raum sind wir ansonsten auch fleißig am recherchieren. 🙂

    Bevor wir unsere Seminararbeit weitergeben können, müssen wir das mit unserer Dozentin und der Betreuerin von seiten des Forschungsinstituts absprechen. Sobald wir Bescheid wissen, werden wir uns wieder bei Ihnen melden, Herr Heller.

    Auch an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die vielen Tipps und Hilfestellungen. Das freut uns.

    bis dahin,
    petra & ariane

  12. Hallo Ariane und Petra, hallo Mitlesende, vermutlich ist die Seminararbeit, um die es im Beitrag und den darauffolgenden Kommentare ging, ja mittlerweile erledigt. Ansonsten hätte ich ein weiteres, hochaktuelles Beispiel aus einer anderen Ecke: Die Online-Aktivitäten von Klaus Graf & Co zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Ich meine hier insbesondere die Behandlung des Themas im Weblog „Archivalia“ (vgl. http://archiv.twoday.net/topics/Kommunalarchive) sowie die Solidaritäts-Gruppe unter http://www.facebook.com/home.php#/group.php?gid=58486607084 , der sich innerhalb weniger Tage mehr als 400 Archivare und andere Interessierte aus aller Welt angeschlossen haben.

  13. Pingback: Status Quo: Fachblogs — „Amateure“ erschließen das Web als Informationsraum « beyondthejournal.net